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In der Doppel-13 wird der Fuchs gnadenlos erlegt

PAZ-Sportstunde In der Doppel-13 wird der Fuchs gnadenlos erlegt

Auf der Suche nach dem großen Wurf: PAZ-Sportredakteur Christian Meyer dartet mit den Peiner Scots Darts. Dart-Helden haben Spitznamen, die nur so vor Bewunderung strotzen: Rekord-Weltmeister Phil Taylor ist „The Power“, der Weltranglisten-Dritte James Wade „The Machine“ und der Waliser Richie Burnett „The Prince of Wales“. Ich bin höchstens „The lame Fox“ – der lahme Fuchs. Erlegt haben mich prompt die Präzisionssportler von den Scots Darts Peine – beim Training.

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So geht’s: Die Scots-Darter Harald Rieger (von links), Ines Arlt-Winkler, Enrico Berger, Sven Ahrens und Markus Arlt geben mir Tipps für die richtige Wurftechnik. 

Männer bleiben derzeit gerne länger auf. In London fliegen die Pfeile bei der Dart-Weltmeisterschaft. Sport 1 überträgt im Fernsehen bis in die Nacht. Traumhafter könnte Weihnachten kaum sein, findet Markus Arlt. Er ist Vorsitzender der Scots Darts Peine, die schon seit 1989 Pfeile werfen. Er gewährt mir einen Einblick in eine Sportart, in der es um Tonnen, Chips und Millimeter geht und bei der ich gleich beim Warmspielen an einer Funkstörung leide.

Im Empfang zwischen Hirn und Hand rauscht es bei mir gewaltig, als Scots-Darter Harald Rieger mit mir auf die „Fuchsjagd“ geht. Das ist ein beliebtes Trainingsspielchen, bei dem Darter ihre Wurfgenauigkeit trainieren und Drucksituationen simulieren. Und so geht’s: Im Uhrzeigersinn müssen wir die Doppelfelder am äußeren Rand der Scheibe treffen. Die sind gerade einmal acht Millimeter breit. Wer einmal versucht hat, aus 2,37 Meter Entfernung eine Pfeilspitze in ein Feld zu bohren, dass so schmal ist wie zwei übereinandergelegte Salzstangen, weiß, wie schwer das ist. Als Fuchs starte ich mit einem Feld Vorsprung. Und schon bei meinem zweiten Feld, der Doppel-13, hat mich Harald Rieger eingeholt. Zu lahm. Der Fuchs Meyer ist erlegt.

Bei dem Spiel, dass bei Dartern zwischen Weltmeister und Dilettant unterscheidet, bin ich hingegen der Jäger – immer hinterher. Der Spieler der zuerst exakt 501 Punkte geworfen hat, gewinnt. Darter sind faire Sportsleute. „Bevor die Pfeile fliegen, gibt man sich die Hand“, erläutert Rieger. „Gut Darts“ wünscht man sich. Und trotzdem: Ein paar Psycho-Tricks, um den Gegner nervös zu machen, sind erlaubt: „Manche klappern laut mit den Pfeilen oder spielen aufreizend langsam. Aber solche Typen gibt es kaum“, betont Arlt.

Psycho-Tricks hat mein Gegner ohnehin nicht nötig. Mein Wurfbild ähnelt der Arbeit eines Pizza-Bäckers, der den Schinken schön auf dem Teig verteilt – ein bisschen oben, ein bisschen unten, mal rechts, mal links. Mit so einer Streuung ist nichts zu reißen.

Und jetzt bin ich wirklich stinkig auf einen englischen Zimmermann: Die seltsame Reihenfolge der Zahlen auf der Scheibe legte 1896 nämlich Brian Gamlin fest. Gemeinerweise ordnete er neben hohen zweistelligen Zahlen zumeist einstellige an, um Ungenauigkeiten zu bestrafen. Das meist anvisierte 20-Feld liegt zum Beispiel zwischen der 1 und der 5. Echt fies! Mir gelingt es deshalb häufig, mit meinen drei Pfeilen eine 20, eine 5 und eine 1 zu werfen. Für dieses Phänomen haben die Darter sogar einen Fachbegriff. „Das nennen wir Chips“, sagt Scots-Darts-Chef Arlt. Und mit den Chips ist es eben wie im richtigen Leben – zu viel davon ist nicht gut.

