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Streit um Mastanlagen

Kreis Peine Streit um Mastanlagen

Die Unterlagen für die geplante Hähnchenmast-Anlage in der Nähe von Alvesse bei Vechelde liegen seit gestern im Kreishaus sowie im Vechelder Rathaus aus. Gegner und Unterstützer der Mastställe beziehen in der PAZ Stellung.

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Kreis Peine . Einen Stall, drei Futtermittelsilos, zwei Gastanks, ein Mistlager, ein Getreidehochsilo und einen Waschplatz umfasst die Hähnchenmast-Anlage, die der Üfinger Landwirt Christoph Gerecke in der Nähe von Alvesse bauen möchte. „Wir werden das Projekt kritisch begleiten und den Bürgern Hilfestellungen für Einwände geben“, sagt Jürgen Streichert, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Kreistag und Ilseder Ratsmitglied.

Er hält die Anlagen – insgesamt sollen fünf davon im Kreis entstehen – aus Gründen des Tier- und Umweltschutzes für höchst bedenklich. „Die kleineren Anlagen, eine davon soll auch auf dem Gebiet der Gemeinde Ilsede entstehen, brauchen nicht mal Filter“, ist Streichert empört. Er befürchtet, dass die Anwohner vor allem durch Ammoniakgase belästigt werden.

Außerdem kritisiert der Grünen-Politiker, dass der entstehende Kot der Tiere zunächst als sogenannte Feldmiete direkt auf dem Acker gelagert werden soll. Er befürchtet auch hier erhebliche Geruchsbelästigungen. Streichert schlägt vor zu prüfen, ob die Gemeinde Vorranggebiete ausweisen könne, in denen dann die Mastställe gebaut werden müssten. Ziel: Die Ställe möglichst weit vom Ort zu platzieren.

Wilfried Henties, stellvertretender Vorsitzender des Peiner Landvolks, versteht die ganze Aufregung um die fünf geplanten Hähnchenställe nicht. „Die Landwirte richten sich einfach am Markt aus“, erklärt der Oberger. „Jahrelang wurde das immer wieder von uns gefordert und jetzt tun wir das halt.“ Denn Hähnchenfleisch sei gefragt – und um Verluste bei Milchproduktion und Ackerbau auszugleichen, würden einige Landwirte nun versuchen, mit der Hähnchenmast ihre Existenz zu sichern.

„Natürlich sind 50 Masthähnchen in einem großen Garten hinter dem Bauernhaus wünschenswert“, sagt Henties. „Aber was wünschenswert ist, ist leider nicht immer machbar“, erläutert der Landwirt weiter. Die Bauern müssten sich an der Realität orientieren. Und die sieht so aus, dass die Landwirte mit Mastanlagen-Betreibern in Brasilien konkurrieren müssen. „Und da finde ich es besser, dass die Ställe bei uns entstehen und anständig kontrolliert werden.“

Außerdem würden die Anlagen in Europa auch nach dem Tierschutz-Gesetz entstehen – in vielen anderen Ländern gebe es solche Vorschriften gar nicht. Auf Mastställe könnte letztlich nur verzichtet werden, wenn es ein Umdenken in der Bevölkerung gebe. „Die Landwirte tanzen nur zu der Musik, die ihnen die Discounter und Verbraucher vorgeben“, sagt Henties.

Streichert und Henties stehen auch Rede und Antwort während der Podiumsdiskussion der Grünen am Dienstag, 12. Januar, ab 19 Uhr im Peiner Forum. Außerdem mit dabei ist der Grünen-Landtagsabgeordnete Christian Meyer – angefragt ist auch Tilman Uhlenhaut, wissenschaftlicher Beirat des Bundes für Umwelt und Naturschutz in Niedersachsen.

Tobias Mull

Marotz: „Gemeinden haben kaum Einfluss“

Hähnchen-Mast: Vechelder Bürgermeister sieht keine realistische Möglichkeit, Betriebe im Kreis Peine zu verhindern

Vechelde . „Kreaturverachtende Massentierhaltung lehne ich ab!“ Vecheldes Bürgermeister Hartmut Marotz (SPD) hat sich gestern eindeutig zum Thema Hähnchen-Mastanlagen positioniert. Allerdings hätten die Gemeinden kaum Möglichkeit zur Einflussnahme auf die Standorte. Denn für Baugenehmigungen sei der Landkreis Peine zuständigt. Und auch diesem seien die Hände gebunden, da den Betreibern bei Erfüllung der Auflagen, die Genehmigung erteilt werden müsse.

Marotz bezieht sich dabei auf geltendes EU-Recht, wonach landwirtschaftliche Anlagen in jedem Fall privilegiert zu behandeln sind. Die von einem Üfinger Landwirt geplante Riesen-Mastanlage für 84000 Tiere an der alten Alvesser Mühle sei demnach kaum zu stoppen. Theoretisch könnten in jeder Vechelder Ortschaft Hähnchen-Mastanlagen gebaut werden, ohne dass die Gemeinde ein Wörtchen mitzureden hat, sagt Marotz und fügt hinzu: „Mit dieser Realität müssen wir leben.“ Letztlich bestimme der Verbraucher ob solche Anlagen gebaut werden oder nicht.

Daher bringe es auch nichts, irgendeine Resulution gegen Hähnchen-Mast im Rat zu beschließen, entgegnet der Verwaltungs-Chef einem Schreiben mit einer entsprechenden Aufforderung, das im Vechelder Rathaus aufgehängt worden sei. „Das wäre Augenwischerei“, sagt Marotz. Wer sich gegen Mastanlagen zur Wehr setzen will, müsse entweder dem Landwirt ins Gewissen reden oder europäisches und deutsches Recht anfechten. Eine andere Möglichkeit gebe es nicht – zumindest keine realistische. „Die Gemeinde könnte für das gesamte Gemeindegebiet einen Bebauungsplan aufstellen, doch das sei in der Praxis nicht umsetzbar“, sagt Marotz.

Die von den Vechelder Grünen angeregte Ausweisung von Ausschluss- und Vorranggebieten im Flächennutzungsplan der Gemeinde eigne sich für Hähnchen-Mastanlagen laut Marotz nicht, da diese nur für Gewerbegebiete oder Funkmasten anwendbar sei, nicht aber für landwirtschaftliche Betriebe, die bevorzugt zu behandeln sind.
Am Montag, 11. Januar, ist die in Alvesse geplante Hähnchen-Mastanlage Thema im Vechelder Umwelt-, Verkehrs- und Planungsausschuss. Die öffentliche Sitzung beginnt um 17 Uhr im Bürgerzentrum.

mic

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