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Zensur: Post der „Moffen“ überprüft

Peiner Nachkriegs-Geschichte Zensur: Post der „Moffen“ überprüft

Erstaunliche Erkenntnisse über die Nachkriegszeit in Peine: Es gab hier von 1945 bis 1946 eine riesige Zensurbehörde, in der bis zu 2000 Niederländerinnen täglich Briefe geöffnet und den Inhalt überprüft haben. Das ist bisher nur wenigen Peinern bekannt.

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Giselher Stoll (Mitte), Peines Bürgermeister Michael Kessler (links) und Stadtarchivar Michael Utecht zeigen das niederländische Buch.

Quelle: tk

Peine . Ein Geheimnis der Peiner Nachkriegs-Geschichte hat der Niederländer Historiker Sam Drukker gelüftet. Er hat ein Buch über eine große Zensurbehörde geschrieben, die es von 1945 bis 1946 im Gebäude des heutigen Ratsgymnasiums gab. In die deutsche Sprache übersetzt wurde das Werk von Giselher Stoll, einem ehemaligen Lehrer des Gymnasiums Groß Ilsede.

Stoll sagt: „Der ehemalige PAZ-Redakteur Manfred Reichel hat mir den Tipp gegeben, dass es dieses Buch gibt. Es war sehr interessant das Werk zu lesen und zu übersetzen.“ Laut Drukker hat es in der britischen Besatzungszone von 1945 bis 1946 drei Zensurbehörden gegeben, die sämtlichen Postverkehr kontrolliert haben: in Peine, in Hamburg und in Bonn.

Gearbeitet haben in der Zensurbehörde bis zu 2000 junge Niederländerinnen mit höherer Schulbildung, die die deutsche Sprache beherrschten. „Die Frauen haben Pakete und Briefe geöffnet, die säckeweise aus dem Postamt kamen. Der Inhalt wurde überprüft und gelesen“, weiß Stoll, der in Salzgitter lebt. Nach der Prüfung gab es einen gelben oder roten Streifen auf das Poststück.

Und wenn den Niederländerinnen etwas aufgefallen ist, haben sie die britischen Soldaten informiert, die wegen ihrer Arroganz unbeliebt waren. Dabei konnten sie interessante Fälle aufdecken: Etwa die Frau eines ranghohen Nazis, der während des NS-Regimes Finanzminister in den Niederlanden war, und Geld versteckt hatte. Stoll sagt: „Anhand eines geöffneten Briefes konnte man feststellen, dass sich die Frau in einem deutschen Kloster versteckt hielt. Sie wurde ausfindig gemacht und das Geld konnte eingezogen werden.“

Natürlich benötigten die vielen Niederländerinnen Wohnungen, in denen sie leben konnten. Und deswegen wurden 1945 ganze Wohnquartiere in Peine evakuiert: Unter anderem der westliche Teil der Sundernstraße und die Wohnungen zwischen Gunzelinstraße und Duttenstedter Straße bis zum Friedhof. „Das hat dazu geführt, dass viele Peiner ihre Wohnungen zwangsweise verlassen mussten“, erklärt der Salzgitteraner. Das habe viel Ärger verursacht.
Dabei durften die Niederländerinnen keinerlei Kontakt zu den Deutschen, den sogenannten „Moffen“ (deutsch: „Müffelnden“), pflegen und wurden extrem von den Briten abgeschirmt. Ansonsten drohten Strafen. Es gab daher nur Partys, Ausflüge und Kinobesuche für die Damen mit militärischer Begleitung. Und in den Wohnquartieren achtete ein Pastor auf die Schlafzeiten und dass es keine Treffen zwischen Männern und Frauen gab. 1947 wurde die Peiner Zensurbehörde aufgelöst.

Die deutsche Übersetzung des Buches „De Nederlandse betrokkenheid bij 2 DCS“ kann im Peiner Stadtarchiv gelesen werden. DCS steht für District Censorship Station (deutsch: Distrikts-Zensurbehörde).

Thomas Kröger

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