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Aktuelles Romantikstadt Heidelberg streitet über Nachtruhe
Reisereporter Aktuelles Romantikstadt Heidelberg streitet über Nachtruhe
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15:20 18.05.2018
In Heidelberg hat sich ein Streit rund um Nachtleben und Sperrstunde entwickelt. Quelle: Uwe Anspach
Heidelberg

Ein erbitterter Streit tobt unterhalb der

berühmten Heidelberger Schlossruine und es ist ein Konflikt, der in

die Idylle der Romantikstadt am Neckar nicht zu passen scheint.

Es ist ein Streit, bei dem die einen von einem quirligen Nachtleben

sprechen und die anderen vom Gestank von Urin und Erbrochenem. Viele Lokale in der historischen Altstadt leben von Nachtschwärmern, und genau darum geht es: Sollen Kneipenbesucher und Feierwillige in

Heidelberg weiter bis in den frühen Morgen um die Häuser ziehen?

Ja, sagen Studenten und einige Lokalpolitiker - die Sperrstunde sei

ein Relikt aus alten Zeiten. "Wer im Zentrum wohnt, muss Partylärm

ertragen können", heißt es im Lager der Gegner. Keinesfalls, betonen

dagegen genervte Anwohner. Sie beklagen stundenlange Unruhe. Eine

Lösung muss her - aber die Fronten scheinen verhärtet. In einem

Protestmarsch mit einem symbolischen Sarg trugen unlängst rund 200

Demonstranten das "Heidelberger Nachtleben" demonstrativ zu Grabe.

"In Sachen Sperrzeiten wurde in den letzten Jahren einiges probiert",

sagt der Heidelberger Stadtrat Christoph Rothfuß (Grüne). Leider

hätten die "Feldversuche an den Bewohnern" die Lage nicht entzerrt.

Für seinen Kollegen Jan Gradel (CDU) steht fest, dass eine neue

Sperrzeitenverordnung auch von lärmreduzierenden Maßnahmen flankiert

werden muss. So zerrissen die Politikszene in Heidelberg auch ist, in

einem ist sie einig: Die angestrebte Lösung muss tragfähig sein.

Der Linken-Politiker Fabien Giese geht davon aus, dass kürzere

Öffnungszeiten das Problem nur befeuern. "Dann steht man hier um 1.00

Uhr rum und weiß nicht, was man machen soll." Dass Nachtschwärmer

dann auf dumme Ideen kommen könnten, hält Giese für wahrscheinlich.

Als Zentrum der Feiernden gilt die Untere Straße, wo sich Lokal an

Lokal reiht. Bis vor Kurzem erlaubte die

Stadtverwaltung hier eine

Öffnung der Gaststätten bis 2.00 Uhr und am Wochenende bis 4.00 Uhr.

Wegen des Lärms klagten die Anwohner gegen die Zeiten - mit Erfolg.

Der Verwaltungsgerichtshof (VGH) kippte die Ende 2016 vom Gemeinderat

beschlossene Verordnung im März. Die Interessen der Anwohner hätten

zurückstehen müssen, während die Belange der Touristen und

Gastronomen Berücksichtigung gefunden hätten, urteilte der VGH. Der

Schutz der Nachtruhe und die Verhinderung von Lärm seien wichtig.

Die Verwaltung will die Öffnungszeiten nun verkürzen. Unter der Woche

sollen die Lokale in der Altstadt bis 1.00 Uhr und am Wochenende bis

3.00 Uhr öffnen dürfen. Der Gemeinderat zeigt sich aber uneins. Die

FDP fordert am Wochenende Öffnungszeiten bis 5.00 Uhr, die CDU bis

4.00 Uhr und die Linke unter der Woche bis 2.00 Uhr.

Für Oberbürgermeister Eckart Würzner ist das ein Unding. "Der

Gemeinderat ist frei in seiner Entscheidung - er darf aber nicht über

die bisherige Regelung hinausgehen. Das würde dem Urteil des

Verwaltungsgerichtshofs widersprechen", sagt der parteilose

Politiker. Bei der mit Spannung erwarteten Gemeinderatsitzung wurde

die Abstimmung über eine neue Verordnung am Donnerstag aber vertagt.

Ein Blick ins Land zeigt, dass die Sperrzeiten in Baden-Württemberg

durchaus ähnlich gehandhabt werden. In Stuttgart ist das nächtliche

Feiern in Kneipen werktags bis 3.00 Uhr und am Wochenende bis 5.00

Uhr erlaubt. "Nach einem Antrag und nach Anhörung der Polizei sind

aber auch manche Lokale, zum Beispiel Diskotheken und Clubs, vor

allem an den Wochenenden durchgehend geöffnet", sagt Martin

Thronberens, Pressesprecher der Landeshauptstadt.

Unter der Woche bis 3.00 Uhr und am Wochenende bis 5.00 Uhr - diese

Sperrzeiten gelten landesweit. Aber nur solange die Städte und

Kommunen keine strengere Regelung beschließen. Die Landesregelung

gilt zum Beispiel auch in Heilbronn oder Freiburg. "Aber mit der

Außenbewirtung ist spätestens um Mitternacht Schluss", sagt Edith

Lamersdorf von der Stadtverwaltung der Schwarzwaldmetropole.

Und wie geht es nun mit den Sperrzeiten in Heidelberg weiter? Nach

der geplatzten Abstimmung will der Gemeinderat frühestens in sechs

Wochen über eine neue Regelung entscheiden. Von dem Aufschub

profitieren immerhin Nachtschwärmer und Kneipenwirte. Denn die

liberalere Landesregelung gilt mindestens bis dahin auch in der

beliebten Touristenmetropole mit ihrer malerischen Alten Brücke.

dpa

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