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„Ich kann nichts so gut wie hochspringen“

Leichtathletik „Ich kann nichts so gut wie hochspringen“

Den anvisierten Weltrekord hat er zwar nicht geknackt, aber doch für anerkennendes Staunen bei den Leichtathletik-Talenten und Zuschauern gesorgt:

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Ungewohntes Bild: Der Olympionike Thomas Zacharias überquerte auch in Edemissen die Hochsprung-Latte bäuchlings mit der Straddle-Technik.

Quelle: im

Der ehemalige Olympia-Starter Thomas Zacharias vom USC Mainz wollte beim Springer- und Läufer-Meeting in Edemissen in der Altersklasse 65 im Hochsprung über 1,67 Meter fliegen - und zwar so wie er es immer macht: Mit der Straddle-Technik bäuchlings über die Latte. Dafür hatte sich der 67-Jährige in den vergangenen Wochen in seiner Wahlheimat auf Lanzarote vorbereitet. Bis zur Höhe von 1,56 Meter hatte er keine Mühe. Doch der Trubel auf dem Sportplatz irritierte Thomas Zacharias dann doch ein bisschen, sodass er sich mit 1,62 Meter zufriedengeben musste. „Ich habe noch vier Wettkämpfe in diesem Jahr, vielleicht pack ich das noch“, sagte Zacharias danach. PAZ-Sportredakteur Christian Meyer hatte Gelegenheit, dem Olympia-Teilnehmer von Mexiko-Stadt (1968) sechs Fragen zu stellen.

Herr Zacharias, was denkt eigentlich der Leichtathletik-Nachwuchs, wenn Sie bei einem Hochsprung-Wettkampf plötzlich bäuchlings über die Latte fliegen?

„Mama, was ist denn das für‘n Flop?“ So fragte doch tatsächlich mal ein kleiner Nachwüchsler. Manche fragen, ob das überhaupt erlaubt ist. Naja. Mancher weiß nicht mal, dass man nach dem Sprung unter der Latte hindurch von der Landematte aufstehen darf. Die meisten staunen aber mit einer gewissen Ehrfurcht, weil sie sich das nicht zutrauen würden. Oder sie denken: „Wie gut, dass ich das nicht machen muss. Der Flop ist doch viel leichter und auch effektiver. Dass der damit trotzdem so hoch kommt!“ Ich sage natürlich: Bäuchlings überqueren ist effektiver und meine Absprungtechnik auch. Im Flop würde ich nicht einmal 20 Zentimeter weniger schaffen.

Mit 67 kümmern sich viele vielleicht noch um ihren Garten, aber Sie springen immer noch bei Leichtathletik-Wettbewerben mit. Warum?

Jeder macht am besten das, was er am besten kann. Und ich kann nichts so gut wie hochspringen. Naja, noch vieles andere, aber das können viele andere auch. Hochspringen nicht. Da ist in der Welt nur einer besser: Der Slowene Duzan Prezlij, der letzte Woche in Izmir bei den Senioren-Europameisterschaften gerade mit 1,67 Meter den Welt-Rekord geschafft hat, den ich mir für den Wettkampf in Edemissen vorgenommen hatte.

Tut denn gar nichts weh?

Doch. Das Knie am Sprungbein. Aber das behindert mich nur wenig. Wenn ich nicht springen würde, wäre es viel schlimmer. Ich hab zwischen 61 und 65 Jahren nicht trainiert. Da war es dann richtig schlimm. Seit ich wieder trainiere, wird es immer besser.

In Edemissen haben Sie den geplanten Weltrekord knapp verpasst. Hätten die Zuschauer vielleicht helfen können?

Gute Frage: Klatschen bringt mich nicht nur aus dem Rhythmus, sondern ist mir peinlich. Lieber habe ich es mucksmäuschenstill. Wenn andere das Publikum zum Klatschen auffordern, steigt mir die Schamröte ins Gesicht. Zumal wenn sie dann auch noch scheitern. Vorschusslorbeeren sind nicht mein Ding. Zusammen sich freuen - das bringt’s.

Ein Foto aus dem Aktuellen Sportstudio im ZDF zeigt Sie 1970 mit Fußball-Legende Pelé. Fußball zählt auch zu Ihren Leidenschaften, derzeit sollen Sie sogar an einem Buch über Fußballregeln arbeiten, weil Sie sie für überaltert, unfair und dringend reformbedürftig halten. Geben Sie doch mal ein Beispiel.

Ich suche immer noch nach einem Beispiel dafür, dass die Fußballregeln gerecht und fair seien, und finde keins. Nehmen wir den Strafenkatalog. Es gibt nur Rot als Art Todesstrafe und Gelb als Bewährung. Jeder darf seinen Gegner einmal so richtig zusammentreten. Das sind bei elf Spielern elf böse Fouls ohne echte Konsequenz. Im Basketball ist das 5. Foul, das eine Mannschaft begeht, automatisch eine Zeitstrafe. Und ein Platzverweis in der ersten Minute ist nicht dasselbe wie einer in der 89. Meist haben Strafen gar keine Auswirkungen auf den Ausgang des Spiels. Dass Spieler nachträglich für das kommende Spiel gesperrt werden, ist auch Schwachsinn. Denn: Womit hat der nächste Gegner diesen Vorteil verdient? Womöglich entsteht ihm ein Vorteil gegenüber genau der Mannschaft, die durch das geahndete Foul benachteiligt wurde. Und das ist in der Liga absolute Wettbewerbsverzerrung. Die Pöbelei gegen den Schiedsrichter ist auch absolut unsportlich und unkultiviert. In keiner anderen Sportart ist sowas erlaubt. Das Benehmen der Fußballprofis hat nichts Vorbildliches.

Sie haben auch als Leichathletik-Trainer gearbeitet. Eines der größten Talente der LG Peiner Land, Robin Pieper, wechselt nun zu Bayer Leverkusen. Geben Sie ihm doch mal einen Tipp, wie er es auch mal zu Olympischen Spielen schafft.

Als erstes muss das Talent reichen. Und dann darf man keine technischen Fehler machen. Also muss man wissen, was richtig und falsch ist. Da kann man sich aber auf keinen Trainer verlassen. Auch nicht bei Bayer. Am besten alles selber wissen und verstehen. Mit diesem Sachverstand dann viele Videos von vorbildlichen Könnern studieren.

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