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Vor 70 Jahren: Erster Kreistag

Kreis Peine Vor 70 Jahren: Erster Kreistag

Kreis Peine. Runder Geburtstag für das Kreis-Parlament: Genau heute vor 70 Jahren tagte der Kreistag erstmals. Vorausgegangen war jedoch keine Wahl, sondern eine Ernennung der Volksvertreter durch die Briten, die nach dem Ende des Weltkriegs wenige Monate zuvor das Leben im heutigen Niedersachsen regelten.

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Das ehemalige Kreishausgebäude: Dieses Bild ist allerdings bereits aus dem Jahr 1915.

Quelle: Stadtarchiv Peine

Peine. Bereits am 24. April 1945, also schon kurz vor dem Ende des Krieges, war der Justizangestellte Richard Brennig vom amerikanischen Verwaltungsoffizier Maurice Wolkomir zum kommissarischen Landrat bestellt worden. Ihm standen sechs Kreisbeiratsmitglieder zur Seite: Bernhard Wolf (Peine), Hermann Ernst (Eixe), Karl Sievers (Groß Bülten), Friedrich Plünnecke (Klein Lafferde), Heinrich Steinmann (Klein Ilsede) und Adolf Denecke (Stederdorf).

Wenige Tage später lösten die Briten die Amerikaner ab und errichteten eine Kreiskommandantur. Diese drückte in Sachen politischer Neuanfang auf das Tempo. Auf ihre Anordnung hin wurden Gemeinderäte, der Rat der Stadt und ein Kreistag ernannt - also (noch) nicht gewählt. Die Vorschläge machten allerdings die Deutschen. Sie mussten Personen auswählen, die auch aus Sicht der Briten politisch nicht belastetet waren. Den ersten Kreistag bildeten einschließlich Landrat Brennig, der der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) angehörte, 27 Mitglieder. Darunter waren auch der Superintendent und drei Frauen. Von den damaligen Abgeordneten lebt schon seit über 20 Jahren niemand mehr.

Der neue Kreistag verabschiedete unter anderem eine „Satzung über die vorläufige Regelung der Verfassung und der Verwaltung des Kreises Peine“ - und wählte am 15. Mai 1946 Regierungsassessor Albert Nouvortne zum Oberkreisdirektor. Die erste freie Kreistagswahl fand allerdings erst am 13. Oktober 1946 statt.

Da gab es bereits Parteien, die KPD von Landrat Brennig spielte bei der Neuvergabe des Postens aber nur noch die Rolle des Mehrheitsbeschaffers. Neuer Landrat wurde 1946 Heinrich Steinmann (SPD) aus Ilsede. Die Sozialdemokraten hatten 20 Sitze, die nationalkonservative Niedersächsische Landespartei (NLP) war mit elf Abgeordneten vertreten, gefolgt von der CDU (9) und der KPD (2). Von den ersten 27 Kreistags-Mitgliedern wurden nur sechs ein Jahr später auch in den neuen Kreistag gewählt.

Doch zurück in den Dezember 1945, als es noch nicht um Parteipolitik, sondern für viele schlichtweg ums Überleben ging. Die Sicherstellung der Ernährung und der Versorgung für die Bevölkerung mit den Gütern des täglichen Bedarfs war eine der wichtigsten Aufgaben der neuen Kreisverwaltung. Ein weiterer Schwerpunkt war die Eingliederung der Kriegsbeschädigten, der Flüchtlinge und Vertriebenen. Schon im November 1945 mussten im Kreis 13 000 Flüchtlinge untergebracht werden. Im Sommer 1946 stieg deren Zahl auf über 52 000. Innerhalb von nur sechs Jahren wuchs der Landkreis so von 56 000 (1939) auf 109 000 Einwohner (1946). „Unter überaus ungünstigen Bedingungen ist es damals gelungen, große Zahlen von Menschen erfolgreich aufzunehmen“, hebt der heutige Landrat Franz Einhaus (SPD) rückblickend hervor.

Der 10. Dezember 1945 gilt als Geburtsstunde des Landkreises Peine moderner Prägung. Allerdings stand er schon vorher in dem Ruf, „der aufgeklärteste und fortschrittlichste Kreis der Provinz zu sein. Also wird das, was Peine heute tut, zweifellos morgen in ganz Deutschland getan werden.“ Diese Worte wählte an jenem Tag der britische Oberst Hill bei der Eröffnung der konstituierenden Kreistagssitzung. An Pathos mangelte es dem Oberst seinerzeit nicht. Unter anderem sagte er auch: „Dies ist ein historischer Augenblick in der Geschichte, nicht nur von Peine, sondern von ganz Deutschland und - wie ich hoffe - von der ganzen Welt.“ Oberst Hill nannte die frisch gebackenen Abgeordneten „Vorbilder der Tugend, der Klugheit und weltlichen Weisheit“ - und warb bei den Menschen für die kommunale Selbstverwaltung damit, dass „Sie frei darin sind, diese Demokratie, die für Sie zunächst noch ein Experiment ist, so zu arbeiten, wie Sie selbst es wünschen.“ 70 Jahre später sagt der heutige Landrat Einhaus dazu: „Ich denke, bis zum heutigen Tage ist das Experiment gelungen. Helfen Sie mit, dass es so bleibt!“

ale

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