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„Tierquälerei und mieser Gestank“

Wendesse „Tierquälerei und mieser Gestank“

Heftigen Protest löst die geplante Hähnchen-Mastanlage mit 39 000 Tieren in Wendesse aus. Etwa 40 Gegner haben sich zusammengeschlossen, um das Projekt zu stoppen.

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So klein sind die Küken, bevor die etwa 35-tägige Turbo-Mast beginnt.

Quelle: dpa

Wendesse. „Das ist eine Katastrophe für unser Dorf“, sagt Heike Kubow von der neu formierten „Bürgerinitiative Peine gegen Hähnchenmast“. Die 40-Jährige wohnt 250 Meter von der geplanten Anlage entfernt und befürchtet, „dass wir nach einem Bau durch den Feinstaub der vielen Hähnchen gesundheitlich belastet werden“. Es gebe keine Filteranlagen. Außerdem würden durch die Massentierhaltung Krankheits-Erreger nach draußen gelangen.

Sie fragt: „Warum brauchen wir so einen Stall, wenn doch bereits ausreichend Hähnchenfleisch produziert wird? Macht sich niemand Gedanken darüber, dass dort Tiere gequält werden?“ Die Turbo-Mast in 35 Tagen mache die Hähnchen krank, auch die erlaubte Fläche in der Größe von einem Blatt Schreibpapier pro Tier sei viel zu klein.
Andreas Cassel ergänzt: „Wir befürchten auch, dass der Gestank durch den Hähnchenkot extrem wird.“ Die Lebensqualität in Wendesse werde sinken und auch der Wert der Häuser und Grundstücke ins Bodenlose fallen.

Enttäuscht sind die Anwohner von der Stadt Peine, „denn es gab nicht eine einzige Informations-Veranstaltung“. Nur der Ortsrat habe ein Mal zu dem Thema getagt und gleich grünes Licht für den Bau des Stalles gegeben. Die betroffenen Wendesser fühlen sich allein gelassen.

Heike Kubow sagt: „Es ist traurig, denn ich bin nach Wendesse gezogen, weil dies ein wirklich schönes Dorf nahe Peine ist. Das wird sich leider ändern. Aber wir werden weiterkämpfen.“ Die Anwohnerin will sich jetzt die Unterlagen zum Hähnchen-Stall beim Kreis Peine zeigen lassen. Außerdem engagiert die Bürgerinitiative einen Rechtsanwalt, um das Projekt noch stoppen zu können. Doch der muss sich sputen, denn bereits in wenigen Monaten könnte der Bau des Stalles starten.

tk

Landwirt Hansen zum Stall

Landwirt Erich Hansen, der den Hähnchenmaststall in Wendesse mit 39 000 Tieren auf 1800 Quadratmetern Fläche bauen will, sagt: „Ich investiere 800 000 Euro in den Bau und betone, dass es keine effektivere und umweltschonendere Mast von Hähnchen gibt.“ Das sei auch keine Tierquälerei, „denn sonst wäre es in Deutschland längst verboten, wo die strengsten Tierschutz-Gesetze gelten“.

Hansen ärgert sich darüber, dass ihn niemand von den Stall-Gegnern direkt angesprochen habe, obwohl er immer gesprächsbereit sei. „Das bin ich immer noch“, betont er.

Der Landwirt habe auch freiwillig ein 3000-Euro-Umweltgutachten in Auftrag gegeben, um die Auswirkungen durch den Stall zu untersuchen. „Auch da ist alles in Ordnung, denn es dringt kein Kot oder Urin ins Grundwasser.“ Der Kot werde weitläufig auf Feldern ausgetragen oder in der Biogas-Anlage verbrannt.

Die Reinigung des Stalles erfolge nur durch Wasser. Hansen erklärt: „Erst danach setzen wir nach der Trocknung biologisch abbaubares Desinfektionsmittel ein, das auf den Wänden bleibt. Es dringt also nichts nach außen.“

tk

„Keine Öffentlichkeitsbeteiligung“

Fragen an Peines Ersten Stadtrat Hans-Jürgen Tarrey:

1. Warum wurden die Anwohner nicht über den geplanten Bau informiert?
Die Mastanlage in Wendesse wird nach dem Bundesimmissionsgesetz zu beurteilen sein. Für Anlagen dieser Größe ist eine Öffentlichkeitsbeteiligung vom Gesetzgeber nicht vorgesehen. Zuständige Genehmigungsbehörde ist der Landkreis Peine.

2. Was ist der aktuelle Stand der Planung?
Der Landkreis hat den Antrag an die Stadt gegeben, um das Einvernehmen der Gemeinde gemäß Baugesetzbuch herzustellen. Wenn keine planungsrechtlichen Verstöße im Antrag enthalten sein sollten, dann wird die Stadt das Einvernehmen herstellen müssen. Der Gesetzgeber hat dafür keinen Ermessensspielraum eingeräumt.

3. Welche juristischen Möglichkeiten haben die Anwohner, um den Bau noch zu verhindern?
Theoretisch kann man gegen jede immissionsrechtliche Genehmigung klagen. Die Klage wäre gegen den Kreis zu richten. Wenn Sie Juristen fragen, werden diese jedoch vermutlich offen ansprechen, dass derartige Klagen andernorts schon mehrfach gescheitert sind.

tk

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