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Salzgitter-AG-Chef Fuhrmann: "Peiner Träger schafft den Umschwung"

Interview Salzgitter-AG-Chef Fuhrmann: "Peiner Träger schafft den Umschwung"

Über die Krise beim Tochter-Unternehmen Peiner Träger und die schwierige Marktsituation im Stahlhandel sprach die PAZ mit Professor Heinz Jörg Fuhrmann, dem Vorstands-Vorsitzenden des Stahlkonzerns Salzgitter AG.

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Der Vorstands-Vorsitzende der Salzgitter AG, Heinz Jörg Fuhrmann, geht im PAZ-Interview mit klaren Worten auf die Krise beim Tochter-Unternehmen Peiner Träger ein.

Quelle: A

Wie groß ist die Krise bei Peiner Träger und bei der Salzgitter AG?

Wir fahren aktuell im Stahlbereich das schlechteste Ergebnis seit 60 Jahren ein. Und daran hat Peiner Träger - leider - einen großen Anteil. Nur im Jahr 2009 waren die Zahlen noch verheerender. In Peine verbuchen wir jetzt bereits im vierten Jahr hohe Verluste, das sind in Summe mehrere 100 Millionen Euro Minus. Ehrlich gesagt: Wäre Peiner Träger eine eigenständige Firma, wäre sie schon längst insolvent.

Was sind die Gründe für die hohen Verluste in Peine?

Es ist schwer zu verstehen, aber es ist wirklich so: Unsere Auslastung ist nicht schlecht und wir haben in den letzten zwei Jahren in Peine große Fortschritte gemacht, aber wir fahren trotzdem jährlich einen hohen zweistelligen Millionen-Verlust ein.

Woran liegt das genau?

In Europa herrscht eine schwierige Marktsituation. Wir verkaufen unsere Peiner Träger ja hauptsächlich in Deutschland und in Europa. Das Problem ist, dass es aufgrund der Wirtschaftskrise in den südeuropäischen Ländern ungenutzte Kapazitäten gibt, und der Markt von dort mit einem Überangebot an Stahl konfrontiert wird. Das verdirbt natürlich insgesamt die Preise. Außerdem haben wir immer noch zu hohe Kosten in Peine. Es gibt Wettbewerber, die deutlich günstiger produzieren.

Ist es ist also nicht nur die schwierige Marktsituation, die Probleme macht?

Nein, es liegt auch an den Betriebsstrukturen von Peiner Träger und anderer Konzernunternehmen, die am Standort tätig sind. Wir arbeiten hier teilweise nicht zielgerichtet und nicht schlank genug.

Wie hoch ist aktuell die Stahl-Produktion in Peine?

Wir haben in unserem Stahlwerk eine Produktionskapazität von 1,9 Millionen Tonnen Rohstahl pro Jahr, die aber noch nicht voll ausgelastet ist und walzen auf unseren zwei Trägerstraßen rund 1,3 Millionen Tonnen Profile. Neben den berühmten Peiner Trägern erzeugen wir auch Brammen für unsere Tochter HSP in Dortmund, die dort zu Spundwänden ausgewalzt werden.

Was muss passieren, um das Ruder herumzureißen?

In Anbetracht der Höhe der Verluste muss es gravierende Veränderungen geben, die im Einzelnen noch genau zu benennen sind. Es handelt sich in jedem Falle um ein anspruchsvolles Vorhaben, aber ich bin zutiefst davon überzeugt, dass uns der Umschwung gelingt. Dazu sind wir selbst als Vorstand und in Peine alle 1100 Mitarbeiter aufgerufen, kooperativ, zügig und schlüssig zu handeln. Die Geschäftsführung ist kompetent besetzt, und vom Betriebsrat kommen konstruktive Signale.

Was bedeutet das konkret?

Ohne eigene, spürbare Veränderungen kann es nicht besser werden, da auf dem Markt keine Erleichterung in Sicht ist. Ich sage ganz deutlich: Nur kostendeckende Arbeitsplätze sind auf Dauer sicher. Kein Konzern kann sich über Jahre hinweg Tochtergesellschaften leisten, die Geld verzehren. Verluste müssen immer von den gesunden Konzernteilen mitgetragen werden und das schwächt schlussendlich die Substanz des Gesamt-Konzerns.

Das klingt sehr negativ.

Nein, im Gegenteil. Wir haben nach den hohen Investitionen exzellente technische Voraussetzungen bei Peiner Träger. Etwa mit dem zweiten Elektro-Ofen und der vielseitigen Sekundärmetallurgie. Jetzt müssen wir endlich - ich sage es sinnbildlich - die PS auf die Straße bringen und Gas geben. Ich bin mir sicher, dass wir die wichtigste Firma in der Fuhsestadt wieder flott kriegen.

Wie bewerten Sie die Arbeit des neuen Peiner-Träger-Geschäftsführers Stephan Lemgen?

Herr Lemgen hat seine Arbeit in hervorragender Weise aufgenommen. Er hat mein volles Vertrauen. Er ist ein Stahlwerker mit Herzblut und genau der richtige Mann für diesen schwierigen Job. Abschließend möchte ich noch einmal betonen: Wir haben in Peine gutes Personal und sind technisch stark aufgestellt - wir geben so schnell nicht auf und werden die Wende schaffen!

Interview: Thomas Kröger

ZUR PERSON

Heinz Jörg Fuhrmann

Heinz Jörg Fuhrmann wurde am 4. Dez. 1956 in Duisburg geboren. Er studierte nach dem Abitur 1975 das Fach Eisenhüttenkunde, dann schloss sich ein Wirtschaftsstudium an. Die Promotion erfolgte 1990 an der TU Berlin. Bei der Salzgitter AG war Fuhrmann zunächst Leiter der Zentralen Unternehmensplanung und Generalbevollmächtigter, 1996 wurde er stellvertretendes Vorstandsmitglied. Seit 2011 ist Fuhrmann Vorsitzender des Vorstandes der Salzgitter AG.

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