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Die Ansetzungen bekommt Peines ältester aktiver Fußball-Schiedsrichter noch per Post

Fussball Die Ansetzungen bekommt Peines ältester aktiver Fußball-Schiedsrichter noch per Post

Es reicht ihm, wie es ist. Winfried Reese hat kein Handy und keinen Computer und ist als Fußball-Schiedsrichter trotzdem immer auf dem Laufenden.

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Warten auf den Anpfiff: Winfried Reese ist pünktlich und zuverlässig zur Stelle, wenn er ein Spiel leiten soll.

Quelle: rb

Von Jürgen Hansen

 Wider den Zeitgeist bekommt der Peiner als einziger der hiesigen Schiri-Zunft die Informationen über seine Einsätze noch auf herkömmliche Weise: Er wird von den Schiri-Ansetzern des Fußball-Kreisverbands per Post oder per Anruf benachrichtigt.

„Um Schiedsrichter zu sein, brauche ich kein Handy oder Computer. Ich will ja nichts vom Fußball-Kreisverband. Der will ja was von mir“, ist Reese in Sachen Spielansetzung pragmatisch. Sein Sohn habe ihm vor einigen Jahren mal einen PC im Haus installiert. „Danach habe ich mich an die Kiste rangesetzt, dann aber gemerkt, das ist nicht mein Ding“, erzählt der ehemalige Berufskraftfahrer, der nicht allein wegen seines Computer-Verzichts im Schiedsrichterkollegium heraussticht.

1964 war Reese erstmals mit der Pfeife im Einsatz

Denn der 77-Jährige ist der älteste aktive Schiri im Kreis Peine. 1964 war er erstmals mit schwarzer Kluft und Pfeife im Einsatz. „Vorher habe mich einige Mal über die Schiedsrichter geärgert. Da habe ich mir gesagt, jetzt mache ich den Job“, erinnert sich der ehemalige Fußballer des TuS Bierbergen.

Zwölf Jahre später musste er wegen einer Ohren-Erkrankung, die seinen Gleichgewichtssinn aus dem Takt brachte, den Beruf aufgeben und mit der Pfeiferei aufhören. 1987 stand er wieder auf dem Sportplatz. „Mein Arzt sagte mir, Bewegung ist das Beste für das Gleichgewicht. Das regeneriert sich dann. Und es ist tatsächlich so, Bewegung tut mir gut. Im Winter, wenn keine Spiele sind, geht es mir schlechter.“

Während der Saison ist Reese, der für Teutonia Groß Lafferde pfeift, rege. Vorige Serie hatte er 104 Ansetzungen. Zwei, manchmal drei Begegnungen leitet er am Wochenende meistens. 2. und 3. Kreisklasse, Jugend und Altherren sind sein Metier. In jungen Jahren wurde er auch im Bezirk eingesetzt.

Anders als früher werden die Unparteiischen nach seiner Einschätzung von den Spielern heutzutage mehr respektiert. „Mann, was haben die Fußballer in den Sechziger und Siebziger Jahren auf dem Platz rumgetobt und laut gemeckert. Es ging damals in den Zweikämpfen härter zur Sache als jetzt, es gab oft ordentlich Gummi.“

Ärger war selten, „Fehler wird es immer geben“

Reese persönlich hatte und hat in den von ihm geleiteten Spielen selten Ärger. Spiele, in denen er wegen Fehlentscheidungen beziehungsweise vermeintlicher Fehlentscheidungen bedrängt oder sogar massiv angegangen wurde, seien absolute Ausnahmen gewesen. Dass er als Schiedsrichter Fehler machte und macht, räumt er freimütig ein. „Fehler: Die wird es immer geben. Auch wenn es Torlinientechnik, den Chip im Ball oder sonstwas gibt. Schiedsrichter und Linienrichter brauchen im Spiel nur ein, zwei Meter falsch zu stehen. Dann entscheiden sie falsch, weil sie das Foul oder das Handspiel nicht sehen.“

Fehlentscheidungen hin, Fehlentscheidungen her - Reese ist mit Spaß dabei und freut sich, dass er durch die Schiedsrichterei viel herumkommt. Dennoch wollte er sich vergangenes Jahr zur Ruhe setzen. Doch die Ansetzer des Schiedsrichter-Ausschusses im Fußball-Kreisverband spielten nicht mit, weil sie wissen, was sie an ihrem zuverlässigen Oldie haben. Mit Sprüchen wie „Das kannst du nicht machen. Du wirst gebraucht“, stimmten sie ihn um.

Möglicherweise werden die Ansetzer „ihren“ Reese im Sommer wieder beknien. „Ich werde wohl aufhören“, blickt der 77-Jährige in die nahe Zukunft.

Wer ihn zum Weitermachen überreden will, muss wohl das persönliche Gespräch suchen. Anfragen per Mail, Whats App oder per Handy werden keinen Erfolg haben.

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