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Dem Brustkrebs davongetanzt

Fitness-Trainerin Dem Brustkrebs davongetanzt

Im Juni 2012 erkrankte die Vöhrumer Übungsleiterin Ute John – und kämpfte sich mit viel Sport zurück ins Leben.

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Bei der „Dance Night“ gab Ute John (links) einen Einblick in den Fitness-Tanz „Aroha“. Bei Arminia Vöhrum leitet sie zudem Pilates-, Drums Alive- und Body-Forming-Kurse.

Quelle: Ralf Büchler

Zwei Wochen am Stück stillzuhalten, das ist so gar nicht nach dem Geschmack von Ute John. In den Weihnachtsferien pausieren zwar ihre vier Sportkurse, die sie im TSV Arminia Vöhrum anbietet - aber nicht die 52-Jährige. Sie wird walken, auf der Matte im Wohnzimmer beim Pilates die Muskulatur kräftigen und sich neue Übungen für ihre Gruppen ausdenken. Wen schon eine Chemo-Therapie nicht bewegungslos gekriegt hat, der wird sich doch nicht von Weihnachtsferien eine Pause verordnen lassen...

Seit rund 16 Jahren bringt Ute John bei Arminia Vöhrum als Fitness-Trainerin Vereinsmitglieder in Schwung. Sie ist schlank, treibt viel Sport, raucht nicht, trinkt nicht - und doch erwischte es sie. Im August 2012 diagnostizierten Ärzte bei ihr Brustkrebs. Aggressiv und schnellwachsend. Der Tumor muss entfernt werden, eine Chemo-Therapie möglicherweise verbliebene Tumorzellen abtöten. Doch anstatt zu hadern und sich in den eigenen vier Wänden zu verkrümeln, meldet sich die Vöhrumerin sogar noch zu einem neuen Sportkursus an: Sie lernt Zumba. „Von 100 auf 0 ausgebremst zu werden - das wäre nicht gegangen. Ich war sehr froh, mich während des Sports nicht mit meiner Krankheit beschäftigen zu müssen und ich war dankbar dafür, dass sie so früh festgestellt wurde“, sagt sie. Ihr Super-Medikament gibt es in keiner Apotheke: Bewegung.

Nach den Chemo-Therapien muss sie sich übergeben, die Haare fallen aus, doch Ute John tanzt mit einem Lächeln im Gesicht beim Zumba, trommelt voller Freude zu fetziger Musik auf Gymnastik-Bällen beim Drums Alive. „Ich habe etwas gemacht, was mir Spaß macht. Der Sport hat mir sehr geholfen, die Krankheit zu überwinden“, sagt sie.

Die Gemeinschaft im Verein stärkt sie. Abteilungsleiterin Sabine Herrmann schlägt vor, gemeinsam walken zu gehen, Sportkollegin Andrea Vogt muntert sie kurz nach den Chemos mit kleinen Geschenken wie dem Buch „Fit mit Thera-Bändern“ auf. Ute John tanzt in sieben Monaten dem Brustkrebs davon. Richtig gesund fühlt sie sich, als sie das erste Mal wieder die Übungsleitung übernimmt. „Mitmachen war schon toll, aber vorne zu stehen und die eigenen Ideen umzusetzen, das hat mir sehr viel bedeutet.“

Im Februar dieses Jahres gibt sie bei ihren Gruppen bei der großen Turnschau von Arminia Vöhrum schon wieder elanvoll den Takt vor - mit feschem Kopftuch. Rund zehn verschiedenfarbige hat Ute John sich während ihres Kampfs gegen den Krebs zugelegt, um die fehlende Haare zu verbergen. Ihre Drums-Alive-Gruppe stellte den Sport passenderweise im Piraten-Dress zum Song „Fluch der Karibik“ vor. „Ich konnte einigen aus der Gruppe ein Kopftuch leihen“, erinnert sich die Fachübungsleiterin für Gymnastik und Tanz schmunzelnd.

In einem Internet-Kaufhaus wird sich Ute John demnächst eines Stücks Lebensgeschichte entledigen. Nicht eine Träne wird sie diesem Mist-Ding nachtrauern. Die Perücke kommt weg. „Wenn ich sie aufgesetzt habe, habe ich sofort schlechte Laune bekommen“, erzählt sie.

Schlechte Laune hat die Finanzbeamtin nicht gerne. Deshalb freut sie sich nach einem belastenden Weihnachtsfest im vergangenen Jahr diesmal auf sorgenfreie Feiertage mit ihren Söhnen Steffen und Oliver und Ehemann Ronald. Und den 29. Dezember kann sie diesmal auch richtig genießen - es ist ihr Geburtstag.

Von Christian Meyer

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