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„Die neue Saison ist auch ein Charaktertest“

Fußball: Interview „Die neue Saison ist auch ein Charaktertest“

30 Spiele, 27 Siege, keine Niederlage, 144 geschossene Tore und nur 14 Gegentreffer - wahrlich eine glänzende Bilanz, die die Kreisliga-Fußballer des TSV Hohenhameln vorweisen können. Lohn für diese Leistung ist der Titelgewinn sowie der damit verbundene Aufstieg in die Bezirksliga. Was sich der ehemalige Landesligist in der neuen Umgebung vorgenommen hat, erläuterte Coach Nick Gerull im Gespräch mit der PAZ.

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Vater des Erfolgs: Trainer Nick Gerull.

Quelle: rb

Herr Gerull, zunächst einmal Glückwunsch zu solch einer erfolgreichen Serie. Dabei hatten Sie in der Saisonvorschau lediglich Platz vier als Ziel ausgegeben.

(lacht) Intern haben wir von Beginn an eine andere Sprache gesprochen - Ziel war der Aufstieg. Dass es jedoch so glatt läuft, habe ich nicht erwartet. Allerdings haben wir nicht alle 30 Spiele souverän agiert, sondern es gab auch einige Partien, in denen wir glücklich die Punkte geholt haben.

Was war entscheidend, dass Ihr Team dermaßen dominiert hat?

Zum einen haben wir aus der Saison davor die richtigen Lehren gezogen, indem wir konzentrierter gearbeitet haben. Zum anderen war Neuzugang Markus Reiff ein entscheidendes Mosaiksteinchen. Denn er gibt immer alles, insbesondere in den Situationen, in denen es nicht so gut läuft - und an ihm richten sich die anderen auf. Aber auch viele andere Spieler haben sich sehr gut weiterentwickelt. All das hat dafür gesorgt, dass es so hervorragend gelaufen ist.

Gab es auch Zeiten, in denen Sie am Titelgewinn gezweifelt haben?

Na ja, ganz wichtig für uns war das erste Rückrundenspiel gegen Arminia Vöhrum, das wir sehr glücklich kurz vor Schluss mit 2:1 gewonnen haben. Das hat allen verdeutlicht, dass man arbeiten muss, um Erfolg zu haben und dass es nicht von alleine geht. Einige Spieler hatten in der Trainingsarbeit schon ein wenig nachgelassen und waren der Meinung, dass auch 80 Prozent reichen. In dieser Hinsicht hatte das Spiel gegen Vöhrum Signalwirkung. Auch für mich war das eine neue Erfahrung.

Inwiefern?

Ich musste zusehen, dass die Jungs in jedes Spiel immer mit der richtigen Einstellung hinein gehen. Das war nicht einfach und für mich eine echte Herausforderung. Letztlich kann ich sagen, dass die vergangenen zwei Jahre für mich die schwersten bisher in meiner Trainerlaufbahn waren.

Aber es waren erfolgreiche Jahre.

Das stimmt, allerdings nicht nur in sportlicher Hinsicht. Wir sind auch das drittfairste Team in Niedersachsen geworden - und darauf bin ich auch ein wenig stolz. Eine Klasse höher wird das aber so nicht mehr funktionieren.

Was haben Sie sich denn für die Bezirksliga vorgenommen?

Es wird ein brutal schweres Jahr für uns. Das zeigt schon die Bilanz der Aufsteiger. Von den vergangenen zehn Mannschaften, die aus dem Kreis Peine in die Bezirksliga aufgestiegen sind, spielt nur noch Woltwiesche in dieser Klasse. Deshalb gibt es für uns auch nur ein Ziel: den Klassenerhalt.

Oder gibt es intern wieder eine andere Sprache?

(lacht) Nein, nein, wir starten als krasser Außenseiter und Abstiegskandidat. Das hat auch das Testspiel gegen den Kreisligisten RW Braunschweig deutlich gemacht. Das haben wir mit 1:2 verloren und waren relativ chancenlos.

Das hört sich ein bisschen nach Understatement an.

Ganz und gar nicht, denn wie stark die Braunschweiger Teams sind, konnte man auch dieses Jahr in der Bezirksliga sehen. Wir werden deshalb auch unsere Spielweise komplett umstellen müssen. In der Kreisliga haben wir auf Ballbesitz gespielt und unsere Chancen herauskombiniert. In der Bezirksliga werden wir dieses System nicht durchdrücken können, dort müssen wir viel tiefer stehen. Außerdem benötigen wir mehr Physis, mehr Aggressivität und mehr Härte - das müssen wir uns aneignen, andernfalls werden wir nicht bestehen.

Wie sieht es mit Zugängen aus?

Wir haben uns darauf geeinigt, dass wir alle Jungs mitnehmen wollen, die zum Erfolg beigetragen haben, so dass der Kader im Wesentlichen zusammen bleibt. Aber aus Trainersicht wären zwei, drei neue Spieler, die schon höher gespielt haben, wünschenswert. Aber das ist nicht mein Verantwortungsbereich, an dieser Stelle ist der Verein gefragt.

Vor einem Jahr hatten Sie vom Verein auch gefordert, dass die Arbeit im Nachwuchsbereich intensiviert werden muss. Hat sich da etwas getan?

Wie in anderen Vereinen gestaltet sich auch bei uns die Jugendarbeit schwierig. Das fängt schon bei der Besetzung der Trainerposten an. Denn als Jugendtrainer muss man sehr viel Engagement mitbringen, ohne dass es große Gegenleistungen gibt. Die Bemühungen seitens der Verantwortlichen, die Rahmenbedingungen zu verbessern, sind jedenfalls vorhanden. Ich hoffe, dass sie fruchten.

Haben denn die vielen Siege gefruchtet und sich auf die Zuschauerzahlen ausgewirkt?

Nein, weil die Zeiten, in denen man mit guten Leistungen 300 bis 400 Zuschauer locken kann, vorbei sind. Erfreulich für mich ist aber, dass es hier viele Ehrenamtliche gibt, die bei den Punktspielen dafür sorgen, dass vom Platzbau bis zum Kuchenverkauf alles reibungslos verläuft. Das sind ganz wichtige Mitarbeiter für einen Verein, denn Trainer kommen und gehen, aber diese Leute sind mit viel, viel Herzblut dabei.

Solch ein Engagement wünschen Sie sich sicherlich auch von Ihrer Mannschaft in der neuen Saison.

Auf jeden Fall. Ich betrachte die kommende Serie auch als Charaktertest. Denn im Erfolgsfall ist der Zusammenhalt immer vorhanden, aber da wir in der nächsten Saison nicht so erfolgreich sein werden wie noch in der Kreisliga, wird sich zeigen, ob wir dann ein echtes Team sind.

Interview: Peter Konrad

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