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Vorgeschichtliche Besiedlung nachgewiesen

Vöhrum Vorgeschichtliche Besiedlung nachgewiesen

Vöhrum. Ein Luftbildverdacht führte bereits 2015 zu archäologischen Voruntersuchungen im künftigen Baugebiet nördlich des Hainwaldweges. „An 15 Stellen konnten dabei - neben der Entdeckung der mittelalterlichen Landwehr - vorgeschichtliche Keramik und Feuersteingeräte gefunden werden“, berichtet der Archäologe Thomas Budde.

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Vöhrum: Hier wurde gegraben.

Daher musste die Erschließung des Baugebietes archäologisch begleitet werden.

„Schon am ersten Tag bestätigte sich der Verdacht, dass eine vorgeschichtliche Siedlung im Baugebiet liegt, ganz konkret“, erklärt Budde. Es traten Siedlungsgruben mit Keramikfunden aus der späten Bronze- bis frühen Eisenzeit auf, das heißt grob aus dem 8. Jahrhundert vor Christus. „Inzwischen, da alle Erschließungstraßen archäologisch erfasst worden sind, hat sich die Fundstellenzahl auf 160 erhöht.“ Die Datierung in die Spätbronze-Früheisenzeit habe sich bestätigt, so zum Beispiel durch den Fund einer für diese Zeit typischen bronzenen Kugelkopfnadel mit abgebrochenem, beziehungsweise weggerostetem eisernen Schaft. „So kümmerlich das Stück erscheinen mag, es handelt sich nun um den ältesten jemals im Landkreis Peine gemachten Eisenfund. Doch muss das Stück nicht zwingend auch hier hergestellt worden sein“, schildert Budde.

Bei den Fundstellen handelt es sich um 117 Einzelfunde und Scherbennester, 43 Siedlungsgruben und eine Grabenstruktur. Sie konzentrieren sich im Wesentlichen auf vier größere, weit auseinander liegende Bereiche, die Hofstellen gewesen sein dürften. „Etwas überraschend endeten die Siedlungsfunde auf der Hangkuppe über der Landgraben-Niederung. Die unmittelbare Nähe des Wassers wurde also nicht gesucht - zugunsten einer besseren Aussicht? In alle anderen Richtungen, über das Baugebiet hinaus, ist ein Ende der Siedlung nicht abzusehen.“

Die späte Bronze- bis frühe Eisenzeit ist im Peiner Raum recht gut durch Grabhügel- und Urnenfunde sowie Obeflächenfunde von Feldbegehungen vertreten. „Bis dato hat es jedoch erst eine weitere Siedlungsgrabung gegeben, und zwar im Sommer 1998 im Bereich einer Erdgas-Pipelinetrasse zwischen Wendeburg und Rüper, auf dem Kiekelnberg über dem Schneegraben. Auch hier deuteten weit auseinanderliegende Fundstellen-Konzentrationen auf weilerartige Höfe hin.“

Die Vöhrumer Keramikfunde müssten nun noch ausgewertet werden, wobei einiges noch zusammensetzbar sein müsste, so Budde. Sie stammen hauptsächlich von großen Vorratsgefäßen und Schalen. Neben grober, künstlich gerauter Ware tritt eine schwarze und hellbraune Feinware auf. Häufigste Verzierung sind Fingerkuppen-Eindrücke auf der Gefäßmündung. „Durch Funde eines Spinnwirtels und einer Grube mit großen, leider schon abgepflügten Webgewichten, die zu einem Gewichtswebstuhl gehören, ist Textilherstellung in der Siedlung nachgewiesen.“ Unerklärt bleibe vorerst der Fund von weißen Kalkmergel-Konzentrationen in zwei nebeneinander liegenden Gruben. Das aus der Gegend von Woltorf und Duttenstedt stammdende Material wurde im mittelalterlichen Peine für Stampflehm-Estriche verwendet.

Bemerkenswert ist noch eine Herdgrube mit Holzkohle und zahlreichen gebrannten Steinen. Hierbei handelt es sich laut Budde „um eine offene Herdstelle, beziehungsweise Feuerstelle“. Auch der Feuerstein wurde in dieser Zeit noch genutzt. Allerdings reicht eine Fundstreuung mit Flint-Werkzeugen noch weit über die Siedlungsgrenze hinaus bis an den Landgraben. Diese ist vielmehr mit Jägern und Sammlern der Mittesteinzeit bis frühen Jungsteinzeit in Verbindung zu bringen, also nochmals zwei Jahrtausende älter. Im Bereich der mittelalterlichen Landwehr stehen noch weitere Erdarbeiten an, die wieder spannende Ergebnisse versprechen.

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