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Rudi Dutschke wäre heute 75 geworden

Peine Rudi Dutschke wäre heute 75 geworden

Heute wäre Alfred Willi Rudolf (Rudi) Dutschke - Galionsfigur der 1968er-Studentenbewegung - 75 Jahre alt geworden. Mit nur 39 Jahren war der Rhetoriker und Kriegsdienstverweigerer aus der DDR, vermutlich an den Spätfolgen eines Attentats von 1968 am Weihnachtsabend 1979 gestorben.

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Rudi Dutschke.

Quelle: dpa

Peine. Den Anschlag verübte Josef Bachmann, der zur Tatzeit in Peine gemeldet war.

Der Marxist und Soziologe Dutschke war die Führungspersönlichkeit der 1968er-Studentenbewegung. Diese war damals gegen die herrschenden Normen in sozialen, kulturellen und politischen Bereichen. Forderung war eine freie Demokratie.

Einer der wichtigsten Köpfe der Bewegung war Dutschke, der Anfang 1965 in den „Sozialistischen Deutschen Studentenbund“ (SDS) eintrat und Vorstandsmitglied wurde. In der Öffentlichkeit auf sich aufmerksam machte er durch Sitzblockaden, sogenannten Sit-ins, Demonstrationsmärsche und Sprechchöre. Besonders auffällig: Dutschkes rhetorisches Talent.

Die Studenten um den Sozialisten herum proklamierten in den späten 1960er-Jahren den sogenannten „langen Marsch durch die Institutionen“. Ihrer Ansicht nach war das gesellschaftspolitische System der Bundesrepublik und seine Einrichtungen durchsetzt von ehemaligen Nazi-Funktionären. Diese sollten durch Leute aus den eigenen Reihen ersetzt werden, um eine grundsätzliche Reform und eine Veränderung des gesamten gesellschaftlichen Klimas zu bewirken. Weiterhin wurde den Autoritäten in Schule, Universität oder Elternhaus der Kampf angesagt.

Am Gründonnerstag, 11. April 1968, wurde Dutschke aus seinem Engagement herausgerissen: Ein 23-jähriger Peiner schoss ihn auf offener Straße nieder und verletzte ihn schwer. Dutschke überlebte das Attentat nur knapp.

Nach mehreren schweren Operationen erholte sich Dutschke langsam von den Folgen des Attentats. Grundfähigkeiten wie Lesen und Sprechen musste er aber neu erlernen.

Am 24. Dezember 1979 ertrank Dutschke jedoch nach einem epileptischen Anfall in seiner Badewanne. Er hinterließ seine Frau und drei Kinder, eins davon war noch ungeboren.

mgb

Josef Erwin Bachmann verübte das Attentat auf Dutschke

Peine. Josef Erwin Bachmann, der am 11.April 1968 eine Waffe auf Rudi Dutschke gerichtet hat (siehe Text oben), war kein unbeschriebenes Blatt: Aus mehreren Quellen geht hervor, dass der damals 23-jährige Peiner engen Kontakt zur Neonazi-Szene gepflegt habe, die später als „Braunschweiger Gruppe“ durch Sprengstoff-Anschläge bekannt geworden sei. Der Hilfsarbeiter wurde durch einen ehemaligen Peiner Schießwart und NPD-Mann mit Waffen und Munition versorgt.

Auf dem Schießplatz „Am Sundern“ hatte man sich regelmäßig zum Feuern mit Pistolen, Schnellfeuergewehren und Maschinenpistolen getroffen. Laut dem ehemaligen NPD-Mitglied hatten sich im Umfeld des Schießplatzes immer eine größere Horde aus Waffennarren, Rechten und sogar Polizisten, von denen früher etliche Nazis waren, gebildet. Aufgefallen sei Bachmann dort nicht. Er war eher ein ernster und ruhiger Mann.

Kurz vor dem Attentat am 11. April 1968 hatte der Hilfsarbeiter bei einem Peiner Munition für einen Revolver erhalten. Damit versuchte Bachmann, den Wortführer der Studentenbewegung niederzustrecken. Zwei Kugeln trafen das Opfer in den Kopf, eine in die Brust. Direkt nach dem Attentat begann eine Hetzjagd auf Bachmann, dabei wurde er ebenfalls durch Schüsse verletzt. Bei seiner Festnahme stellten die Polizisten fest, dass er einen Artikel über Dutschke aus der rechtsextremen „Deutschen National-Zeitung“ bei sich getragen hatte.

„Unmittelbar nach dem Attentat wurde Josef Bachmann verhaftet und verhört. Als ihm mitgeteilt wurde, dass sein Opfer überlebt hatte, gab er zu Protokoll: – Ich möchte zu meinem Bedauern feststellen, dass Dutschke noch lebt. Ich hätte eine Maschinenpistole kaufen können. Wenn ich das Geld dazu gehabt hätte, hätte ich Dutschke zersägt!“ (Quelle: Spiegel.de)

Bachmann wurde wegen versuchten Mordes angeklagt und zu sieben Jahren Haft verurteilt. Als Bachmann im Gefängnis saß, nahm Dutschke per Post Kontakt zu ihm auf. Am 24. Februar 1970 beging Bachmann in seiner Gefängniszelle Selbstmord, indem er sich eine Plastiktüte über den Kopf zog und darunter erstickte.

mgb

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