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Schülerin mit Rechenschwäche gewinnt Prozess gegen Landkreis

Peine/Braunschweig Schülerin mit Rechenschwäche gewinnt Prozess gegen Landkreis

Peine/Braunschweig. Eine 16-jährige Realschülerin aus Peine leidet stark unter ihrer Rechenschwäche (Dyskalkulie). Gemeinsam mit ihren Eltern hat sie jetzt vor dem Verwaltungsgericht Braunschweig gegen den Landkreis Peine geklagt mit dem Ziel, dass dieser die Kosten für eine Therapie übernehmen soll. Mit Erfolg - das Gericht entschied: Der Landkreis muss zahlen.

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Dyskalkulie: Viele Schüler haben Probleme mit dem Rechnen – aber nur unter bestimmten Voraussetzungen wird eine Therapie bewilligt.

Quelle: Symbolfoto

Dem Weg vor Gericht ging eine Behörden-Odyssee voraus. Schon im März 2011, das Mädchen war damals in der 8. Klasse, stellten die Eltern einen Antrag auf Eingliederungshilfe für eine Dyskalkulie-Therapie. Es folgten ärztliche Stellungnahmen mit klaren Diagnosen: spezifische Phobien, Dyskalkulie, neurotische Belastungs-Störungen, Entwicklungsstörungen schulischer Fertigkeiten.

Tochter und Vater führten schließlich Ende Oktober 2011 ein Gespräch im Peiner Jugendamt, ohne Erfolg. Im Gegenteil: Eine Mitarbeiterin des Amtes erstellte im November 2011 einen Bericht, der für die Familie negativ ausfiel: Die Teilhabe der Schülerin am Leben sei nicht beeinträchtigt. Sie sei sozial integriert und in der Lage, ihren Alltag eigenständig zu bewältigen. Mit dieser Begründung lehnte der Landkreis den Antrag auf Eingliederungshilfe ab. Das Sozialgesetzbuch definiert zwei Voraussetzungen für finanzielle Ansprüche bei Dyskalkulie (siehe Hintergrund rechts). Jedoch sei laut Kreis nur eine Voraussetzung gegeben.

Die Eltern des Mädchens gaben sich damit nicht zufrieden. Im Februar 2012 begann die 16-Jährige trotz fehlender Eingliederungshilfe mit der Therapie, nachdem die Eltern bereits im Dezember 2011 Klage gegen den Landkreis erhoben hatten. Sie forderten erstens die Aufhebung des Ablehnungsbescheides und zweitens die Übernahme der Kosten für die Therapie durch den Landkreis Peine.

Das Verwaltungsgericht Braunschweig gab der Familie nun in vollem Umfang Recht und widerlegte die Begründung für den Ablehnungsbescheid ausführlich. „Die festgestellte seelische Störung ist so intensiv, dass sie über bloße Schulprobleme und Schulängste, die andere Kinder teilen, hinausgeht“, erklärte Dr. Torsten Baumgarten, Sprecher des Verwaltungsgerichts. Jetzt müsse schnell ein Zustand erreicht werden, mit dem die Schülerin wenigstens einfache Berechnungen im Alltag selbstständig durchführen könne.

Eindeutiges Fazit: Die begonnene Behandlung sei eine geeignete und erforderliche Hilfe - und für zunächst 40 Therapiestunden muss jetzt der Landkreis Peine aufkommen.

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Das ist Dyskalkulie

Dyskalkulie ist eine Beeinträchtigung des arithmetischen Denkens bei Kindern, Jugendlichen und auch Erwachsenen (Synonyme sind Zahlenblindheit, Rechenschwäche oder Arithmasthenie, alternativ besondere Schwierigkeiten im Rechnen/nicht bearbeitete stoffliche Hürden). Sie tritt bei fünf bis sieben Prozent der Weltbevölkerung auf. Es handelt sich um ein kompensierbares Verständnisproblem im arithmetischen Grundlagenbereich, das durch gezielte Therapie aufgelöst werden kann. Dyskalkulie sagt nichts über die Intelligenz des Betroffenen aus. Oftmals finden sich unter ihnen besonders begabte Menschen mit einem überdurchschnittlichen IQ.

bor

Rechenschwäche: Zwei Voraussetzungen für Hilfe

Schüler mit einer Teilleistungsschwäche wie Dyskalkulie (Rechenschwäche) und Legasthenie (Schreibschwäche) haben nur unter engen Voraussetzungen einen Anspruch darauf, dass ihnen aus Mitteln der Jugendhilfe eine Therapie in einem Privatinstitut finanziert wird. Nach dem Sozialgesetzbuch muss die Jugendhilfe Therapiekosten nur unter zwei Voraussetzungen übernehmen:

Erstens muss ohne die Therapie eine seelische Störung von längerer Dauer vorliegen oder drohen. Dies kann bei einer Teilleistungsschwäche der Fall sein, wenn nach fachärztlichen Feststellungen als Folge dieser Beeinträchtigung psychische Störungen eintreten.

Zweitens verlangt das Gesetz für eine Kostenübernahme, dass die festgestellte seelische Störung die Teilhabe des Kindes am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt oder dass eine solche Beeinträchtigung droht. Schulprobleme oder Schulängste reichen dafür nicht aus. Es müssen darüber deutlich hinausgehende behinderungsrelevante Probleme vorliegen. Im Fall der Realschülerin aus Peine sah das Verwaltungsgericht beide Voraussetzungen als erfüllt an.

bor

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