Tonnen sind viel besser. Das sind nämlich 100 Punkte. Die besten Darter der WM schaffen noch mehr. „Oooonehundredandeighty!“ grölt der Ansager euphorisch, wenn es ein Spieler millimetergenau geschafft hat, drei Pfeile in den schmalen Schlitz des dreifach 20-Felds zu stopfen. 180 Punkte – die Höchstwertung. „Das gelingt mir vielleicht vier bis fünfmal in einer ganzen Saison“, sagt Arlt, der im Kreisliga-Team der Scots Darts wirft.

Doch wenn es eines Beweises dafür brauche, dass Dart kein Glücksspiel sondern hochkarätiger Sport ist, der müsse derzeit einfach nur mal den Fernseher anschalten. 180 Punkte werfen die Stars, zum Großteil aus England, in magischer Häufigkeit. „Die Profis trainieren bis zu sechs Stunden am Tag, Phil Taylor hat sich inzwischen sogar eine Ernährungsberaterin geholt“, verdeutlicht Scots-Darter Wolfgang Bieband.

Auch wenn man vom „Schumi der Scheibe“ weiß, dass er in den Pubs von Stoke-on-Trent mit dem Dartspiel begonnen hat – Dart ist inzwischen weit mehr als ein Kneipensport. Der Weltmeister kassiert 240000 Euro Preisgeld, Taylor ist Millionär. „Es herrscht mittlerweile Rauchverbot an den Spielstätten. Das Image der Sportart soll aufpoliert werden. Die Dart-Klubs sind jetzt sogar  Mitgliedsvereine des Landessportbunds“, weiß Markus Arlt. „Unser Sport soll schließlich einmal olympisch werden.“

Eine regelrechte Mathe-Olympiade ist der Sport schon. Sogar Grundschul-Lehrer haben ihn für ihre Schüler entdeckt. Es gibt kaum etwas anderes, wo so schön spielend Kopfrechnen gelernt werden kann. Jedes Duell hat einen Anschreiber, der die geworfene Punktzahl ermittelt und vom Ausgangswert 501 abzieht. „Ich kann mich noch gut erinnern, als ich erstmals Anschreiber bei einem Turnier war. Ich wollte mich bloß nicht verrechnen, mir haben regelrecht die Hände gezittert“, schildert Harald Rieger.

Mit meinem Spiel habe ich leider niemanden zum Zittern gebracht: 60 Punkte waren mein Top-Wert mit drei Pfeilen. Ganz entmutigt will mich Markus Arlt so kurz vor Weihnachten nicht ziehen lassen: „Mit Training ist das durchaus ausbaufähig“, sagt er und verweist auf eine Formel, die selbst den untalentiertesten Dartern Hoffnung macht: „70 Prozent ist Kopfsache, 20 Prozent Training und nur 10 Prozent Talent.“

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Eine Sportart für ganz Viele

Das Schöne an Darts: Ob groß oder klein, dick oder dünn, Mann oder Frau – „Es kann einfach jeder“, schwärmt Scots-Darts-Chef Markus Arlt. Der Verein hat 14 Mitglieder, die sich jeden Mittwoch zum Training im Stederdorfer Gasthaus „Zur Sonne“ treffen.

Drei Teams spielen in verschiedenen Ligen um Punkte. Die Sportart erlebt derzeit auch durch die Fernsehübertragungen einen kleinen Auftrieb, wie der Deutsche Dart-Verband bestätigt. Rund 11 000 Sportler sind in den 542 deutschen Vereinen organisiert. Im Peiner Land gibt es fünf beim Kreissportbund gelistete Klubs: Den DVA Fuhsefighter Abbensen, den DC Fire Darts Adenstedt, den DC Dart Angels, den DC Bulls-eye sowie die Scots Darts.

Der Einstieg ist einfach: Einfach drei Pfeile kaufen. „Für 20 bis 40 Euro ist man dabei – das ist im Vergleich mit anderen Sportarten ein Witz, wenn man bedenkt, dass alleine Hallenturnschuhe schon um die 50  Euro kosten.“

Im Dartsport gilt mehr denn je: Übung macht den Meister. „Für mich liegt der Reiz darin, dass man eine gewisse Körperspannung halten muss“, schildert Scots-Darter Harald Rieger. Infos und Kontaktdaten zu den Peiner Vereinen gibt es im Internet unter www.bbdv-online.de.

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