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Sally Perel bei Lanz

Peine Sally Perel bei Lanz

Weil er bei einer Kontrolle durch die Wehrmacht im Juni 1941 intuitiv behauptete „Volksdeutscher“ zu sein, überlebte Sally Perel den Holocaust.

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Szene aus der ZDF-Dokumentation: Sally Perel vor seinem Elternhaus in Peine.

Quelle: ZDF/Florian Quandt

Peine. Seine Geschichte als Hitlerjunge Salomon ging um die Welt. Für die ZDF-Dokumentation „Du sollst leben!“, die Mittwochabend gesendet wurde, besuchte er zusammen mit Moderator Markus Lanz seinen Geburtsort Peine, das benachbarte Braunschweig, wo er unter Leugnung seines jüdischen Glaubens in der Hitlerjugend sogar zum „Rottenführer“ aufstieg, und das Grab seines Vaters auf dem jüdischen Friedhof im Ghetto Lodsch. Auch wer Sally Perel schon kannte, erlebte tief bewegende Augenblicke.

Die Dokumentation über Perels Geschichte (und zwei weitere Holocaust-Überlebende) beginnt in Braunschweig. Dort lebte Sally Perel vier Jahren inmitten der Nazis, machte Karriere in der Hitlerjugend und wurde später im VW-Vorwerk zum Werkzeugmacher ausgebildet - permanent in der Angst, entdeckt zu werden. Drehort: Die frühere NS-Elitelehranstalt (heute Kolleg), an der Perel unter anderem „Rassenkunde“ lernte. Der heute 90-Jährige sagt ganz offen zu Lanz: „Ich lebte mich schnell ein, marschierte mit und wurde ein anderer.“

Szenenwechsel: Perel spaziert mit Lanz über den Damm in Peine, wo er aufgewachsen ist. Er erinnert sich noch genau an seine - wie er sagt - „glückliche Kindheit“, wie er auf den Pflastersteinen in der Altstadt mit anderen Kinden mit Murmeln spielte. Ihm selbst fiel erstmals 1933, im Alter von acht Jahren auf, dass sich etwas änderte: „Ein Mann rief mir zu: Jude, runter vom Trottoir, Du machst die deutsche Straße dreckig.“

Dann eine Szene aus dem Spielfilm „Hitlerjunge Salomon“, der damals 14-Jährige ist auf der Flucht, Perel und Lanz sitzen im Kino: „Mein Vater legte mir zum Abschied die Hand auf den Kopf. Es gab Gebete, Psalmen. Er sagte: Glaube immer an Gott, vergiss nie wer Du bist, bleib immer gut. Meine Mutter gab mir magische Kraft mit, es waren nur drei Wörter: ,Du sollst leben!‘“ Perel glaubt, dass er „nur damit überlebte“.

Nächste Station im Film: Perel fährt mit Lanz mit der Straßenbahn durchs ehemalige Ghetto Lodsch. Hier hatte Perel während des Weihnachtsurlaubs 1943 verzweifelt nach seinen Eltern gesucht. Lanz und Perel steigen aus, besuchen das Haus mit der Nummer 10, wo Perels Mutter lebte. Im Treppenhaus schließt er kurz die Augen und sagt: „Ich rieche wie meine Mutter kocht, höre ihre Stimme, ihr Geist ist hier, ich kann es spüren. Es ist eine Energie, wie damals, als sie sagte: „Du sollst leben!“

Es geht weiter zum jüdischen Friedhof Lodsch, wo 43 000 Opfer des Holocaust beerdigt wurden, auch Perels Vater, der an Hunger und Erschöpfung im Lager starb. Perel, sonst stets gefasst, weint. Er spricht auf jüdisch zu seinem Vater, sagt: „Verzeih‘ mir, wir leben, ruhe in Frieden“.

Wieder zurück in Braunschweig: Dort begegnete Perel nach Kriegsende am Schloss zufällig einem Juden, dem er spontan eröffnete, dass er auch Jude sei - erstmals seit Jahren sprach er über sein bis dahin gut gehütetes Geheimnis. Öffentlich machte er seine Geschichte aber erst 40 Jahre später mit seinem Buch „Hitlerjunge Salomon“. Perel sagt: „Wenn man mit 90 Jahren noch das Gefühl hat, dass man der jungen Generation noch etwas Wichtiges geben und erzählen kann, dann bekommt das Überleben dadurch einen Sinn.“ Die letzte Szene: Es ist der 21. April dieses Jahres, Perels 90. Geburtstag. Es wird gesungen, er feiert im Kreis seiner Familie in Tel Aviv, wohin er 1948 ausgewandert ist. Er lacht, sagt: „Man hat Familie. Das Leben hat gesiegt.“

mic

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