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Schulleiter skeptisch: Landesregierung will Sitzenbleiben abschaffen

Peine Schulleiter skeptisch: Landesregierung will Sitzenbleiben abschaffen

Peine . Die neugewählte rot-grüne Landesregierung um Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) regiert seit wenigen Tagen und bereits sorgt eine im Koalitionsvertrag verankerte Reformidee für Wirbel: Das Abschaffen des Sitzenbleibens (siehe Info). Bei Peiner Schulleitern stößt das Vorhaben auf Skepsis - aber auch positive Stimmen gibt es.

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Ein mögliches Sitzenbleiben sorgt bei Schülern oft für psychischen Druck – bald soll es abgeschafft werden.

Quelle: dpa

„Ich hoffe, der Plan wird nicht weiter forciert. Sitzenbleiben kann für Schüler auch eine Chance sein“, findet Jürgen Degener, Schulleiter der Bodenstedt-Wilhelmschule. „Es gibt Schülern die Möglichkeit, die Dinge aufzuarbeiten, die sie versäumt haben.“

Eine individuelle Betrachtung von Problemen der Schüler wünscht sich Gunzelin-Realschul-Leiter Frank Stöber: „Es gibt eine ganze Menge Schüler, die vom Sitzenbleiben nichts hat - aber andere, bei denen dieser Dämpfer hilft.“ Es müsse genau geschaut werden, „wie die Lernausgangslage ist und dann individuell entscheiden. Bei wem Faulheit das Problem ist, bei dem kann ein Dämpfer auch hilfreich sein.“

Anders sieht das Jutta Reuter, Rektorin der Eichendorff-Grundschule: Gerade bei jungen Schülern habe Sitzenbleiben negative Auswirkungen. „Sitzenbleiben bringt nicht die erwünschten schulischen Erfolge.“ Das gelte genauso für die Persönlichkeitsentwicklung: „Die Kinder werden aus ihrem bekannten Schulumfeld mit Klassenverband und Lehrer gerissen. Diese emotionale Neuordnung hilft nicht.“ Der individuellen Lernfortschritt innerhalb der Klassen müsse gegeben sein, „anstatt zu sagen: ‚Du musst die Klasse nochmal machen‘.“

Skeptisch ist Ulrike Bock, Rektorin des Silberkamp-Gymnasiums: „Ich sehe das nicht negativ, aber kritisch: Die Rahmenbedingungen müssen stimmen. Leistungsschwache Schüler müssen intensiv gefördert werden, um ihre Defizite aufarbeiten zu können.“ Das bedeute auch: kleinere Klassen, spezielle flankierende Fördermaßnahmen und Beratung der Eltern.

Nach dem schulübergreifenden Konzept der Regierung wird an der IGS Peine bereits verfahren. Dort wiederholen Schüler eine Klassenstufe nur freiwillig, wenn dies dem Wunsch der Eltern entspricht. Schulleiterin Susanne Pavlidis: „Die Schüler zu ermutigen und zu fördern ist wichtiger - die Kinder durch Sitzenbleiben zu bestrafen, ist der falsche Weg. Die Beschämung fördert nicht die Entwicklung des Kindes.“

js

Sitzenbleiben im Ländervergleich: Seit der niedersächsischen Landtagswahl am 20. Januar stellen SPD und Bündnis90/Grüne die stärkste Koalition im Landtag. Im vereinbarten Koalitionsvertrag der neuen Regierung haben die beiden Parteien unter anderem beschlossen, das Sitzenbleiben mittelfristig abschaffen zu wollen und neue Lösungswege für lernschwache Schüler zu finden.

Im Koalitionvertrag heißt es, das Sitzenbleiben solle „durch individuelle Förderung überflüssig werden“. Bereits abgeschafft ist seit 2010 das Sitzenbleiben in Hamburg für die Jahrgänge 1 bis 9. Ab 2017 soll die Regelung in allen Klassen gelten. In Berlin ist das Sitzenbleiben an Haupt- und Realschulen nicht mehr vorgesehen – außer auf Wunsch der Eltern. Grundschüler wiederholen nur in Ausnahmefällen zwischen Jahrgang 3 und 6, an Berliner Gymnasien entscheidet eine Klassenkonferenz darüber.

js

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