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Theater Altona vermaß die Welt

Peine Theater Altona vermaß die Welt

Peine . Jakob Augstein bejubelte in Daniel Kehlmanns Roman „Die Vermessung der Welt“ die „gebildeten Anspielungen und Zitate“, die „versteckten Kleinode“. „Alterswerk eines jungen Schriftstellers“ und „genialer Streich“ applaudierte die Frankfurter Rundschau. Und Millionen von Otto Normallesern schmökerten einst amüsiert und begierig über die Wissenschafts-Genies Alexander von Humboldt und den Zahlenartisten Carl Friedrich Gauß. Das Theater Altona zeigte nun Christian Nickels Inszenierung nach Dirk Englers Bühnenfassung in den Peiner Festsälen.

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Die Vermessung der Welt: Das Theater Altona zeigte die Bühnenfassung von Daniel Kehlmanns Roman in den Peiner Festsälen.

Quelle: im

Knapp drei Stunden dauert die Bühnenbearbeitung der Literaturvorlage - eine schauspielerische Meisterleistung von Jacques Ulrich (von Humboldt), Stephan Benson als Gauß und den gleichfalls mit Herz und Lust agierenden Nebendarstellern.

Ihr Spielplatz indessen erinnert an die Kreativumgebung einer ambitionierten Waldorf-Kindertagesstätte: Vor einer Holzkiste von der Größe einer Gartenlaube liegen profane Umzugskartons zum Bauen, Verzaubern, Verstecken und Bemalen.

Dazwischen die beiden Geistesgrößen, die in dieser Umgebung zu komischen Käuzen mutieren, sagen wir zu einer Art unfreiwilliger Clowns mit Entdeckerdrang, die ihre Geschichten erzählen, indem sich Kartons zu Floß, Hochplateau, zu Karton-Pferdchen verwandeln oder gar das Studierstübchen darstellen. Schön herausgearbeitet sind Humboldts deutsche Gründlichkeit und der Generationenstreit im Dauerkrach mit seinem jungen Begleiter Bonpland.

Was indessen von den Theatermachern wohl kalkuliert auf der Strecke bleibt, ist das, was die Literaturvorlage so außergewöhnlich erscheinen lässt und nur in der Vorstellung des Lesers keimt und aufgeht: die raffiniert-ironische Erzählweise Kehlmanns, die der Regisseur zur offenbaren Dankbarkeit im Parkett (minutenlanger Schlussapplaus!) beinahe in Klamauk übersetzt und sogar vor Anleihen bei den Kollegen von der Kasperle-Fraktion nicht zurückschreckt: Bonpland kämpft mit einem entsprechenden Krokodil und der deutsche Philosoph Kant welkt zum Kasperpüppchen, das „Wurst“ will.

Die Fülle der Vieldeutigkeiten, „versteckten Kleinode“ und die „schwerelose Tiefgründigkeit“ in Kehlmanns Sprachmeisterwerk, das überwiegend in indirekter Rede gehalten ist, können auf der Bühne nicht wirklich zur Geltung kommen. Ein verlorener Theaterabend war es trotzdem nicht, denn daheim vergeht die Nacht bei lustvoller Lektüre der „Vermessung der Welt“.

uj

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