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Dietz hat die Lähmung überwunden

Paralympics-Sieger besuchte Sportfest des TSV Essinghausen Dietz hat die Lähmung überwunden

Vom Fußball-Jugendnationalspieler zum Paralympicssieger und Weltrekordhalter: Der Behindertensportler Sebastian Dietz erzählte beim Sportfest des TSV Essinghausen aus seinem bewegten Leben, welches 2004 durch einen Autounfall eine dramatische Wendung nahm.

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Die Sportfest-Besucher hatten beim Bierdeckelweitwurf ihren Spaß (Bild oben) – genauso wie der Gast Sebastian Dietz (Bild unten).

Quelle: im

Der TSV Essinghausen hatte den Besuch des Paralympicssiegers in einem Preisausschreiben gewonnen. Vereinsmitglied Rita Heinecke hatte die Schulsporthalle auf wheelmap.org, einer Online-Karte, als rollstuhlgerecht markiert, landete so im Lostopf und gewann den Besuch.

Adrian Behrendt, Jugendfußball-Obmann des TSV Essinghausen, interviewte beim Sportfest Sebastian Dietz, der zunächst von seinem Autounfall erzählte. „Nach meinem Unfall war ich zunächst vom Hals ab gelähmt. Ich wusste nicht, was ich mit mir anfangen soll und hatte mich schon aufgegeben“, schilderte Dietz, der vorher als Torwart täglich auf dem Fußballplatz gestanden hatte, und als Jugendnationalspieler kurz vor dem Durchbruch zum Profi war.

Doch seine Familie gab ihm neuen Mut, und Dietz setzte sich hohe Ziele: „Die Ärzte sagten mir, ich würde nie wieder laufen können. Aber ich sagte ihnen, dass ich nach drei Monaten selbstständig aus dem Krankenhaus gehen werde“, sagte Dietz und ergänzte: „Nach elf Wochen ging ich selbständig mit meinen Sachen in der Hand aus dem Krankenhaus.“ Der Moment, als er - eingeschränkt - wieder das machen konnte, was er wollte, sei vergleichbar gewesen mit dem Lernen des Fahrradfahrens: „Man fällt immer wieder hin, aber irgendwann schafft man es und ist sehr stolz.“ Dietz kann inzwischen wieder gehen, zieht dabei aber ein Bein nach.

„Leider kommen bei Wettkämpfen in Deutschland kaum Zuschauer“

Zum Diskuswerfen und Kugelstoßen sei Dietz relativ schnell gekommen. „Sie sagten mir bei einer Sichtung, dass springen und laufen ja nicht ginge, also müsste ich werfen. Das sah ich auch so.“ Seine Goldmedaille aus London hatte der Paralympicssieger auch dabei, ließ die Besucher sie sogar anfassen. „Der Moment, vor 80 000 Zuschauern auf dem Podest zu stehen, ist unbeschreiblich. Dafür lohnt sich die harte Arbeit. Leider kommen bei Wettkämpfen in Deutschland kaum Zuschauer“, bedauerte der Diskuswerfer die geringe Resonanz in Deutschland.

Das Thema Inklusion im Sport hält Dietz für schwierig: „Im Prinzip sind es unterschiedliche Sportarten. Ich bin dafür, dass Wettkämpfe zusammen ausgetragen, aber getrennt bewertet werden.“

Zum mehrfachen Diskusolympiasieger und Weltmeister Robert Harting pflegt Dietz eine gute Freundschaft. Er trainierte auch schon mit ihm. Sein nächstes Ziel nach EM-Silber in Wales sind nun die Paraloympics 2016 in Rio. Da möchte er wieder ganz oben stehen.

Doch auch den Weg zum Fußball hat Dietz wiedergefunden: Als Inhaber der C-Lizenz Leistungssport trainiert er eine Landesliga-Damenmannschaft.

Neben dem Besuch von Sebastian Dietz bot das Sportfest auch noch eine Bierdeckelweitwurf-Aktion, einen Auftritt der Cheerleader aus Essinghausen und ein Spaßfußballspiel, an dem auch Sebastian Dietz teilnahm.

ehl

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