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Vater gesteht Mord an seinen Kindern vor Gericht

Ilsede/Hildesheim Vater gesteht Mord an seinen Kindern vor Gericht

"Ich habe es gemacht." Mit diesen Worten hat Andreas S. aus Groß Ilsede die Tötung seiner Kinder gestanden. Nun wird es im Mordprozess von Hildesheim darum gehen, die Hintergründe zu klären.

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Hildesheim/Peine.   Der Vater hat am Mittwoch zum Prozessauftakt in Hildesheim gestanden, seine vier Kinder nachts in ihren Betten getötet zu haben. "Ich möchte nur sagen, ich habe es gemacht. Es tut mir sehr leid, was ich meinen Kindern, meiner Frau und allen anderen angetan habe", sagte der 37-Jährige vor dem Landgericht. Weiter äußern wollte er sich nicht.

Der Angeklagte soll seine fünf, sieben und neun Jahre alten Söhne und seine zwölf Jahre alte Tochter im Juni Groß Ilsede mit einem Messer umgebracht haben. In drei Fällen geht die Staatsanwaltschaft von Mord aus - die Jungen schliefen, als die Tat geschah. Die Tochter wachte auf und wehrte sich, hier lautet die Anklage auf Totschlag. Nach den tödlichen Stichen hatte der Angeklagte versucht, sich selbst umzubringen.

Die Mutter erreichte die Nachricht vom gewaltsamen Tod ihrer vier Kinder per SMS. "Ich kann ohne meine Kinder nicht leben. Fünf Herzen haben aufgehört zu schlagen", schrieb ihr Mann am späten Abend des 14. Juni.

Doch nach der Tötung seiner fünf, sieben und neun Jahre alten Söhne und der zwölfjährigen Tochter misslang dem Vater aus Groß Ilsede der Selbstmord im Reihenhaus. Er überlebte schwer verletzt und muss sich seit Mittwoch vor dem Landgericht Hildesheim wegen dreifachen Mordes verantworten.

Im Fall der Tochter lautet die Anklage auf Totschlag, weil sich das Mädchen noch wehren konnte. Auf der Anklagebank sitzt ein schmächtiger Mann mit Brille, kurz geschorenen Haaren und Dreitagebart.

Die Mutter war während der Tat ein paar Tage in Dänemark, um Kraft zu tanken. Der Vorsitzende Richter Ulrich Pohl liest das Protokoll der richterlichen Vernehmung im Juli vor. Nach Aussage des Angeklagten hatte seine Frau ihm am Tattag klargemacht, dass die Trennung endgültig sei.

Er brachte die Kinder ins Bett und trank danach ein paar Bier aus Frust, obwohl er kurz zuvor in einer Entzugsklinik war. Nacheinander ging er in die Kinderzimmer und schnitt den schlafenden Jungen den Hals auf. Die Tochter war wach geworden, ihr hielt er den Mund zu. "Es hat sich alles wie im Traum angefühlt", erklärte er zu dem Verbrechen.

Die toten Kinder legte der Familienvater auf das Ehebett. In einem Abschiedsbrief machte er wie auch in der SMS seiner Ehefrau Vorwürfe, dass sie die Beziehung nicht gerettet habe. "Ich bin jetzt mit meinen Kindern auf ewig zusammen. Ich liebe sie so doll", heißt es in dem Brief.

Mit Hilfe eines psychiatrischen Sachverständigen ist im Prozess jetzt zu klären, ob der Mann vermindert schuldfähig ist. Der Mitarbeiter einer Autobahnmeisterei war wegen Burn-out und Depressionen lange krankgeschrieben. Seine Arbeitshypothese sei gewesen, dass die Taten eher auf die Ehefrau als auf die Kinder zielten, sagte der psychiatrischer Gutachter, Johannes Pallenberg.

Dies habe der Angeklagte aber ihm gegenüber eher verneint. Das Bild, das der Schwager und eine Nachbarin von dem 37-Jährigen zeichnen, ist kaum mit dem unvorstellbaren Gewaltexzess zusammenzubringen: Ein liebevoller, geduldiger Vater, der nach Feierabend mit den Kindern im Garten Fußball spielte, mit ihnen schwimmen ging und viel unternahm. Auch der Umgang der Eheleute sei bis zur Trennung sehr liebevoll gewesen. "Ich habe ihn nie aggressiv erlebt", sagte die befreundete Nachbarin.

Umso geschockter war die Zeugin, als die Ehefrau ihr anvertraute, dass häusliche Gewalt der Grund für die Trennung des Paares nach Ostern war. "Hast du ins Kissen gebissen oder warum haben wir nichts gehört?", habe sie gefragt. Die Ehefrau sagte, ihr sei es darum gegangen, dass die Kinder nichts mitbekommen. Die Kinder waren das ein und alles für den Vater. "Sie hatte nicht die leiseste Angst, ihn mit den Kindern alleine zu lassen", betonte die Nachbarin.

Die Mutter, die ihre vier Kinder auf entsetzliche Art verloren hat, ist Nebenklägerin in dem Prozess, erscheint aber auf Anraten ihres Therapeuten nicht im Gerichtssaal. Sie leidet unter einer posttraumatischen Belastungsstörung, lebt aber weiterhin im Haus der Familie.

"Sie möchte, dass er therapiert wird, damit sich so etwas nicht wiederholen wird", sagte ihr Anwalt Michael Hoppe. Die Frau habe auch Angst um ihr Leben. "Sie hat die Befürchtung, dass er die ganze Familie zusammenführen will."

dpa

In der PAZ-online Extra-Rubrik können Sie die bisherige Berichterstattung zum Thema nachlesen:

Familiendrama in Ilsede: Vier Kinder getötet

Die PAZ hält Sie heute über die aktuellen Ereignisse auf dem Laufenden. Mehr über den Prozess und die Hintergründe lesen Sie am Donnerstag in der gedruckten PAZ.

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