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„Und immer die Frage nach dem Warum“

„Und immer die Frage nach dem Warum“

Eigentlich wollte der Peiner Helmut Rothkugel nur Hilfsgüter ins weißrussische Mogilew bringen. Doch die Fahrt wird zu einer Reise in die Vergangenheit. Durch den Tod seiner Schwiegermutter erhalten er und seine Ehefrau Dokumente, die auf Spuren seines dort gefallenen Schwiegervaters hinweisen.

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Die aus Birkenrinde hergestellte Feldpostkarte von Albert Teichmeier fanden die Rothkugels erst nach dem Tod der Mutter von Ursula Rothkugel.

Quelle: Christian Bierwagen

Peine. Als der Peiner Helmut Rothkugel im Juli während des Volksfestes im Münstedt vom Bürgermeister Dieter Böker das Angebot erhält, im September die Münstedter Landfrauen auf ihrer Busreise mit Hilfsgütern nach Weißrussland zu begleiten, sagt er spontan zu und fragt erst später nach dem genauen Ziel. Die Ortsnamen Minsk und Mogilew rufen bei ihm und seiner Frau Ursula Erinnerungen an ihre Väter wach. „Meiner hat den Krieg überlebt und bei seinen wenigen Erzählungen diese Ortsnamen erwähnt“, erklärt Rothkugel.

Nachdem am 6. August, einen Monat vor Rothkugels Reiseantritt die Mutter seiner Ehefrau stirbt, bekommt das Bus-Reiseziel eine weitere historisch-tragische Bedeutung.

„Gemischte Gefühlen“

Tief erschüttert stoßen die Rothkugels im Nachlass auf bisher ihrem Zugriff verborgene Unterlagen über das Schicksal des Vaters von Ursula Rothkugel, Albert Teichmeier. Aus Schreiben des Suchdienstes des Roten Kreuzes und verschiedenen Schreiben der Wehrmacht ergibt sich, dass der Peiner Obergefreite „aller Wahrscheinlichkeit nach Anfang Juli 1944 im Raum Mogilew-Minsk“ – also den Reisezielen Rothkugels – gefallen sei.

Mit „gemischten Gefühlen“ habe er die Reise angetreten, erinnert sich Rothkugel. Zuvor erkundigt er sich bei der Deutschen Kriegsgräberfürsorge nach Soldatenfriedhöfen in der Umgebung.

Am Ziel erfährt er nicht nur viel Gastfreundschaft, Unterstützung und Hilfsbereitschaft durch die weißrussischen Gastgeber „wir waren in Familien untergebracht“, sondern auch vom geschichtsinteressierten Landrat des betreffenden Bezirkes.

Wo der gefallene Obergefreite vor 64 Jahren bestattet wurde, lässt sich nicht mehr feststellen. Bewegt berichtet Rothkugel jedoch von einem deutschen Soldatenfriedhof, den ein Einheimischer für zwischen 1945 und 1948 gefallene und in russischer Kriegsgefangenschaft umgekommene deutsche Soldaten angelegt hat. „Aus Dankbarkeit, weil er angeblich deutschen Soldaten die Genesung seiner kranken Tochter verdankte“, erfährt Rothkugel im Ort.
Noch heute werde der Friedhof von eben jenem Vater und dessen Freund gepflegt.

Schwache Erinnerung an Vater

Am dortigen Mahnmal für die 200 dort ruhenden deutschen Soldaten legt Rothkugel nicht nur Blumen nieder: „Darin eingebunden ist ein Kreuz aus der einstigen Wohnung des Obergefreiten und seiner Ehefrau, das mir meine Frau mitgab“.

Oft spricht Rothkugel über die Landschaft an der 203 Kilometer langen, damals als „Rollbahn“, bezeichneten und im Sommer 1944 hart umkämpften Straße zwischen Minsk und Mogilew: Weite Birkenwälder im flachen Land und Sümpfe, die zu jener Zeit von Partisanen beherrscht wurden. „Dabei spielte dann bei mir immer wieder die Fantasie und ständig stellte sich mir die Frage nach dem Warum“.

Nur schwach könne sich die 72-jährige Ursula Rothkugel an ihren Vater erinnern, unvergesslich sei ihr aber, dass der Papa anlässlich seines letzten Urlaubs 1942 – „da war ich fünf“ – Schweinefett mitgebracht und Prilleken in ihrer Wohnung in der Braunschweiger Straße gebacken habe. Später wird er ihr als lebenslustig und fröhlich beschrieben. Offenbar aber auch romantisch, wie die liebevoll aus Birkenrinde hergestellte Feldpostkarte zum Geburtstag seiner Irmgard beweist, die Rothkugels erst im Nachlass fanden.

Der vermisste Obergefreite Albert Teichmeier wurde am 18. Juli 1966 vom Amtsgericht Peine für tot erklärt. Zeitpunkt des Ablebens: 31.12.1945, 24 Uhr.

Ulrich Jaschek

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