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Hohenhamelner lüftet Trikot-Geheimnisse der Ex-Profis

Origineller Internet-Blog Hohenhamelner lüftet Trikot-Geheimnisse der Ex-Profis

Fußball-Trikots sind inzwischen moderne Leichtgewichte aus Polyester, mitunter keine 300 Gramm schwer. Aber genügend Stoff für schöne Geschichten bieten sie, wie der frühere Hohenhamelner Fußballer und PAZ-Sportmitarbeiter Lars Lorenz beweist.

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Lars Lorenz ruht sich nicht nur gern auf dem Rasen aus, er schreibt auch schöne Geschichten mit Trikot-Bezug zum Beispiel über Weltmeister Diego Buchwald (o.), Siggi Reich (M.), Carsten Linke (u.) oder Darius Scholtysik.

Quelle: Lars Lorenz

Seit einigen Wochen betreibt Lars Lorenz den originellen Internet-Blog „ vergissmeintrikot.net“. Er schreibt zum Beispiel über Fans, die tatsächlich 360 (!) Trikots ihres Lieblingsvereins gesammelt haben und sogar Ex-Profis verraten dem 32-Jährigen, mit wem sie Trikots getauscht haben. Gerade erst hat er mit Weltmeister Guido Buchwald telefoniert.

„Tanne“ ist Schuld! Linksfuß-Hammer Michael Tarnat hat dazu beigetragen, dass der FC Bayern 2001 die Champions League gewann und dass Lars Lorenz nun einen Internet-Blog über Fußball-Trikots schreibt. „In einem Artikel über Michael Tarnat habe ich mal gelesen, dass er mehr als 300 Trikots hat. Warum hat er die? Diese Frage hat mich interessiert. Und ich hatte die Idee, dass da spannende Geschichten drinstecken könnten“, erläutert Lorenz.

Er hatte das richtige Näschen. Das zeigen nicht nur seine bunten Geschichten mit Ex-Profis. Der frühere Hannoveraner Abwehrspieler Carsten Linke verriet ihm zum Beispiel, warum es ihm so wichtig war, ausgerechnet mit dem Hamburger Doppeltorschützen Jörg Albertz nach dem Nordderby im August 2002 das Trikot zu tauschen. Für Linke war es nämlich trotz der Niederlage ein ganz besonderes Spiel: Er hatte gerade im fast schon Fußballer-Rentenalter von 36 Jahren sein Debüt in der 1. Bundesliga gegeben.

Und der derzeitige Co-Trainer des Zweitligisten Eintracht Braunschweig, der in Groß Lafferde wohnende Darius Scholtysik, erzählte ihm, dass er immer noch einen Trikotschatz aus seiner Zeit als Bundesliga-Spieler hütet. Scholtysik verteidigte in der Saison 87/88 für Bayer 05 Uerdingen und schaltete einst auch mal den Schalke-Star Olaf Thon aus. Der zollte dem Youngster mit einer besonderen Geste Respekt: „Nach dem Spiel kam er zu mir und sagte: ,Gute Leistung, Junge!´“ Und drückte Scholtysik sein Schalke-Trikot in die Hand. „Diese emotionalen Geschichten mit Ex-Profis sind das Herzstück der Seite - und sollen es auch bleiben“, betont Lorenz.

Doch er stellt auch Koryphäen wie den 96-Fan Rainer „Knorri“ Knorr oder Eintracht-Anhänger Henning Gerecke vor, deren Leidenschaft das Sammeln von Trikots ist. Modisch geht es in der Rubrik „Tradition trifft Design“ zu, wo Lorenz etwa das Oktober-Fest-Trikot von 1860 München unter die Lupe nimmt.

Geschrieben wird nachts, wenn Töchterchen Emma (3) im Bett liegt, der Job im Vertrieb und Marketing bei der HDI-Versicherung erledigt ist und Spiele mit seinen Alten Herren des SC Wedemark gewonnen sind. Seine Interview-Partner finden die Idee klasse. Ob Siggi Reich oder Claus Reitmaier - die Ex-Stars stellten dem einstigen Kicker des TSV Hohenhameln sogar eigene Fotos zur Verfügung. Bochums Edelfan Bernd Kreienbaum schickte ein Bild mit ihm, seinem VfL-Trikot aus dem DFB-Pokal-Finale 1988 und dem, der es getragen hat - Stürmer Uwe Leifeld.

Lars Lorenz hat auch gesammelt, aber vor allem Trikots aus seiner aktiven Zeit in der Bezirks- und Landesliga beim TSV Hohenhameln. Sein Lieblingsstück im Trikotschrank ist jedoch das eines Bundesligisten - es ist ein Schatz von 1993 in Grün und Weiß. „Damals war ich Werder-Bremen-Fan. Das war die goldene Zeit mit Otto Rehhagel und Stürmer Wynton Rufer. Das hat mich geprägt“, begründet der gebürtige Soßmarer, der mittlerweile mit Ehefrau Andrea in Bissendorf-Wietze wohnt. Inzwischen ist er ein Fußball-Fan ohne Scheuklappen, verfolgte zum Beispiel Braunschweigs Erstliga-Aufstieg in Ingolstadt ebenso live wie das Hannover-96-Europapokal-Gastspiel in Kopenhagen. „Ich bin ein untypischer Fan, eher ein Lokalpatriot. Aber die Wirkung eines Trikots löst immer etwas in mir aus“, sagt Lorenz.

Vor allem das, das die deutsche Nationalelf im WM-Finale 1990 trug. „Ich war sieben und durfte ausnahmsweise noch die zweite Halbzeit gucken“, erinnert sich Lorenz an seinen schönsten Fußball-Fan-Moment. Drei Ereignisse habe er in jenem Jahr noch spätabends im Fernsehen sehen dürfen: „Die Berichte zur Wiedervereinigung, das Achtelfinale gegen Holland und das Endspiel gegen Argentinien.“ Umso mehr freute sich Lorenz deshalb darüber, dass Weltmeister Guido Buchwald ihm nicht nur ein Interview gab, sondern für den Blog auch exklusiv seinen WM-Spieltagsrückblick schrieb. Ein Schmankerl.

Und wenn Lorenz jetzt noch die Handynummer von Michael Tarnat rausbekommen würde...

Von Christian Meyer

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