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Vorschlag: Sanierung mit mehr Stahl und Kunststoff

Hertha-Peters-Brücke Vorschlag: Sanierung mit mehr Stahl und Kunststoff

Als 2013 nach einer Routine-Kontrolle einige der Bongossi-Holzbodenplanken erneuert wurden, trat das wahre Schadensausmaß zu Tage. An der Hertha-Peter-Brücke, die den Mittellandkanal und die B65 überspannt, wurde Pilzbefall festgestellt. Die Sanierung könnte bis zu 1,2 Millionen Euro kosten.

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Begutachten die Brücke (v.l.): André Hörmeyer (Ingenieur-Büro Schüßler-Plan Hannover), Tiefbauamtsleiter Rolf Ilsmann und Stadtbaurat Hans-Jürgen Tarrey.

Quelle: Michael Lieb

Peine. Bei einem Ortstermin stellten Stadtbaurat Hans-Jürgen Tarrey, Tiefbau-Amtsleiter Rolf Ilsmann und André Hörmeyer vom beauftragten Ingenieurbüro Schüßler-Plan aus Hannover am Donnerstag ein Handlungskonzept vor.

Dieses beinhaltet neben dem Austausch maroder Holz-Elemente auch konstruktive Verbesserungen. So schlägt das Ingenieur-Büro vor, den Bodenbelag, der bislang aus Bongossi-Planken besteht, durch Platten aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK) zu ersetzen. Diese würden ähnlich wie Laminat ineinander geklickt, wodurch eine wasserundurchlässige Fläche entstehe, die wiederum die gesamte Unterkonstruktion und das Tragwerk vor der Witterung schützt. Feuchtigkeit und Nässe hätten eben die Schäden an der Brücke verursacht, erklärte Tarrey. Weiterer Vorteil: Die GFK-Platten seien rutschfest.

Geplant ist außerdem die Rand- und Anschlussbereiche der Brücke mit Stahlblech zu überdecken und das alte Holzgeländer gegen ein Stahlgeländer mit LED-beleuchteten Handläufen auszutauschen, so der Diplom-Ingenieur Hörmeyer. Ebenfalls durch Stahl ersetzt werden sollen die sogenannten Aussteifungsverbände des Tragwerks. Im Zuge der Sanierung sollen zudem der prägnante Stahlpylon neuen Korrosionsschutz erhalten, Schrägseile ausgetauscht sowie Fußpunkte der Stützen, Auflager und Treppen aufgearbeitet werden.

Für das Sanierungskonzept spricht laut Tarrey eine „vernünftige Kosten-Nutzen-Relation“. Ein gleichwertiger Neubau würde immerhin bis zu drei Millionen Euro kosten. Der Vorschlag soll nun im Januar im Planungsausschuss diskutiert werden. Vor einer Sanierung, die frühestens 2018 durchgeführt werden könnte, soll nach Vorschlag der Experten eine Belastungsprobe an der Brücke vorgenommen werden, um die Messergebnisse zu bestätigen.

Die Geschichte zur Brücke

Anfang der 1980er-Jahre verfolgte man in Peine zunächst den Bau einer Spannbeton- oder Stahlbrücke über die B65 und den Mittellandkanal im Süden der Stadt. Bei der Ausschreibung des Bauwerkes wurden Nebenangebote für alternative Konstruktionsvorschläge zugelassen. Die ursprünglich ausgeschriebene Konzeption erbrachte Angebote mit Kosten zwischen 1,8 und zwei Millionen D-Mark. Tatsächlich wurden auch Alternativangebote unterbreitet, unter anderem für eine Mischbauweise mit Tropenholz (Bongossi), die mit rund 1,2 Millionen D-Mark erheblich günstigere Baukosten versprach. Zur Bauzeit in den 80er-Jahren wurde vielfach die Auffassung vertreten, dass Tropenholz wie Bongossi sehr langlebig sei und nahezu keiner Wartung bedürfe. Daher ließen sich auch die damaligen Entscheidungsträger in Rat und Verwaltung von dem Nebenangebot überzeugen. Inzwischen stellt man überall im Lande fest, dass tropische Hölzer nach 20 bis 30 Jahren durchaus erhebliche Schäden aufweisen. Die Peiner Brücke ist kein Einzelfall.

„Standsicherheit der Brücke ist aktuell nicht gefährdet“

Sie ist eine wichtige Fuß- und Radwegverbindung zwischen der Südstadt und dem Krankenhaus. Mit ihrem markanten Pylon prägt die Hertha-Peters-Brücke seit fast 30 Jahren das Stadtbild. Marode wirkt das 218 Meter lange Bauwerk auf den ersten Blick nicht, doch wie Gutachter festgestellt haben, zerfrisst ein Feuerschwamm-Pilz tragende Holzteile von innen nach außen. Sorgen müssten sich die Nutzer jedoch nicht: Die Standsicherheit sei noch im vollen Umfang gegeben, hieß es gestern vor Ort.

Gut zu erkennen ist das ganze Schadensausmaß vor allem an der Unterseite der Brücke. Verfärbungen und weiße Flecken an den Holzbalken zeigten deutlich, wo das Pilz-Problem liegt, erklärte André Hörmeyer vom Ingenieur-Büro Schüßler-Plan aus Hannover. Zusammen mit dem Institut für Baukonstruktion und Holzbau der Technischen Universität Braunschweig hat sein Büro nun das Sanierungskonzept auf den Tisch gelegt (siehe Text oben). Fürs Erarbeiten der Handlungsempfehlung hatte der Rat der Stadt Peine im Frühjahr 25000 Euro freigegeben. Seit August 2014 flossen bereits 63000 Euro für die Statik- und Holzbegutachtung der Brücke. Im Herbst 2013 waren für Sanierungsarbeiten weitere 80000 Euro ausgegeben worden. Damals wurden Holzbohlen im Gehbereich und an den Treppentürmen erneuert – und der Schaden festgestellt, wie der Leiter des städtischen Tiefbauamts Rolf Ilsmann gestern konstatierte. Bis zu 1,2 Millionen Euro könnte die Komplettsanierung jetzt kosten. „Das ist zwar nach derzeitigem Stand großzügig kalkuliert, doch es ist nicht gänzlich auszuschließen, dass im Laufe der Sanierung weitere Schäden zu Tage treten.“

Die Hertha-Peters-Brücke war am 29. Juni 1988 eingeweiht worden – begleitet von heftigen Protesten von Naturschützern der Organisation Robin Wood. Diese kritisierte die Verwendung des tropischen Bongossi-Holzes.

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