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Die Gilde hat ein verschwiegenes Collegium

Die Korporationen Die Gilde hat ein verschwiegenes Collegium

In einer Serie wirft die PAZ einen Blick auf die Geschichte der sieben Korporationen. Heute geht es um die Schützengilde zu Peine von 1597.

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Peine. Die Schützengilde zu Peine von 1597 ist aufgrund eines Erlasses von König Wilhelm von Hannover seit 1897 eine „Juristische Person“, die wegen dieser hoheitlichen Anerkennung selber rechtsfähig ist und deren Angelegenheiten durch den gewählten Vorstand, Collegium genannt, verwaltet wird. Die rechtsgültige Vertretung der Schützengilde erfolgt durch den geschäftsführenden Vorstand, der aus dem Hauptmann, dem Adjutanten und den beiden Deputierten besteht.

Das war nicht immer so. Die Schützengilde ist mehr als 415 Jahre alt und war ursprünglich eine militärisch geordnete Bürgerkompanie zum Schutze der Stadt Peine und ihrer Bürger. Ihre Führung bestand aus militärischen Dienstgraden. Es gab schon 1597 einen Capitain (Hauptmann), Offiziere und Rottenführer, aber auch zwei Schaffer, die sich um die Festivitäten nach den Schießübungen zu kümmern hatten.

Die ältesten Bestimmungen darüber sind in den Statuten der Stadt von 1597, deren Schießvorschriften 1752, 1766 und 1829/1830 verbessert und der Zeit angepasst worden. Seit 1830 ist die Gilde eine „Korporation“ aufgrund der Bestätigung durch die königlich-hannoversche Landdrostei. Die Satzung von 1830 nennt als Verantwortliche den Capitain, Offiziere, Deputierte, Schützenführer und Schaffer, die das Collegium bildeten. Die erste ausdrückliche Bezeichnung als „Collegium“ taucht im Archiv der Gilde im Jahre 1834 auf. 1836 traten die vom Magistrat oft auf Lebenszeit ernannten Gildeoffiziere geschlossen von ihren Posten zurück. Dem Ruf nach Demokratie folgend forderten sie freie und geheime Wahl der Collegiumsmitglieder durch die Schützenbrüder alle drei Jahre. Sie setzten sich durch. Seit 1839 wird das Collegium alle drei Jahre geheim gewählt. In den Statuten von 1850 und 1856 wurden Zusammensetzung und Aufgaben festgelegt.

1902 erhielt das Collegium durch einen Anbau an den damaligen Saal sein erstes Collegiumszimmer. Auch im Neubau des heutigen Gildesaals gab es von Anfang an ein Collegiumszimmer, das aber auch für Schießübungen und die Proben des Spielmannszuges genutzt wurde. Erst nach der Vergrößerung 1981 gehört das Zimmer dem Collegium allein. Vor wenigen Wochen wurde es gerade erst – weitgehend in Eigenleistung – rundum renoviert und verschönert.

Infolge der Gleichschaltung in der Nazizeit musste im Collegium der Gilde das „Führerprinzip“ eingeführt werden – es gab keine Collegiumswahl mehr. Der Hauptmann ernannte sein Collegium, deren Mitglieder nur noch Mitarbeiter waren.

Erst 1948 wurden die Schützengilde und das Peiner Freischießen wieder erlaubt, das erste Nachkriegs-Collegium wurde in der Generalversammlung von 1950 gewählt. Seither ist wieder alle drei Jahre Neuwahl des Collegiums, eine Wiederwahl ist möglich und üblich.

Nach einem ungeschriebenen Gesetz dürfen sich Collegiumsmitglieder nach ihrem 60. Geburtstag nicht mehr zur Wahl stellen. Und alle neuen Mitglieder werden vor der ersten Collegiumssitzung nach der Wahl per Handschlag zur Verschwiegenheit verpflichtet. Daran erinnert sie eine Inschrift über der Tür des Collegiumszimmers auf der „Schweigerose“. Sie lautet: „Das Gehörte gehört nur dir allein!"

Thorsten Pifan

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