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Beim Hochsprung die Körperteile sortieren

Sportabzeichen Beim Hochsprung die Körperteile sortieren

Sportlich aktiv sein und seine eigene Leistungsfähigkeit ausprobieren: Die Möglichkeit dazu hat jeder, wenn er das Sportabzeichen ablegt. PAZ-Redakteurin Kerstin Wosnitza hat es ausprobiert. Und festgestellt: Es ist zu schaffen.

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50 Meter können ganz schön lang sein: PAZ-Redakteurin Kerstin Wosnitza (Mitte) beim Sprint mit Katja Tiehe (links) und Jessica Schultze.

Quelle: cb

Den guten Vorsatz trage ich schon lange mit mir herum, doch in diesem Jahr will ich es wissen: Ich werde versuchen, das Sportabzeichen zu machen. Als Tatort habe ich Edemissen ausgewählt, die Gemeinde, die ich journalistisch betreue.

Das hat den Vorteil, dass ich da nicht ganz fremd bin und gleich Anschluss habe, dachte ich mir. Das ist auch so, aber ich hatte die Kehrseite nicht bedacht: Natürlich werde ich von allen Seiten mit großem Hallo begrüßt, als ich ein wenig verschämt in meiner Turnhose auf den Platz komme – und jetzt gibt es endgültig kein Zurück mehr.

Gemeinsam mit vielen Edemissern, darunter eine große Gruppe von Menschen mit Behinderung, werde ich nun also mein Glück versuchen. Als Schülerin war ich in Leichtathletik ganz gut, aber da mein Abitur ein Vierteljahrhundert zurück liegt, habe ich absolut keine Ahnung, wie weit ich springen oder wie schnell ich laufen kann.

Heimlich geübt
Die Tabellen mit den Leistungsanforderungen hatten mir die Kollegen aus der Sportredaktion schon im Vorfeld besorgt, und ich gebe zu: Schwimmen habe ich heimlich geübt und schon ein bisschen Zuversicht getankt: 200 Meter in 9 Minuten, das ist zu schaffen.

Auf der Sportanlage fühle ich mich im ersten Moment ein wenig orientierungslos, doch das bleibt nicht unbemerkt: Schnell habe ich einen DIN-A-4-Zettel in der Hand und bekomme erklärt, wie es hier so läuft. Die erste Disziplin ist schon mal ganz leicht: Zettel ausfüllen.

Dann kann man sich die Station aussuchen. Ich verabrede mich spontan mit Katja Tiehe und Jessica Schultze zum 50-Meter-Sprint. Die beiden sind sehr schnell und ziehen mich mit – ich bleibe unter den geforderten 9,2 Sekunden und fühle mich schon mal super.

Beim Weitsprung ist gerade ziemlich viel Betrieb, also wähle ich als nächste Anlaufstelle auf gut Glück den Hochsprung. Dort nimmt der Sportabzeichen-Referent des Kreissportbundes Hartwig Maasberg die Leistung ab. Er ist sehr gnädig zu mir und legt die Stange zunächst auf 80 Zentimeter. Aber das ist auch gut so, denn ich muss meine Körperteile ganz schön sortieren. Anlaufen, den Po schön hoch nehmen, bloß nicht noch mit der Hand oder mit der Ferse hängenbleiben und dabei möglichst nicht allzu unelegant aussehen, schließlich gucken alle zu – mir geht in den wenigen Sekunden vieles durch den Kopf. Doch offensichtlich gelingt der Sprung gut, denn gleich der zweite Versuch soll über die geforderte Höhe von einem Meter gehen. Ich bin ganz zuversichtlich, laufe an – und bleibe vor der Stange stehen. So hoch ist ein Meter, wenn man daneben steht? Puh! Doch jetzt zeigt sich das Phänomen, das mir im Nachhinein am besten gefallen hat: Ich bin nicht allein an der Sprunganlage, und alle machen mir Mut.

Wildfremde Menschen feuern sich an
Und das ist nicht nur bei mir so, weil ich von der Zeitung bin, sondern bei allen Sportlern. Wildfremde Menschen fiebern mit, feuern sich gegenseitig an und freuen sich gemeinsam, wenn das Ziel erreicht wird. Ausgelacht wird niemand – eine tolle Erfahrung.

Beim dritten Versuch schaffe ich es, mich ohne anzustoßen über die Stange zu wuchten. Stolz hole ich mir von Maasberg eine Unterschrift und gehe weiter zum Kugelstoßen. Das ist für mich ein wenig überraschend kein Problem: Gleich im ersten Versuch schaffe ich 6,39 Meter – fast 40 Zentimeter mehr, als ich müsste. „Man darf sich auch verbessern“, bekomme ich gesagt. Aber so weit reicht mein Ehrgeiz heute nicht.

Jetzt muss ich noch zum Schwimmen, dazu werde ich ins Peiner Freibad fahren. Für mich die größte Herausforderung wird wohl die Ausdauer-Prüfung. 2000 Meter Laufen traue ich mir nicht zu, aber 1000 Meter Schwimmen oder 20 Kilometer Radfahren sollten zu schaffen sein. Dafür kann man ja auch recht einfach allein trainieren.

Jedenfalls habe ich mir fest vorgenommen, das Sportabzeichen in diesem Jahr auch zu Ende zu bringen – und nächstes Mal bin ich wieder dabei.

wos

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