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2001: Bein zerquetscht - 2013: Marathon

Genesung nach Horror Unfall 2001: Bein zerquetscht - 2013: Marathon

Eine Menge Pech kam zusammen für Thomas Ammen. „Mein Bein hing nur noch an ein paar Muskelfasern und Sehnen“, sagt er. Doch nach dem Arbeitsunfall hatte er eine Menge Glück. Am Sonntag läuft er seinen ersten Marathon.

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Thomas Ammen heute: Regelmäßig läuft er, häufig über lange Strecken. Morgen startet er beim Hannover-Marathon.

Quelle: rb

Es war eine Verkettung unglücklicher Umstände, die dazu führte, dass das linke Bein des Stederdorfers am 27. August 2001 unter ein 6,4 Tonnen schweres Paket geriet. Durch die Wucht beim Unfall und den Sturz wurde auch noch das rechte Sprunggelenk zertümmert.

„Die Rettungssanitäter kamen, ich kriegte noch alles mit“, sagt Ammen. Kurz bevor er das Bewusstsein verlor, hörte er einen der Sanitäter sagen: „So ein Mist. Das Bein muss wohl ab.“

Als Ammen aufwachte, lag er im Peiner Krankenhaus, eine siebenstündige Operation hinter sich. Vorsichtig schaute er an sich herunter. „Das Bein war noch da“, schilderte er seine Erleichterung.

Eine Vielzahl an Schrauben ragte heraus, außerhalb des Beins mit einer Stange (Fixateur) verbunden, die alles zusammenhielt. „Oberschenkel-Trümmerfraktur“ sowie „Unterschenkel-Mehrfragmentfraktur“ war die Diagnose. Bei der Operation hatten vier Ärzte das zerquetschte Bein wieder in Form gebracht und gerettet. Ein 45 Zentimeter langer Stift in Ammens Oberschenkel half, den Knochen zu stützen. Auch das Fußgelenk richteten die Ärzte mit Hilfe von zwei neun Zentimeter langen Drahtstiften.

Siebeneinhalb Wochen lag der damals 39-Jährige nur auf dem Rücken. „Das schönste Erlebnis war, als ich nach fünf Wochen zum ersten Mal duschen durfte“, erinnert sich Ammen.

Das Fernsehen half ihm, das eigene Leid zu relativieren. „Ich lag ja über den 11. September im Krankenhaus. Ich habe die komplette Berichterstattung über den Anschlag auf das World Trade Center verfolgt.“

Bei einer Visite prophezeite ihm der leitende Arzt: „Sie müssen ein Vierteljahr im Krankenhaus bleiben und sind insgesamt ein Jahr außer Gefecht.“ Doch Thomas Ammen denkt positiv, und sein Kampfgeist war schon längst geweckt. „Ich wettete mit dem Arzt um eine Dose Cola, dass ich eher aus dem Krankenhaus komme. Die Cola habe ich gewonnen!“

Denn Ammen trainierte intensiv Bein und Fuß, und hatte seine Beweglichkeit knapp acht Wochen nach dem Unfall so weit wiederhergestellt, dass er entlassen werden konnte.

Befreundet ist der Stederdorfer mit einem Physiotherapeuten, und der machte ihm nicht nur Mut, sondern arbeitete auch intensiv mit ihm: Dreimal pro Woche drei bis vier Stunden Quälerei, vor allem auf dem Laufband.

„Das Üben war manchmal ganz schön schmerzhaft“

Ammen kam zugute, dass er schon immer gern Sport getrieben hatte. „Alles - außer Fußball“, sagt er. Die Beweglichkeit kam zurück. „Das Üben war manchmal ganz schön schmerzhaft“, gesteht Ammen. „Aber ich konnte das Bein mehr und mehr anwinkeln.“

Im März 2012 wurden ihm bei einer weiteren Operation alle Nägel und Stifte wieder entfernt. Sein linkes Bein war zwar jetzt einen Zentimeter kürzer, aber noch dran. „Und das ist das Wichtigste“, sagt Ammen. „Den Längen-Unterschied kann ich mit einer Einlage ausgleichen.“ Die Beschwerden, zum Beispiel, dass er auf der linken Körperseite nicht schlafen konnte, klangen Jahre später ab.

Ammen blieb sportlich aktiv, wurde Tae-Bo-Trainer, hatte aber immer noch nicht das absolute Vertrauen in die dauerhafte Belastbarkeit seines Beins - bis ihn vor drei Jahren ein Freund zu einer überredete. „Wir unterhielten uns unterwegs, und plötzlich waren wir dreieinhalb Kilometer weg. Wir mussten die Strecke natürlich auch wieder zurück. Ich hatte keine Probleme“, wunderte sich Ammen.

Auf den Geschmack gekommen, startete er beim Nachlauf in Hannover über zehn Kilometer. Seitdem absolvierte er sechs Halbmarathonläufe. Und morgen ist Premiere: In Hannover läuft der 51-Jährige seinen ersten Marathon. Sein Ziel: „Ankommen!“

Es wäre ein Riesen-Erfolg.

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