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Telefonieren bis der Akku streikt

Peine Telefonieren bis der Akku streikt

Peine. Ein charismatischer Anwalt voller Tatendrang, rhetorisch brillant, Idealismus versprühend und voller emotionaler Durchschlagskraft - die Verurteilung seines Mandanten, eines angeklagten Pharma-Industrie-Kritikers, kann er gleichwohl nicht verhindern.

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Schlichtes Bühnenbild in den Festsälen: „Kolls letzter Anruf“ mit Gregory B. Waldis kam beim Publikum gut an.

Quelle: im

Da nutzt es auch nicht, dass Herr Rechtsanwalt Miki Koll kurz vom Weg des Rechts abwich, um mit einem gezielten linken Haken dem Richter Brille und Nase zu zerbrechen. Das ernüchternde Ergebnis: Der Mandant verliert sein Leben, der Verteidiger seine Zulassung und wartet nun vor dem Knast auf Einlass - für ein Jahr.

Ausgangslage für Joshua Sobols raffiniertes und spannendes Einmann-Drama „Kolls letzter Anruf“ mit Gregory B. Waldis als geschasster Rechtsanwalt Koll in der einzigen Rolle auf der Bühne der Festsäle. Wie man das von Anwälten so kennt: Viele sind wahre Meister im genussvollen Ausnutzen von Fristen - ob sie sich im dicken Gesetzbuch oder, wie hier, aus einem drallen Textbuch ergeben.

Autor Sobol räumt hier diese letzte Frist ein und füllt sie ausschließlich mit Handy-Dialogen aus - auf der Basis eines offenbar prall gefüllten Akkus und einer supergünstigen Flatrate.

Koll erfährt im letzten Augenblick von der Bibliothekarin Nina von einer soeben eingetretenen Veränderung der Rechtslage, die seinen Fall durch den offensichtlich bestochenen Richter in völlig neuem Licht erscheinen lässt.

In einer wilden Achterbahnfahrt der Gefühle lockt er die Witwe des Mandanten zur Wiederaufnahme des Prozesses, ködert dafür eine zunächst abweisende Kollegin mit Millionenhonoraren, liefert sich Pointen-Duelle mit seiner Ex-Gattin und schaltet auf „lieber Junge“, wenn er zu allem Überfluss noch seiner Mama einen Aufenthalt in Afrika vortäuscht.

So gaukeln Sobol und Waldis dem Publikum eine außerordentlich erfolgreich agierende aber imaginäre Bühnenmannschaft vor: die zickige Ex, die beschauliche Buchexpertin, die entnervte Mandanten-Witwe.

In Wirklichkeit ist da „nur“ Waldis als Koll im pausenlosen Dauer-Stress, hitzig, hektisch, listig, flirtend, philosophierend, stets am Rande des persönlichen Zusammenbruchs. Freunde des gepflegten Zynismus‘ bedient er ebenso, wie Liebhaber polierter Aphorismen und Hochglanz-Kalenderblatt-Philosophie („Das Gewissen überlebt nur, wenn wir es auch anwenden“).

Das hat prächtigen Unterhaltungswert, besonders zum Schluss die Abrechnung mit dem nachweislich manipulierten Kadi: „Ich mache Sie fertig!“ So wünscht sich das zu etwa 350 potenziellen Mandanten gewandelte Publikum seinen Lieblings-Anwalt und applaudiert sich die Hände wund.

uj

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