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Die Omars und ihre Liebe zum Tor-Netz

Gleich vier Brüder gehen für Fußball-Kreisligist TSV Essinghausen auf Torejagd Die Omars und ihre Liebe zum Tor-Netz

„Ein Mensch ohne Brüder und Schwestern gleicht einem Baum in der Wildnis“ lautet ein Sprichwort aus Vietnam. Einsam um den Spielertrainer des Fußball-Kreisligisten TSV Essinghausen wird es jedoch nicht. Jamil Omar spielt schließlich seit dieser Saison mit seinen drei Brüdern in einer Mannschaft. Das gab es zuletzt auf dem Bolzplatz in ihrem syrischen Heimatdorf Barzan.

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Fussball Kreisliga Essinghausen, Brueder Omar, von links nach rechts: Asad, Hafed, Jamil, Alan

Quelle: kn

Fußball-Kreisligist Teutonia Groß Lafferde könnte es am Sonntag ergehen wie jüngst der Nationalmannschaft Samoas. Gleich vier Brüder des Gegners trafen beim 10:1 für Tahiti. Eine derartige Klatsche ist zwar utopisch, aber dass sich Jamil, Hafed, Alan und Asad Omar vom TSV Essinghausen in die Torschützenliste eintragen, eher nicht. 11 Tore hat der TSV in dieser Saison geschossen, 8 davon blieben in der Familie.

Wegen ihrer guten Balltechnik sind die Omars, allen voran Dribbelmaus Asad, im eigenen Verein geschätzt und bei den gegnerischen Verteidigern gefürchtet. „Meine drei Brüder sind gute Fußballer. Das macht mir vieles einfacher“, sagt Jamil Omar, der in seine zweite Saison als Spielertrainer des TSV geht. Denn eines will er sich nicht nachsagen lassen: Die Brüder bevorzugt zu behandeln. „Vermutlich schimpfe ich mit ihnen sogar mehr als mit den anderen, weil ich mehr erwarte“, unterstreicht der 26-Jährige.

In der Sommerpause ist es ihm gelungen, alle Omars in eine Mannschaft zu holen. Alan ist das Küken, Asad der Zweitjüngste und Hafed mit 27 der Älteste. Als die Omars zuletzt in einer Mannschaft spielten, waren sie noch Schüler. In einem Dorf im Norden Syriens wuchsen sie auf. „Ein Platz mit Rasen gab es nicht, aber wir haben fast jeden Tag gespielt“, erinnert sich Jamil Omar an Duelle mit Nachbardörfern und Kindern aus dem Ort. „Manchmal haben wir sogar um ein paar Groschen gespielt“, weiß Hafed Omar noch. Die Tore waren aus Holz und sie hatten kein Netz. „In Deutschland in ein Tor mit Netz zu schießen ist viel schöner, da muss man nicht so weit laufen, um den Ball wiederzuholen, der reingegangen ist“, vergleicht Jamil Omar.

Das Fußballspiel auf einem holprigen Platz hat sie geprägt. „Alle wollten sich präsentieren und besser fummeln können als der andere. Wir hatten ja keinen Trainer der gesagt hat: Jetzt müsst ihr aber besser abspielen“, schildert Hafed Omar. Jetzt haben sie einen. Und das ist ihr Bruder. Der mache einen richtig guten Job, betont Hafed Omar, der es überhaupt nicht mehr komisch findet, sich von seinem jüngeren Bruder etwas sagen zu lassen. „Er hat dafür gelernt, Fußball-Trainer sein zu dürfen. Was er sagt, muss ich akzeptieren, schließlich zählt das Spiel der Mannschaft und da habe ich nicht drei sondern zehn Brüder“, verdeutlicht Hafed Omar.

Seit Ende 2001 leben die Omars in Deutschland. Der Vereinssport hat dazu beigetragen, dass sie sich in windeseile in dem einst so fremden Land integriert haben. Ihr Deutsch ist fast so flüssig wie das Passspiel des FC Barcelona, dem absoluten Lieblingsklub von Asad Omar. Alle haben berufliche Ziele. Jamil absolviert eine Ausbildung zum Elektriker, Alan arbeitet in der Produktion eines Peiner Automobilzulieferers, Asad als Verkäufer für einen Bezahl-Sender und Hafed studiert Gesundheitswesen-Management in Wolfsburg. Ihre Eltern sind stolz auf die Kinder, schauen regelmäßig auf dem Sportplatz zu. In ein paar Jahren können sie vielleicht schon die nächste Generation der Omar-Fußballer bestaunen. Jamil hat mit seiner Frau einen zweieinhalb Jahre alten Sohn. Tiago heißt der. „Er schießt schon mit dem linken Fuß. Ich hoffe, dass er unser Leistungsträger der Zukunft wird und auf dem Fußballplatz mehr erreicht als wir“, sagt Jamil Omar.

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Als Asylbewerber kam die Familie Omar 2001 aus Syrien nach Deutschland. Derzeit rückt Fußball als Gesprächsthema Nummer eins etwas in den Hintergrund. Denn in ihrem Heimatland wird getötet. „Wir sprechen auch viel über Politik. Die Situation in Syrien ist ganz schlimm geworden, alles ist durcheinander und niemand weiß, wem er noch vertrauen kann und wem nicht“, schildern die Omars.

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