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Bei Benjamin Duda wirkt der Schiri-Schein

Fußball Bei Benjamin Duda wirkt der Schiri-Schein

Sie werden beleidigt, bedroht und teilweise sogar geschlagen - und das, obwohl sie nur ihren Job machen. Die Rede ist von den Fußball-Schiedsrichtern, deren Stand auch auf den Sportplätzen im Peiner Land schwerer geworden ist.

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Mit spitzer Feder: So sieht Karikaturist Gerhard Mester die Situation auf Fußballplätzen.

Quelle: Mester

Neue Wege geht man im Fußball-Kreis Flensburg, wo die Spieler selbst Ecken und Einwürfe anzeigen. Den Schiri-Schein ablegen ist ein weiteres Mittel, um Rowdies in die Schranken zu weisen. Fußballer aus dem Kreis Peine erläutern, was sie davon halten.

„Die Idee ist cool, aber ob alle daraus lernen, ist die zweite Frage. Ich glaube, dass einige Spieler den Schein nur machen würden, weil sich ihre Sperre dann verkürzt“, ist Florian Fliegel, Trainer des Leistungsklassisten TuS Bierbergen, skeptisch in Sachen Schiri-Lehrgang für Fußball-Straftäter. Ähnlich beurteilt er das Flensburg-Modell. „Wenn zwei Hitzköpfe sich einigen sollen, wann Einwurf ist, kann es noch mehr Ärger gegen.“

Auch Reinhard „Oje“ Bäthge, Fußball-Obmann von Arminia Vöhrum, lehnt ab. „Das funktioniert nicht, es würde zu viele Diskussionen geben.“ Vom Schiri-Schein-Vorschlag hält er ebenfalls gar nichts. „Das bringt auf keinen Fall mehr Ruhe auf dem Platz.“

Benjamin Duda, Trainer der B-Jugend von Eintracht Braunschweig und Spieler beim TSV Essinghausen ist dagegen voll dafür. „Als junger Spieler bekam ich einige Platzverweise, weil ich Schiri-Entscheidungen nicht akzeptierte. Meine damaligen Trainer Nick Gerull und Kiriakos Aslanidis vergatterten mich dann dazu, Schiri zu werden. Das half. Seitdem gab’s keine Platzverweise mehr, weil ich eine andere Sichtweise habe.“ Vom Flensburg-Modell hält er hingegen wenig. „Der Schiedsrichter muss allein entscheiden, weil er eben unparteiisch ist.“

Für Michael Knigge, Lehrwart des Fußball-Kreisverbands Peine, entscheiden die Spieler schon jetzt meist selbst, wann Abstoß, Ecke und Einwurf ist. „Die nehmen sich den Ball und liegen fast immer richtig.“ Die Spieler-Kompetenz offiziell zu erweitern, könnte man diskutieren. Und: „Man müsste es Mal auf dem Platz ausprobieren.“ Radaubrüder zum Schiedsrichter-Schein verdattern, hält Knigge für sinnvoll. „Die müssten dann ihre Perspektive wechseln. Ich vermute, dass sie danach weniger Stress auf dem Platz machen.“

Das Sportgericht des Kreises Peine hat die Bewährungschance „Schiri-Lehrgang absolvieren“ bereits in die Tat umgesetzt, berichtet Sportrichter Hans-Jürgen Rohnert. „Wir machen das schon seit einigen Jahren. Und es klappt, fast alle Übeltäter haben das Angebot angenommen, um ihre Strafe zu verkürzen. Möglicherweise waren wir damit im NFV sogar Vorreiter.“

Skeptisch sieht Rohnert die Flensburger Regelung. „Darunter kann die Autorität des Schiedsrichters leiden, wenn er nur noch bei Abseits und Fouls gefragt ist. Und was ist, wenn sich zwei Spieler wegen eines Einwurfs in die Haare kriegen? Dann muss der Schiri Rot zeigen. Das wäre die Sache doch nicht wert.“jh

So lösen andere Verbände das Aggressivitäts-Problem

Damit es auf den Sportplätzen gesitteter zugeht, haben einige Fußball-Verbände ungewöhnliche Lösungsvorschläge erarbeitet:

• So regeln im Fußball-Kreis Flensburg die Spieler beider Teams seit dieser Saison selbst, wann es Eckball, Abstoß oder Einwurf gibt. Mit Erfolg. Die Aggressionen gegen die Schiris seien zurück gegangen.

• Das Sportgericht des Niedersächsischen Fußball-Verbandes verteilte eine Strafe mit Auflage. Laut Regelbuch hätte ein 19-Jähriger, der einem Schiedsrichter ins Gesicht gespuckt hatte, ein Jahr gesperrt werden müssen. Der NFV gab ihm jedoch die Bewährungs-Chance, den Schiri-Schein zu machen, dann verkürzt sich die Sperre um ein halbes Jahr.

• Der Berliner Fußball-Verband (BFV) setzte Zeichen. So unterbrachen die Unparteiischen an einem Spieltag alle Spiele in Berlin für fünf Minuten. Während der Unterbrechung wurden Flugblätter verteilt, auf denen Fair-Play gegenüber den Schiris gefordert wird. Zudem machte der BFV Druck. Sollten die Attacken auf Schiedsrichter weiter zunehmen, wird erwogen, bei bestimmten Vereine beziehungsweise Spielklassen für einen gewissen Zeitraum keine Schiris mehr an zusetzten.

• Im Fußball-Kreis Gelsenkirchen setzt man auf „Deeskalations-Abende“, zu denen alle Vereine einen Trainer und Offiziellen schicken müssen. Unter Anleitung eines professionellen Konflikt-Coaches werden Wege aus der Misere gesucht. Ein Lösungansatz, „Gewalttätige Spieler aus dem Verein schmeißen“, habe zweifelhaften Erfolg gebracht. „Diese Spieler gehen dann zu einem anderen Verein“, klagten die Vertreter der Klubs.

• Im Fußball-Kreis Frankfurt werden Schiedsrichter-Neulinge zu ihren ersten Partien von Betreuern begleitet. Die stellen sich vor jedem Spiel bei den Trainern vor, stehen danach am Spielfeldrand.

• Neue Schiedsrichter im Fußballverband Mittelrhein (FVM) sind vor Beginn ihrer Laufbahn dazu verpflichtet, eine Gewaltpräventions-Schulung zu besuchen. Nach Ansicht des FVM hilft die Schulung den Unparteiischen, sich vor Gewalt zu schützen beziehungsweise sie zu verhindern. Ein Beispiel dafür: Die richtige Körpersprache zeigen. Das sei wichtig, wenn ein Schiedsrichter einem höchst aggressiven Spieler Gelb oder Rot zeigen will.

jh

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