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Zeitzeugin berichtet von Bombenabwürfen aufs Stahlwerk 1945

Peine Zeitzeugin berichtet von Bombenabwürfen aufs Stahlwerk 1945

Peine. Ilse Holzapfel (93) hat die Bombenabwürfe auf Peine am 22. Februar 1945 hautnah miterlebt - und zwar in der Warnzentrale der Peiner Walzwerke. Mit der PAZ sprach sie über ihre Erlebnisse und auch, wie es ihr in jüngster Zeit bei dem Fund des vermeintlichen Blindgängers erging.

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lse Holzapfel (93) erinnert sich noch gut an das Jahr 1945 - und insbesondere an den 22. Februar, als es den schwersten Luftangriff auf das Stahlwerk gab. Sie arbeitete in der Warnzentrale.

Quelle: Marieke Groke

„Es war mein 32. Geburtstag, als die Bomben abgeworfen wurden und ich war bereits mit meinem ersten Kind im dritten Monat schwanger“, erinnert sich die 93-Jährige.

Für die alte Dame scheint es, als sei es erst gestern gewesen, dass in ihrer Frühschicht, in der Warnzentrale des Peiner Walzwerkes, die Meldung von einem feindlichen Überflug eintrifft.

Sie kann sich noch genau an den Wortlaut der Meldung erinnern: „Zirka 300 feindliche Flugzeuge, Kurs Ost.“

„Kurs Ost bedeutete, dass die Flugzeuge nach Berlin unterwegs waren. Es konnte ja niemand ahnen, dass sie auf dem Rückflug noch Bomben an Bord hatten“, berichtet Holzapfel. „Eine der Bomben schlug direkt in das Büro meines Vorgesetzten ein“, berichtet sie. Doch zu der Zeit sei bereits der Großteil der Belegschaft in einem sicheren Luftschutzbunker evakuiert gewesen.

„Die Mitarbeiter wurden durch große Leuchttafeln mit der Aufschrift „Luftgefahr“ gewarnt, wenn ein Angriff drohte und konnten sich so in Sicherheit bringen“, sagt Holzapfel. „Meine Aufgabe war es, in der Warnzentrale im Keller die eintreffenden Warnmeldungen aus Hannover zu bearbeiten.“

Zurück in die Gegenwart: Als nun Ende August „Bombenverdacht an der Woltorfer Straße bei Röchling“ gemeldet wurde und Holzapfel in der PAZ davon las, wurden alte Erinnerungen wach. „Es war schon ein komisches Gefühl“, berichtet die Rentnerin. „Aber mit den ganzen Informationen zu der Entschärfung habe ich mich sicher gefühlt“, erzählt sie weiter.

Außerdem habe sie auch durch den Fund des vermeintlichen Blindgängers neue Erkenntnisse gewonnen, so war ihr bis dahin nicht bekannt, wie viele Menschen von den Bombenabwürfen damals wirklich getötet wurden. „Mir wurde damals gesagt es seien elf Tote, aber dass es tatsächlich 44 Tote waren, wusste ich nicht. Davon habe ich erst jetzt, 71 Jahre später erfahren.“ Einen Wunsch hegt die Seniorin noch immer. Sie würde gerne einmal zurück an ihren alten Arbeitsplatz, in den Keller der Walzwerke, um zu sehen, wie es dort mittlerweile aussieht. „Vielleicht liegen im Archiv ja sogar noch meine Aufzeichnungen“, überlegt die 93-Jährige.

mg

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