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Er stoppte einst Englands Super-Talent

Serie: Peines Top-Fußballer Er stoppte einst Englands Super-Talent

Jonas Sonnenberg kommt aus Wendeburg, wurde Deutscher A-Jugend-Meister und spielte mit Robin Knoche und Maximilian Arnold beim VfL Wolfsburg. Doch seine Fußball-Karriere verlief nicht gradlinig. Jetzt läuft er für Jahn Regensburg II in der Bayern-Liga auf.

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Jonas Sonnenberg (rechts) verteidigt im Dress des VfL Wolfsburg im Testspiel des Regionalliga-Teams gegen Halberstadt.

Quelle: Boris Baschin

Als seine ehemaligen Mitspieler Robin Knoche und Maximilian Arnold im Sommer dieses Jahres im Berliner Olympiastadion den DFB-Pokal in die Höhe stemmten, schuftete der Wendeburger Jonas Sonnenberg im Reha-Zentrum des VfL Wolfsburg gerade für sein Comeback. Er schuftete, um nach einer Knie-Verletzung seine große Leidenschaft, den Fußballsport, endlich wieder ausüben zu können. Sein Vertrag beim VfL wurde jedoch nicht verlängert. Jetzt wagt der 22-Jährige einen Neuanfang beim SSV Jahn Regensburg. Ein Schritt zurück, um danach zwei vorwärts zu gehen.

Die DFB-Pokalsieger Knoche und Arnold spielen inzwischen Champions League, Sonnenberg nun in der Bayern-Liga - das ist ein Indiz dafür, dass Karrieren zuweilen anders verlaufen können, wenn Talente von schwereren Verletzungen verschont bleiben und zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind. Jonas Sonnenberg, einer der begabtesten Fußballer aus dem Kreis Peine, hatte eigentlich die besten Voraussetzungen für den Sprung ganz nach oben.

Bei der JSG Wendeburg/Wendezelle begann er mit dem Fußballspielen, ehe ihn Kreisauswahltrainer Kiriakos Aslanidis zum VfB Peine lotste. Sein dortiger Trainer Christoph Hasselbach entdeckte Sonnenbergs Stärken auf einer für ihn völlig neuen Position. „Er hat mich erstmals als Innenverteidiger aufgestellt“, erinnert sich der hochgewachsene Defensivakteur, dessen Begabung auch dem VfL Wolfsburg nicht verborgen blieb. Als 2007 der Anruf von Nachwuchscoach Matthias Stammann kam, ging für ihn ein Traum in Erfüllung: „Ich war schon immer VfL-Fan. Der Wechsel nach Wolfsburg war der nächste logische Schritt.“

In der U15 wurde der Wendeburger sogleich zum Führungsspieler und Kapitän. Auch der Sprung in die B-Jugend-Bundesliga glückte nach anfänglichen Schwierigkeiten, doch erstmals warf ihn eine Verletzung zurück. Eine Schambeinentzündung und Leistenprobleme zwangen den jungen Innenverteidiger zu einer sechsmonatigen Pause. „Die Belastung war zu diesem Zeitpunkt einfach zu hoch. Die Auszeit tat gut“, sagt Sonnenberg, der wiedererstarkt zur U19 zurückkehrte. Trainer Stephan Schmidt, der unter anderem die Proficlubs SC Paderborn und Energie Cottbus coachte, baute auf den Abwehrspieler: „Er hat mich zum Kapitän gemacht. Unter ihm hatte ich meine beste Phase.“

Der Lohn: Eine Einladung zum Nationalmannschafts-Lehrgang in Düsseldorf. Doch wieder verletzte sich der 1,91-Meter-Hüne, was weitere Einsätze mit dem Adler auf der Brust verhinderte. Erst zum Ende der Saison 2010/11 wurde er wieder fit. Gerade rechtzeitig, um mit der A-Jugend des VfL Wolfsburg den Gewinn der Deutschen Meisterschaft zu feiern.

Im Jahr darauf durfte er mit seiner Mannschaft an der erstmals ausgetragenen Next Gen Series, einer Art Jugend-Champions-League, teilnehmen, bei der der VfL unter anderem auf den FC Liverpool traf. Anfield Road. Riesen Atmosphäre. Sein damaliger Gegenspieler Raheem Sterling wechselte kürzlich für kolportierte 62,5 Millionen Euro zu Manchester City. Sterling traf nicht, der VfL erkämpfte ein 1:1. „Das war schon ein Highlight meiner bisherigen Laufbahn“, sagt Sonnenberg, dem in der neuen Saison auch der Sprung zur zweiten Mannschaft des VfL glückte.

Trainerfuchs Lorenz-Günther Köstner ließ den Abwehrspieler regelmäßig in der Regionalliga spielen. „Ich war auf einem guten Weg. Man hätte sich von der Entwicklung mehr versprechen können, als bis heute dabei rausgekommen ist“, resümiert der 22-Jährige.

Wieder verpasste er bedingt durch Sperren und Verletzungen einen Großteil der Saison und nach der Sommerpause stand wieder ein neuer Mann an der Seitenlinie. Bei Valerien Ismael hatte Sonnenberg einen schweren Stand. „Man plante nicht mehr mit mir, doch ich wollte mich in Wolfsburg durchbeißen“, erklärt der Verteidiger.Es klappte! In den Relegationsspielen zur 3. Liga schenkte ihm Ismael das Vertrauen. Die VfL-Reserve scheiterte jedoch an der SG Sonnenhof/Großaspach, Ismael ging nach Nürnberg, der ehemalige VfL-Profi Thomas Brdaric übernahm und Jonas Sonnenberg verlängerte seinen Vertrag beim VfL um ein weiteres Jahr. Es wurde ein Jahr zum Vergessen.

Denn ein Knochenmarksödem im Knie setzte ihn bis in den Sommer 2015 außer Gefecht. Nach monatelanger Reha in Wolfsburg lief sein Vertrag aus. „Damit musste ich erst einmal klarkommen. Das war keine schöne Zeit“, sagt Sonnenberg, der neben seiner Laufbahn als Fußballer ein Fern-Studium in Sportmanagement absolviert: „Es wäre fahrlässig gewesen, sich nur auf den Sport zu konzentrieren. Sich nebenbei etwas aufzubauen, hat Sinn gemacht.“

In der Phase der Vereinslosigkeit hielt sich Sonnenberg sogar beim Peiner Kreisligisten TSV Wendeburg fit. Als dann der SSV Jahn Regensburg anklopfte, hatte der Abwehrspieler sofort ein gutes Gefühl. „Ich sah dort für mich die beste Perspektive“, sagt der Student, der sich schnellstmöglich über die nur eine Liga tiefer spielende Zweitvertretung für den Regionalliga-Kader empfehlen will: „So ist es angedacht, und die Verantwortlichen haben bereits positive Signale gesendet.“

Sein Fernziel: Stürmer in der 3. Liga stoppen. Dort will auch der Jahn wieder hin. Die Rahmenbedingungen beim Tabellenführer der Regionalliga Bayern stimmen. Das neue Stadion, zuletzt ausverkauft, bietet 15.000 Zuschauern Platz. Für Jonas Sonnenberg natürlich eine zusätzliche Motivation: „Die Stimmung dort ist klasse und ein Ansporn, schnell in die Mannschaft zu kommen.“

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