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„Ziemlich beste Freunde“ in Festsälen: Groteske Männerwirtschaft

Peine „Ziemlich beste Freunde“ in Festsälen: Groteske Männerwirtschaft

Peine. So. Dann sind der reiche gelähmte Aristokrat und der afrikanische Kleinkriminelle also auch auf der Bühne der Festsäle angekommen. Dieses groteske Duo, das es vom echten Leben nicht nur auf die Leinwände, sondern nun auch vor das Theaterpublikum geschafft hat.

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Peiner Festsäle: Eine Szene aus dem Theaterstück „Ziemlich beste Freunde“.

Quelle: im

Die Geschichte ist bekannt: Ein durch einen Sportunfall gelähmter Witwer im besten Alter und allerbester Gesellschaft engagiert in seiner vornehmen Stadtvilla einen kriminellen Sozialversager als Intensivpfleger, der sich eigentlich nur seine Nichteignung per Unterschrift bestätigen lassen wollte.

Das Experiment gelingt, die Vermittlung von Lebensfreude und Komik gibt’s für den Patienten dazu und die ungleichen Männer werden „ziemlich beste Freunde“. Sentimentaler Sozialquatsch, völlig übertrieben, könnte man meinen. Aber: der Plot stammt so aus dem Leben und taugte als Vorlage für Literatur, Film – und nun die Bühne.

In den Peiner Festsälen versuchte das Theater „Thespiskarren“ aus München mit Gunnar Dreßlers Fassung in der Regie von Gerhard Hess die Vorlage umzusetzen. Und Autor und Regisseur wissen: Über Pflege redet man nicht und schon gar nicht im Theater. Dreßler reduziert den Stoff auf eine Komödie und in Szenen, die konsequent in amüsanten Pointen enden.

Mit Felix Frenken als Pfleger Driss beispielsweise, der nicht wie ein cooler Außenseiter, sondern wie ein schwarzgelockter Pumuckl mit Migrationshintergrund wirkt. Als meisterhafter Pilot des elektrischen Pflegestuhles erweist sich indessen Timothy Peach als bewegungsunfähiger Aristokrat, dem man trotz seiner rollengemäßen Starre wechselnde Gemütszustände gerne abnimmt. Trotzdem: Längen kommen trotz Turbulenzen und sowohl netter als auch schwarzhumoriger Komik vor.

Und das, obwohl sich auf der Bühne die Darsteller durchaus redlich bemühen darzustellen, wie elementar einfach die Überwindung sozialer Grenzen gelingen könnte, begegnete man sich ohne jene vertrackten Vorurteile, die direkt in Unverständnis und Distanz führen.

Und bitte, wo gibt’s denn so was: Ein Mann pflegt einen anderen! Ein revolutionärer Umsturz der Verhältnisse, denn in der Realität sind 85 Prozent aller ohnehin chronisch überlasteten Pflegekräfte bekanntlich weiblich. Ein zusätzlicher Reiz dieser „ziemlich besten Freundschaft“, die den realen Pflegealltag ad absurdum führt. Ob lachen dagegen wirkt, ist fraglich. Aber wie auch immer Betroffene könnten den minutenlangen Applaus außer als Belohnung für die Künstler auch als Protest verstehen – gegen den täglichen realen Pflegenotstand.

uj

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