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Vorgänger der Stederdorfer Straße nachgewiesen

Historische Funde Vorgänger der Stederdorfer Straße nachgewiesen

Ein Leitungsschaden in der Stederdorfer Straße brachte jetzt wichtige stadthistorische Erkenntnisse. Zur Reparatur mussten die Stadtwerke Peine eine tiefe Grube anlegen. Da bei solchen Maßnahmen fast immer auch die Archäologie betroffen ist, fand eine begleitende archäologische Untersuchung durch Thomas Budde statt.

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Funde: Ein Zapfen eines Mönch-Nonne-Dachziegels aus rotem Zieglerton, zwei Tonscherben aus grauer Irdenware und zwei gut erhaltene zertrümmerte Schlachtvieh-Röhrenknochen.

Quelle: Foto: Thomas Budde

Peine. Die Reparaturarbeiten vor dem Haus der Kreisvolkshochschule wurden dabei nicht behindert. „Der Einsatz hat sich sehr gelohnt, denn die westliche - hausseitige - Profilwand war im unteren Bereich noch ungestört“, erläutert Budde. „Es konnte dabei eine ganz wichtige Frage der Stadtgeschichtsforschung gelöst werden, nämlich die Frage nach der Entstehung der Stederdorfer Straße.“ In 1,93 bis 2,16 Meter Tiefe wurde direkt auf dem natürlichen anstehenden Sand eine dicke Lage von quer zur Straße verlegten Ästen und kleinen Stämmen erfasst, ein sogenannter Knüppeldamm. Hierbei handele es sich zweifellos um die ursprüngliche Stederdorfer Straße der Stadtgründungszeit, wenn man so will die „Ur-Stederdorfer Straße“, betont Budde.

„Die Weg-Konstruktion ist vollkommen identisch mit Teilabschnitten der 2008/2009 unter dem Rosenhagen auf dem Niedermoor der Hagenriede nachgewiesenen Heerstraße nach Celle, die Peine bekanntlich über das Stederdorfer Tor nach Norden verlässt.“ Beide Straßen dürften somit gleichzeitig entstanden sein, lautet Buddes Schlussfolgerung.

Die Heerstraße konnte dendrochronologisch in den Bereichen, in denen Eichenbohlen verwendet worden waren, in die Zeit um 1240 datiert werden.

Der Knüppeldamm sei in dem kleinen, in der Reparaturgrube erfassten Weg-Ausschnitt erkennbar am Ende der Nutzung mit Bruch- und Feldsteinen ausgebessert worden. „Es folgte bis in 1,70 Meter Tiefe eine dunkle graue, im oberen Teil schwarze humose Kulturschicht. Die Bodenfeuchte zeigte, dass der Grundwasserspiegel nicht weit entfernt sein dürfte, somit auch, dass die erste Stederdorfer Straße wie auch die Celler Heerstraße gelegentlich überschwemmt gewesen sein dürfte“, berichtet Budde.

Die als Auffüllung zu deutende Schicht war erstaunlich fundreich. Sie enthielt vor allem guterhaltene Knochenabfälle vom Schlachtvieh (Rind und Schwein). Wenige Keramikscherben datierten die Schicht in das 14. Jahrhundert. Hinzu kommen Fragmente von Mönch-Nonne-Dachziegeln, der typischen spätmittelalterlichen Dachdeckung. „Dieselbe fundreiche Schicht ist bereits 2013 unweit der jetzigen Fundstelle vor der Stederdorfer Straße 35 bis 36 bei einer Abwasserrohrerneuerung erfasst worden, nur reichte die damalige Notgrabung nur bis 1,85 Meter Tiefe, also nicht bis auf die erste Straße, die somit damals noch nicht entdeckt werden konnte. Ein Teil der damaligen, ebenfalls aus dem 14. Jahrhundert stammenden Funde konnte einer Knochenschnitzerwerkstatt zugewiesen werden.“

Die ursprüngliche Stederdorfer Straße müsse somit im 14. Jahrhundert aufgegeben und das Oberflächenniveau erhöht worden sein. Die Ursache sei unbekannt, möglicherweise lag eine Neuplanung nach einem Stadtbrand zugrunde. Dass die Stadt in dieser Zeit von mehreren Feuersbrünsten und nachfolgenden Neuplanungen betroffen war, zeigten unter anderem die Grabungen in der Echternstraße 18 bis 21 (2004) und Weißer Schwan (2002/2003 und 2005). „Aber auch in den hinteren Bereichen der nördlichen Marktplatz-Bebauung deutet sich dies an, leider aber nur in Form alter Fundberichte ohne Grabungs-Dokumentation. Die zweite Stederdorfer Straße - folglich des 14. Jahrhunderts - konnte aufgrund späterer Boden-Eingriffe an dieser Stelle nicht mehr nachgewiesen werden. „Es werden neue Gelegenheiten kommen“, ist Budde überzeugt. „Hier deuten sich also interessante Zusammenhänge an, die das Bild vom mittelalterlichen Peine einmal mehr bereichern. Die Fund-Dichte zeigt, wie reich das Boden-Archiv allein schon unter der Stederdorfer Straße immer noch ist.“

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