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Freiwillig in den Knast

Radsport Freiwillig in den Knast

Als sie von diesem ungewöhnlichen Sport-Spektakel erfuhren, haben sie sich gleich für das Rennen verhaften lassen. Die Peiner Radsportler Monika Janzen und Frank Eggert strampelten beim „Prison Break“ in und rundum das ehemalige Staatsgefängnis in Horsens an der dänischen Ostküste.

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Wie für die Polizei-Akte: Vorm Rennen im Gefängnis wurden Monika Janzen und Frank Eggert stilecht fotografiert. Die Strecke führte die Mountainbiker auch durch zwei Lkw-Anhänger.

Von Christian Meyer

 „Die Strecke war der Hammer“, schwärmte Eggert nach seinem 80-Kilometer-Marathon, bei dem er sogar durch ein Loch in der Wand brettern musste.

Auf den meterhohen Gefängnismauern kringelt sich noch immer der Stacheldraht, die Fenster sind vergittert. Was für eine Kulisse für ein Mountainbike-Rennen. „Das war ein echtes Saisonhighlight“, sagt Monika Janzen. Und zu dem trug ein verblüffendes Schauspiel maßgeblich bei. Als sich die Peiner im Pulk der Fahrer im Startbereich im Innenhof fragten, wann es nun endlich losgehen würde, flog ein Fenster im fünften Stock auf. Zusammengeknotete Bettlaken wurden herabgelassen. Ein als Häftling verkleideter Schauspieler kletterte daran hinab und schrie irgendetwas auf Dänisch. Beängstigendes Hundegebell ertönte, Alarm-Sirenen fingen an zu heulen. Der Ausbrecher soll gefangen werden. Dann ein Schuss. Der Startschuss! Schon das war ein Erlebnis.

Mit rund 1000 Mountainbikern gingen die beiden Peiner aus der Mountainbike-Gruppe des Eulenexpress ins Rennen. Einige Sportler trugen wie die Daltons aus den Lucky-Luke-Heften schwarz-weiß gestreifte Sträflingskostüme. 80 anstrengende Kilometer und 1100 Höhenmeter im und rundum den Ex-Knast waren zu bewältigen. „Was uns überrascht hat war, dass es selbst im flachen Dänemark mitunter sehr steil sein kann“, schilderte Monika Janzen.

Durch Wälder, Hänge hinauf, Abfahrten hinunter, über Bauernhöfe oder Hindernis-Parcours kletterten, düsten oder balancierten die Peiner. „Es gab brutale Rampen, mal mit Wurzeln, mit Kies, mit Buchenspänen, mit Schlamm, mit Gras oder einfach nur Geröll, aber definitiv immer mit Spaß“, bilanzierte Frank Eggert begeistert.

Gefährlich glatt war das Kopfsteinpflaster in der Innenstadt von Horsens. Ein Schmankerl wartete kurz vorm Gefängnis: Über eine Rampe mussten die Mountainbiker durch zwei Lkw-Anhänger rauschen und hinten wieder rausspringen.

Trotz der schwierigen Passagen meisterte Frank Eggert den Kurs in 3:58,51 Stunden. Das entspricht fast 19 Stundenkilometern. Damit fuhr er auf Platz 76 der 252 Fahrer der Herren-Altersklasse. Monika Janzen hatte Pech, nach ihrem zweiten Platten nach nur 15 Kilometern schied sie aus. „Für Frank war es das coolste Rennen des Jahres, das sah man an seinen leuchtenden Augen. Ich will das nun nächstes Jahr erleben.“ Dann gehen die Peiner nämlich wieder freiwillig in den Knast.

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