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DHB hat Bad Boys, Peine hat Rüüüüüüüdis!

Motivationssprüche der Peiner Handballer DHB hat Bad Boys, Peine hat Rüüüüüüüdis!

„Herr Wolff, was halten Sie von Spanien?“ - „Fast alles!“ Im Internet witzeln die Handball-Fans, was Deutschlands EM-Torwart-Held Andreas Wolff wohl noch so alles aufhalten könnte: Die Titanic vorm Untergang zum Beispiel oder den Jenga-Holz-Klötzchen-Turm vorm Umsturz, waren sich die Witzbolde sicher.

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Ein Team, eine Schale: Die Handball-Nationalmannschaft mit der EM-Trophäe. Der Ausrüster des Sensations-Europameisters vermarktet den „Bad-Boys“-Anfeuerungsruf des Teams schon auf T-Shirts.

Quelle: dpa

Wenn Wolff bei der EM mal wieder einen Ball pariert hatte, mitunter sogar mit dem Ohr, dann ballte er die Fäuste, riss die Augen und den Mund auf und brüllte die Freude mit Urgewalt heraus. So stellt man sich einen „Bad Boy“ (Harter Junge) vor. Der Anfeuerungsruf „Bad Boys“ des DHB-Teams ist innerhalb von nur zwei Wochen zum Markenzeichen geworden. „Das passt einfach, weil sie frech sind, mit knallharter Abwehr und kompromisslos gespielt haben“, sagt Vater-Jahns-Landesliga-Herren-Trainer Jens Klein. Doch welche Motivationssprüche brüllen eigentlich die Peiner Teams? Die PAZ lüftet das Geheimnis.

1. Herren MTV Peine

Mit einem langgezogenen „Rüüüüüüüüüüüdi!“ machen sich die Landesliga-Handballer in Auszeiten und kurz vorm Anpfiff heiß. Die Geschichte dahinter: Auf einer Abschlussfahrt wurde Spieler Marco Thuns versehentlich immer Rüdiger genannt. Daraus entwickelten die Jahner einen Running-Gag und hatten prompt auch ihren Anfeuerungsruf. Egal ob lustig oder nicht: Jahn-Coach Jens Klein findet solche Rituale wichtig. „Damit kann man die Gemeinschaft zeigen und noch einmal Druck für die weitere Spielzeit aufbauen“, betont er.

Wie die Nationalmannschaft bei der EM mit Druck umgegangen ist, hat ihn begeistert und die Höhe des Finalsiegs gegen Spanien einfach nur überrascht: „Wir haben in einer Runde bei meinem früheren Teamkollegen Dirk Bortfeld geguckt. Alle haben auf einen Sieg mit zwei Toren Abstand getippt. Und dann das. Aber der Gegner ist halt auch nur so stark, wie man es zulässt“, schwärmte Klein vor allem von der Abwehrarbeit.

B-Junioren HSG Nord

„Sind wir heiß wie Frittenfett?“, fragt Coach Thomas Rauls seine Youngster in Auszeiten und die brüllen die Antwort im Chor: „Ja, HSG Nord!“ „So ein gemeinsames Ding zu haben, und einen Kreis in Auszeiten und vorm Spiel zu bilden, hat sich erst etwa in den vergangenen zehn Jahren entwickelt. Aber ich finde das total gut. Es zeigt die Geschlossenheit“, sagt Rauls.

1. Herren MTV Groß Lafferde

Und wieder etwas Kurioses: „Schlappseil - raus!“, rufen die Landesliga-Handballer des MTV nach Auszeiten und zum Spielstart. Der Anfeuerungsruf entstand bei einer Teambuildingmaßnahme in einem Hochseil-Garten, bei der die Groß Lafferder im wahrsten Sinne des Wortes zeigen mussten, dass sie alle an einem Strang ziehen. „Michael Nechanitzky war damals noch Trainer bei uns“, erläutert Kreisläufer Steffen Slabon, „ein Teamkollege wurde eingehängt und hochgezogen. Wir mussten laufend an einem Seil ziehen, und wenn wir zu langsam gelaufen wären, hätte es passieren können, dass unser Teamkollege wieder abstürzt.“ Der Hochseilgarten-Trainer habe immer gerufen: „Schlappseil raus!“ Das übernahmen die Groß Lafferder.

Den „Bad-Boys“-Ruf des DHB-Teams findet Slabon passend. „Allein, wenn man sieht, wie die Abwehr agiert hat und wie viele Strafzeiten die Deutschen kassiert haben.“ Acht waren es alleine im Finale. Das schaute sich Slabon lieber ganz alleine an. „Ich war einfach zu angespannt, ich habe auch diesmal wieder viel im Stehen geguckt“, verrät er.

1. Frauen HSV Vechelde-Woltorf

Als Henning Jäger zu Saisonbeginn das Traineramt bei den Regionsoberliga-Handballerinnen übernahm, führte er auch gleich einen Anfeuerungsruf ein. „Wir sind gut!“, ruft er selbstbewusst und von seinen Spielerinnen schallt es zurück: „Wir sind ein Team!“ „Dieses Ritual finde ich genauso wichtig wie das Warmlaufen“, betont Keeperin Judith Priebe. Das stärke den Teamgeist.

Was man mit dem erreichen kann, bewiesen auch die „Bad Boys“. Ausgerechnet den Final-Triumph verschlief Judith Priebe. „Ich bin vom Weiberfasching gekommen. Bis zum 6:1 habe ich noch durchgehalten, dann sind mir die Augen zugefallen, weil mir vermutlich klar war, jetzt gewinnen das die Deutschen eh“, scherzte sie. Ihr EM-Held: Andreas Wolff. „Der hat super gehalten.“

A-Junioren MTV Groß Lafferde

Nach Auszeiten wird es beim Oberligisten laut. „Wir spielen auf...“, beginnt Trainer Dennis Bühn und sein Team komplettiert den Motivationsspruch lautstark mit: „...Sieg!“ Wichtiger für die Einstellung findet Bühn jedoch die Ansprache in der Kabine vorm Spiel. „Die letzten Worte sind entscheidend, damit macht man die Jungs heiß.“

Weil Abwehr für Härte stehe und die Deutschen überragend verteidigt hätten, würde auch der „Bad-Boys“-Spruch passen. „Das wird eine Marke“, ist sich Bühn sicher, obwohl er zu bedenken gibt, dass die Nationalspieler doch eigentlich bodenständige und liebe Kerle sind. „Handball-Stars sind sehr nahbar“, lobt Bühn und erinnert sich noch allzu gut an den Gast-Auftritt der Profis des HSV Hamburg, die im August 2013 in einem Freundschaftsspiel den Herren-Landesligisten Groß Lafferde mit 37:8 bezwangen und sich danach nicht zu schade dafür waren, als Champions-League-Sieger noch eine Bratwurst am Grillstand auf dem Dorf zu essen.

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