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„Ich bin nicht die, die die Trikots wäscht“

Handball „Ich bin nicht die, die die Trikots wäscht“

Frauen in Leitungsfunktionen – dafür braucht der Männerturnverein Vater Jahn Peine ungeachtet seines Namens keine Quote. Die Regionsliga-Handballer des Klubs tanzen nach der Pfeife von Frauke Nordmeier. Die 40-Jährige ist Peines einzige Handball-Trainerin eines Männerteams.

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Am Ball: Guter Teamgeist ist für Frauke Nordmeier der wichtigste Erfolgsgarant.

Quelle: im (2)

Mit der Reserve des MTV stieg Frauke Nordmeier im Sommer als ungeschlagener Meister in die Regionsliga auf. An die schnellere Spielweise muss sich der Aufsteiger erst noch gewöhnen, die Gegner hingegen müssen sich mit einer Rarität vertraut machen. „Die meisten männlichen Kollegen gucken etwas sparsam, wenn sie merken, dass ich nicht die bin, die die Trikots wäscht“, sagt Frauke Nordmeier.

Seit 1999 engagiert sie sich als Trainerin bei Jahn. „Einfach weil es Spaß macht.“ Schwer sei es für sie nicht, sich in der Männerriege durchzusetzen. Und wenn sie die grüne Karte zur Auszeit hebt, „kann es auch schon mal etwas lauter werden“. Geschreie, betont sie, habe sie allerdings eigentlich nicht nötig. Die Männer spuren. Falls es doch einmal nicht so läuft, wie es sich Frauke Nordmeier vorstellt, greift die Steuerfachwirtin tief in die Rollenklischee-Kiste. Packen die Kerle in der Abwehr nicht zu, schimpft sie: „Ihr verteidigt ja wie die Mädchen.“ Das spornt an.

Widerworte aus dem Team gibt es höchstens einmal zum Scherz. Dabei könnte man meinen, es wimmele geradezu nur so vor „Besserwissern“ unter den Männern, von denen eine Reihe ganz viel Handball-Erfahrung vorweist. Denn: Mit Timo Liepelt spielt jemand in ihrem Team, der die Drittliga-Handballerinnen von Eintracht Hildesheim trainiert, Routinier Jürgen Scharf parierte bereits in der Verbandsliga, Hubertus Hahn trainierte einst Jahns Oberliga-Handballerinnen und als ob das noch nicht genug sei – bis vor kurzem hütete auch noch Frauke Nordmeiers Lebensgefährte Ralph-Rüdiger Meyer das Tor.

Manchmal versuchen die Haudegen ihre Trainerin bei taktischen Vorgaben zu beeinflussen. „Aber auf die lockere Art“, merkt Nordmeier an, die bei ihren Argumenten immer mit einem ganz großen Trumpf wuchern kann. „Welche Mannschaft in der Regionsliga kann schon von sich behaupten, eine Trainerin mit Zweitliga-Erfahrung zu haben“, sagt sie mit einem Augenzwinkern.

Mit Jahns Handballerinnen gewann sie 1997 die Norddeutsche Meisterschaft und stieg in die 2. Liga auf. Bis heute ist das der größte Erfolg der Vereinsgeschichte. Zu drei Einsätzen in der 2. Liga kam Nordmeier. Ihr blau-kariertes „Scotch-Corner-Pub“-Aufstiegstrikot mit der Nummer 11 hütet sie bis heute wie einen Schatz. „Neulich wollte ich es mal zu einer 80-er-Jahre-Party anziehen.“ An die Zweitliga-Zeiten mit einem begeisterten Publikum in der Silberkamp-Halle erinnert sie sich gern zurück. „Wir reden noch oft darüber.“

Nach zwei Kreuzbandrissen beendete die Halblinks-Spielerin 1998 ihre aktive Laufbahn und stieg kurze Zeit später ins Trainergeschäft ein. Aus einer Mannschaft, in der der Jüngste 17 und der Älteste 62 war, formte sie in der vergangenen Saison einen Meister.

Eines ihrer Erfolgsrezepte übernahm sie aus ihrer langjährigen Zeit als Spielerin unter Trainer Michael „Schotte“ Neumann. „Auch für Handballer gilt das zahlenmäßig angepasste Fußball-Motto: Elf Freunde müsste ihr sein.“

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