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Genuss & Leben Fitness mit Hüftschwung
Sonntag Genuss & Leben Fitness mit Hüftschwung
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19:59 17.03.2017
Hulahooping: Auch Amerikas einstige First Lady Michelle Obama lässt den Reifen kreisen. Quelle: picture alliance / AP Photo
Hannover

Joggen verursacht Kurzatmigkeit. Yoga erfordert einiges an Biegsamkeit. Und Studiotraining auf schweißnassen Trainingsgeräten ist eher für Effizienzorientierte als für Ästheten. Obgleich positive gesundheitliche Effekte moderater sportlicher Aktivität bestens belegt sind, mag sich nicht jeder regelmäßig dazu aufraffen. Schlicht, weil Sport anstrengend ist, fortwährend an körperliche Grenzen führt und uns so unsere Schlaffheit erst richtig bewusst macht.

Entgegen dem gefühlten Zustand, dass heute mehr Menschen denn je Fitnesshype und Körperkult verfallen sind, steht es tatsächlich nicht allzu gut um die Sportlichkeit der Deutschen: Die jüngste Bewegungsstudie der Techniker Krankenkasse bemängelt, dass wir unser Leben buchstäblich absitzen – zumeist vor diversen Bildschirmen. Rund ein Drittel der Deutschen bewegt sich täglich weniger als eine halbe Stunde. Der Gang zum Briefkasten oder vom Sofa zum Kühlschrank wird natürlich nicht mitgerechnet.

Ginge es nach der Weltgesundheitsorganisation (WHO), müssten wir uns täglich 30 Minuten körperlich fordern – und nicht nur gemütlich irgendwo langschlendern. 30 Minuten: Das ist eigentlich nichts, eine winzige Lücke, die sich selbst im vollsten Terminkalender auftut.

Doch wer sich drücken will, ist um Ausreden nicht verlegen – es sei denn, er gestaltet sein Sportprogramm so, dass er gar nicht erst merkt, wie sehr er sich schindet. Wohl deshalb taucht ein altbekanntes Spielgerät einmal mehr aus der Versenkung auf, das zugleich ein äußerst effektives Sportgerät ist: der Hula-Hoop-Reifen. Man verortet den hüftschwungbetriebenen Ring eher auf dem Schulhof oder neben dem aufblasbaren Planschbecken im Garten als im Fitnessstudio. Hula-Hoop lässt an Kindheit denken, an Sommerglück, an bonbonbunte Schweißbänder um Stirn und Handgelenke, an die kecken Achtziger.

Stimmt alles nicht: Zum einen stammt der von der US-Spielwarenfirma Wham-O ersonnene Hula-Hoop-Reifen bereits aus den Fünfzigerjahren, zum anderen ist Hulahooping längst zu einem Power-Training avanciert, das bekanntermaßen hart trainierende Prominente wie Beyoncé, Michelle Obama und Liv Tyler regelmäßig praktizieren.

Denn der Reifen – je größer sein Durchmesser, desto mehr Einsatz ist nötig, ihn um die Taille rotieren zu lassen – stärkt Bauchmuskeln, Rücken und Po und lässt nebenbei die Pfunde purzeln. Je nach Intensität der Übung werden immerhin zwischen 500 und 900 Kalorien in der Stunde verbrannt.

So wie wir es bereits aus der Welt der US-Foodtrends kennen, gebiert auch der kreisende Reifen Hybridphänomene: Analog zu Mufgel (Muffin und Bagel) und Cronut (Croissant und Donut) heißen die Fitnessjünger Hoopilates willkommen, ein Intervalltraining, das rasante Hula-Hoop-Einheiten mit bedächtigen Pilates-Übungen kombiniert. Schön wäre es, man könnte auch andere Sportarten „verhoopen“ und ihnen so das Verbissene nehmen. Aber Hoopathlon (Marathonlauf mit Reifen) oder Hoopups (Sit-ups mit Reifen) dürften nicht funktionieren.

Macht ja auch nichts. Entscheidend ist nicht Höchstleistung, sondern regelmäßige Bewegung. Und falls Hulahooping keinen rechten Schwung in die Sache bringt: Das Kindheitsrepertoire hat ja auch noch Gummitwist (gut für die Koordination), Springseil (konditionsfördernd) und Jo-Jo (Feinmotorik) zu bieten.

Von Daniel Behrendt

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