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Deutschland Das Sauerland will Urlaubern Heimat auf Zeit bieten
Reisereporter Deutschland Das Sauerland will Urlaubern Heimat auf Zeit bieten
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10:57 13.09.2018
Schwarz-weiße Fachwerkhäuser bestimmen das Aussehen vieler Dörfer im Sauerland. Quelle: Bernd F. Meier
Schmallenberg

Ralf Blümer kann sich noch genau erinnern: "Unser Architekt kippte einen Eimer mit kleinen Steinen vor uns aus und meinte: Das werden die Böden für die Duschen, Kieselsteine aus dem Lennefluss unten im Tal, anstelle herkömmlicher Keramikfliesen."

Drei Jahre planten Jessica Gerritsen und Ralf Blümer gemeinsam mit dem Architekten Martin Schürmann ihre Ferienhütten am Berghang über

Schmallenberg.

"Liebesgrün" - diesen Namen gaben die Gastgeber ihrem Dorf mit den zehn Holzhütten.

Liebesgrün steht beispielhaft für einen Trend im

Sauerland - der Hinwendung zu den Stärken der Region. Nach der Leitlinie: nicht beliebig sein, sondern den Urlaubern Heimat auf Zeit vermitteln. Mithin das so angesagte dänische Hygge, also die Gemütlichkeit, aufs Sauerland zu übertragen.

"In der 1970er und 1980er Jahren hat der nussig braune Farbton P 43, Eiche rustikal, hier viele Hotelzimmer bestimmt. Heute wird luftiger, heller und auch farbenfroher gestaltet", sagt Schürmann. Alles geschehe mit den Materialien der Region: Holz vor allem, da über die Hälfte des Gebietes aus Nadelholzwäldern besteht. Außerdem werden Schiefer und Grauwackesteine verbaut.

Auch traditionsreiche Hotels wie der über 500 Jahre alte

"Gasthof Schütte" in Oberkirchen wandeln sich. Jüngst wurden dort mehrere Zimmer umgestaltet - reduziert und klar. "Durch Eichenböden unverwechselbar regional, eben typisch für uns", sagt Karl Anton Schütte, der den Gasthof in der 19. Generation führt.

Drei Tage verbleiben die allermeisten Urlauber im Sauerland. Nur zwei bis drei Auto- oder Bahnstunden von Ruhrgebiet und Rheinland sowie dem Großraum Frankfurt entfernt, gilt die Gegend als bevorzugtes Kurzreiseziel. Blitzsaubere, stille Dörfer mit schwarz-weißen Fachwerkhäusern bestimmen das Landschaftsbild.

Die Mittelgebirgslandschaft war 2017 mit über acht Millionen Übernachtungen in den mehr als 3000 Gastgeberbetrieben - von Ferienbauernhöfen über Landgasthäuser bis zum luxuriösen Fünf-Sterne-Hotel - eines der meistbesuchten Ferienziele innerhalb von Nordrhein-Westfalen.

Um das Jahr 1870 erreichten die ersten Feriengäste mit der Eisenbahn das bis dahin ziemlich abgeschiedene Bergland, wo harte Arbeit in den tiefen Wäldern, Handwerk und Milchviehwirtschaft den Menschen ein eher bescheidenes Leben sicherte. Seitdem hat sich das Land der 1000 Berge als Urlaubsziel gewandelt - im Winter rund um Willingen und Winterberg als Skigebiet, im Sommer vor allem Wanderland und immer mehr auch E-Bike-Region.

"Heimatglück" nennen die Geschwister Julia Seemer (33) und Alexandra Weißenfels-Seemer (35) ihren Landgasthof im Dorf Wenholthausen. Nach Jahren beruflicher Wanderschaft im In- und Ausland übernahmen die Schwestern den Familienbetrieb. Für sie ist der Name mehr als nur ein Wort - ihr persönliches Glück, in die Heimat zurückzukehren und dies ihren Gästen zu vermitteln. "Unser Gasthof besteht schon seit 1536, bei uns wurde im Dezember 1929 der Sauerländer Schützenbund gegründet", so Julia Seemer.

350 Schützenvereine gibt es im Sauerland - das lesen die Gäste von "Hotel Nieder" in Bestwig-Ostwig auf dem Weg zu ihren Hotelzimmern auf einem Holzbrett. "Gemeinsam mit der Innenarchitektin Michaela Voss sind wir schnell darauf gekommen: Wir präsentieren unsere Region", so Hotelier Josef Nieder. Heimisches Holz und Schiefer prägen den Wellnessbereich, auf dem Frühstücksbüffet stehen Honig und Wurstwaren vom Imker und Metzger nebenan, würziges Bier und hochprozentige Edelbrände stammen ohnehin von hier.

Grünkohl mit Mettwurst, dicke Bohnen mit Speck, Rinderrouladen und Wildschweinrücken - althergebrachte Rezepte stehen auf der Speisenkarte im "Gasthof Zu den Linden" in Oberhundem. Das Motto: Tradition trifft Gegenwart. "Essen wie bei der Oma schätzen auch unsere jüngeren Gäste", sagt Gastgeberin Aferdita Greitemann (38).

Die wandern durch die dichten Wälder und legen abends ihr müdes Haupt in den beiden Baumhäusern zur Ruhe. "Emma" und "Eliza" hat Greitemann die wohligen Holzhäuser benannt - es sind die Vornamen ihrer Töchter.

dpa

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