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Südliches „Gröperntor“ kam aus dem Jahr 1625

Peine Südliches „Gröperntor“ kam aus dem Jahr 1625

Bei den baubegleitenden Ausgrabungen in der Schützenstraße wurden vor einem halben Jahr Teile des äußeren Stadtgrabensystems, das die Gröpernvorstadt umgeben hat, und ein bisher unbekanntes äußeres südliches Stadttor entdeckt, das „Gröperntor“ (PAZ berichtete).

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Schlachtviehknochen, die im äußeren Stadtgraben beim Schützenhaus und dessen Umfeld gefunden worden sind und vermutlich die Ursache für Umweltverschmutzung und Geruchsbelästigung waren.

Quelle: oh

Peine. Mittlerweile hat der Peiner Archäologe Thomas Budde weitere Erkenntnisse über das Gröperntor und den äußeren Stadtgraben beim Schützenhaus, insbesondere die Datierung.

Auf dem ältesten Peiner Stadtplan, dem Festungsplan des Bern Spörde von 1671, sei das Tor als längsrechteckiger Baukörper, der den alten Stadteingang zum Gröpern riegelartig versperrt verzeichnet, erklärt Budde. Auch decke sich der Spörde-Plan standortmäßig mit dem archäologischen Befund: „Dem Ostrand des Tor-Fundamentes, bestehend aus einer doppelten Reihe von Pfahlgründungen, die zum Teil in mehr als drei Metern Tiefe unter der heutigen Oberfläche der Fußgängerzone gründen. Trümmerreste von gelben Sandsteinen in der Schicht über den Pfahlgründungen deuten an, dass es sich um ein steinernes Tor gehandelt haben dürfte.“

Neun der Pfähle standen dem neuen Schutzwasserkanal im Wege und mussten geborgen werden. Aus drei gut erhaltenen Pfählen wurden von Barbara Leuschner vom Delag-Labor Göttingen Proben für dendrochronologische Untersuchungen herausgesägt. Die mit Spannung erwarteten Ergebnisse liegen inzwischen vor.

Ein Pfosten konnte exakt in das Jahr 1625 (Fälljahr des Baumes) datiert werden, ein zweiter auf 1678 (Toleranz +5/-7 Jahre), während die dritte Probe leider nicht datierbar war. „Diese Datierung passt hervorragend zu den Funden, die im Zusammenhang mit den Pfahlgründungen geborgen worden sind. Da auch sonst nichts für eine noch frühere Datierung des Gröperntores spricht, können wir 1625 durchaus als Erbauungsjahr des Tores annehmen“, schlussfolgert Budde.

Es lasse sich auch ein Bezug zur schriftlichen Überlieferung herstellen: Nachdem im August 1624 die kaiserlichen Truppen der katholischen Liga unter Graf Tilly Peine von den Dänen zurückerobert hatten, muss der Entschluss gefasst worden sein, die Gröpernvorstadt durch ein äußeres südliches Stadttor zu sichern. Für die stehenden Heere der frühen Neuzeit waren solche Anlagen zwar kein großes Hindernis, aber in der chaotischen Zeit des 30-jährigen Krieges konnte das Tor kleineren Truppenverbänden oder marodierenden Banden den Zugriff auf die Stadt erschweren.

„Die zweite Pfahlgründung mit der Datierung 1678 deutet auf eine spätere Ausbesserung des Torfundamentes hin“, berichtet Budde. Auch hier fänden sich historische Bezüge: Zu dieser Zeit wurden aufgrund des geplanten Ausbaus Peines zur hildesheimischen Festungsstadt Unmengen geschlagener Hölzer angeliefert und zahlreiche Arbeiter für die Umsetzung der groß angelegten Pläne einquartiert. Die Planungen seien dann zwar nur im Falle der Schlossfestung richtig umgesetzt worden, doch zeige sich nun, dass ein Teil der Hölzer auch für eine Verstärkung des Gröperntores verwendet worden ist.

Neben den Pfahlgründungen des Stadttores wurden im Göttinger Delag-Labor auch zwei Proben der Uferbefestigung des äußeren Stadtgrabensystems im Bereich vor dem Schützenhaus untersucht. Es handelt sich um einen geborgenen Pfahl und eine waagerecht dagegengesetzte Spaltbohle aus Eiche. Der Pfahl wurde auf 1779 (Toleranz -6/+8), die Bohle exakt auf 1780 datiert. Budde: „Somit lässt sich feststellen, dass die hier gelegene, auf Stadtplänen des 18. Jahrhunderts noch verzeichnete Schleife des äußeren Stadtgrabens im Jahre 1780 eine neue Uferbefestigung erhielt.“

„Wie der Zufall es will, befasst sich das aktuell von Michael Utecht verfasste Stadtarchiv-Sonderblatt 2/2014 mit dem Grabensystem am Schützenplatz“, erläutert Budde. Es wurde demnach in der Zeit um 1900 als stinkendes, umweltgefährdendes Gewässer dargestellt. „Die Ausgrabungen haben gezeigt, dass der vor dem Schützenhaus angeschnittene Graben tatsächlich zur Entsorgung von Schlachtviehabfällen, eventuell auch von Kadavern genutzt worden ist, und zwar sowohl in der älteren als auch in der jüngeren Nutzungsphase.“ Im unteren Bereich ab 1,80 Meter Tiefe unter der heutigen Oberfläche des Schützenplatzes war Niedermoortorf ausgebildet - ein Hinweis auf den ehemals sumpfigen Charakter des Gewässers. Tierknochen fanden sich auch westlich davon in der Füllerde unter der Schützenstraße vor dem Schützenhaus, vermengt mit Holzkohleasche der nahe gelegenen Töpfereien. Es sei offensichtlich, dass sich in einem solchen Milieu leicht Fäulnisbakterien und Pilze ausbreiten konnten. Wahrscheinlich bestand dieses Problem schon in früheren Jahrhunderten.

jti

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