Volltextsuche über das Angebot:

17 ° / 11 ° Regenschauer

Navigation:
Rufus Beck ließ Festsäle im „Zorn“ erbeben

Rufus Beck ließ Festsäle im „Zorn“ erbeben

Was für eine wunderbare Basis für eine glückliche Einzelkindheit und Jugend: Papa erfolgreicher Romancier, Mama preisgekrönte Hirnforscherin. Strahlend weiß-antibakterielle Wohlfühl-Umgebung in eitel Sonnenschein-Beleuchtung auf der Bühne der Peiner Festsäle.

Voriger Artikel
AWO-Schuldnerberatung: „Armut nimmt weiter zu“
Nächster Artikel
Polizisten sollen später in Pension gehen

Rufus Beck als unerschütterlicher Soft-Vater und Lena Dörrie als Journalistin beeindruckten im Theaterstück „Zorn“.

Quelle: Foto: Ulrich Jaschek

Peine. Der 16-jährige, bisher unauffällige Filius hat sich mit einem Kumpel mitten in der Nacht farblich an der Fassade einer Moschee ausgetobt und wird mittels Videoaufzeichnung einwandfrei als Täter festgestellt. Die Lehrerschaft fürchtet um ihr Ansehen, die Eltern erstarren zunächst in Ungläubigkeit, ergehen sich dann in Vorwürfen und Selbstzerfleischung, bis sich herausstellt, dass die scheinbar unfehlbare Mutter selbst seit gut 30 Jahren buchstäblich eine Leiche im Keller hat.

Die Aufführung der Hamburger Kammerspiele ist prominent besetzt: Rufus Beck als unerschütterlicher Soft-Vater, Jonathan Beck als gebremst-pubertärer Aufrührer und Jacqueline Macaulay als mütterliche und ehefrauliche Einforderin höchster Ansprüche auf allen, wirklich allen Ebenen.

Beck Senior (Jonathan ist auch tatsächlich sein Sohn) wirkt als Publikumsmagnet, Macaulay lässt das ironisch-bitter von Harald Clemen inszenierte Drama der australischen Autorin Joanna Murray-Smith dagegen atmen, pulsieren, explodieren und letztendlich in sich zusammenfallen - und beherrscht die Kunst, ihre Kollegen dadurch trotzdem nicht an die Wand zu spielen.

Joes anfangs zum Image schädigenden Hassverbrechen stilisiertes Farbgeplänkel verblasst, als eine leidenschaftliche Journalistin (souverän: Lena Dörrie) raffiniert recherchiert, dass die nun erfolgreiche Hirnforscherin einst als Mitglied der studentischen Terrorgruppe „Fury“ (Zorn) durch die Beteiligung an einem Bombenattentat den Vater der damals noch ungeborenen Journalistin auf dem Gewissen hat.

Was folgt, ist der beeindruckende und bedrückende Zerfall einer längst abgegriffenen familiären Scheinwelt, die lediglich auf mehreren morschen Ichs statt auf einem stabilen Wir basierte. Die Dialoge und Monologe wirken zwar gelegentlich wie aus Familien-Therapie-Lehrbüchern übernommen - der Kunst der Mimen ist zu verdanken, dass sie nicht so klingen, sondern das spürbar mitfühlende Publikum berühren.

Auch geradezu humorvolle Momente trügerischer Entspannung sind eingebaut - beispielsweise, wenn die Arbeiter-Eltern des jugendlichen Mittäters auf die intellektuelle Vorzeigefamilie treffen, bis man dem Rand der sozialen Schlucht entgegen diskutiert. Trefflich arbeitet Macaulay Selbstzweifel- und Analyse heraus, ringt sich schmerzhaft zur Verantwortung durch.

Zum Abschluss des Theaterstückes ist die gutbürgerliche Fassade zerbröckelt, die Liebe tot, die Familie zerschlagen, die Bühne dunkel und das Publikum beeindruckt.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Stadt Peine

Lesen Sie alles rund um das traditionsreiche Peiner Fest. mehr

eebe8558-a9cd-11e7-923d-4ef2be6e51d8
Orkan im Kreis Peine

Hier die aktuellen Bilder:

Veranstaltungen

Welche Veranstaltungen und Termine gibt es im Peiner Land? In unserer Datenbank finden Sie alle Infos. mehr

Sudoku

Das Zahlenrätsel Sudoku in verschiedenen Schwierigkeitsgraden

Kinoprogramm

Jeden Donnerstag neu: alle Filmstarts in Peine und Umgebung