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Ein Klein Ilseder drückt Portugal die Daumen

Fußball-WM Ein Klein Ilseder drückt Portugal die Daumen

Seine Freistöße sind schärfer als manche Peperoni, er rennt fast wie ein Sprinter obwohl er Fußball spielt, er ist Kapitän und Rekordtorschütze der Nationalmannschaft, gilt als bester Fußballer der Welt, hat 84 Millionen Fans bei Facebook im Internet - und doch gibt es tatsächlich Portugiesen, die den derzeit berühmtesten Portugiesen nicht mögen.

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Rui Fonseca zeigt auf einem Globus auf sein Heimatland. Der Klein Ilseder drückt heute bei der WM Portugal die Daumen, auch wenn er Cristiano Ronaldo nicht so gerne mag.

Quelle: im

Rui Fonseca aus Klein Ilsede zum Beispiel, weiß nicht so recht, was er mit Cristiano Ronaldo anfangen soll. „Er ist ein bisschen abgehoben und arrogant. Sein Ruf ist besser als seine Leistung“, findet der 62-Jährige. Und trotzdem: Rui Fonseca traut seinem Heimatland heute Abend (18 Uhr) bei der Fußball-Weltmeisterschaft im Gruppenspiel gegen Deutschland einen Sieg zu.

Seit 1978 lebt Fonseca im Peiner Land. Geboren wurde er im Norden Portugals, wuchs aber in Lissabon auf. Warum verlässt jemand eine der schönsten Hauptstädte Europas, um nach Deutschland zu ziehen? „Zumindest nicht aus Liebe zum FC Bayern“, scherzt er. Eine andere Liebe ist dafür verantwortlich. In Lissabon lernte er seine Frau Gudrun kennen, die an der deutschen Schule als Lehrerin arbeitete. Fünf Jahre lebte das Paar gemeinsam in Portugal, dann wanderte Fonseca mit seiner Frau nach Deutschland aus. In Klein Ilsede fanden sie ihr Traumgrundstück, wo sie ihr Haus bauten.

Er arbeitete als Prokurist für die Commerzbank und genießt inzwischen das Rentner-Leben. „Deutschland ist meine zweite Heimat geworden“, sagt er. Deshalb wäre er auch nicht böse, falls es die deutsche Fußball-Nationalelf doch schaffen sollte, die Portugiesen heute zu besiegen. Nur damit rechnet er nicht. „Ich glaube, Portugal gewinnt 2:1. Ich will mir ja nicht die Finger verbrennen, aber ich habe den Eindruck, die deutsche Mannschaft ist derzeit nicht gerade auf dem Höhepunkt ihrer Leistung“, begründet er. Die Chancen stünden also gut für die Portugiesen - und wenn dann Cristiano Ronaldo noch einen guten Tag erwischt... „Nur ich habe leider immer den Eindruck, er spielt nur gut, wenn er Lust hat“, meint Fonseca. Wird er denn Lust haben? „Wenn seine Freundin da ist, vielleicht“, witzelt der Vater zweier erwachsener Kinder.

Ein kühles, deutsches Bier wird sich Rui Fonseca heute vielleicht zum Spiel öffnen - denn das schmeckt ihm an Deutschland. Was er hingegen nicht so mag: „Alles ist zu organisiert, zu bürokratisch. Auf mich kam damals ein ganz schöner Mentalitätswechsel zu“, erzählt er. Mittlerweile ertappe er sich jedoch dabei, „dass ich in manchen Dingen schon mehr Deutscher als Portugiese bin. Es ist lustig: Aber dieses Laisser-faire stört mich inzwischen“, gibt Fonseca zu. Er schätzt Handwerker, die nicht nur versprechen, morgen vorbeizukommen, sondern dann auch da sind.

Jetzt müssen nur noch die portugiesischen Nationalspieler heute Abend eine gute Arbeit abliefern...

cm

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