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Premierenlesung: Stefan Aust stellte neues Buch vor

Peine Premierenlesung: Stefan Aust stellte neues Buch vor

Peine. Er wirkt wie ein leuchtendes Beispiel für den Ruhestand mit frühestens 79: schlank, agil, eloquent, braune Schuhe zu blauen Jeans, hellblaues Hemd mit Button-down-Kragen, lässig umgeschlagene Ärmel und runde Brille.

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Fühlte sich wohl bei Gillmeister: Stefan Aust stellte seinen Neuling „Hitlers erster Feind“ vor und plauderte brillant aus dem Handgelenk.

Quelle: Ulrich Jaschek

Kürzlich ist Stefan Aust, Zeus der Journalistenzunft, 70 geworden. Derzeit ist er nicht nur Chefredakteur der „Welt“, sondern auch Pferdezüchter und unermüdlicher Buchautor. In letzterer Eigenschaft besuchte er Gillmeister, die von Literatur-Liebhabern wieder einmal gestürmte gläserne Bücherburg, um seinen tags zuvor erschienenen Neuling „Hitlers erster Feind“ zu präsentieren.

Wie nun Hubertus Gillmeister kurz vor dem Ende seiner Buchhändler-Laufbahn den prominenten Autor, den er als „einen der wichtigsten Medienmacher“ und „Wächter über das politische Reinheitsgebot“ bezeichnet, zur Premierenlesung nach Peine gelockt hat, behält er für sich.

Aust indessen scheint sich äußerst wohl zu fühlen, plaudert zunächst ausgiebig über seine facettenreiche journalistische Jugend, lässt Namen aufflackern und wirft das eine oder andere „wer mit wem, wann, wo“ in den Raum - bis er endlich auf seinen 60. Geburtstag vor zehn Jahren kommt und zu einem Geschenk, dass seine Schriftsteller-Lust beflügelte: die Originalausgabe einer von Konrad Heiden 1936 veröffentlichten Biografie über den sogenannten „Führer“.

Erst vor ein paar Jahren sei ihm das Buch auf der Suche nach Lesestoff zufällig in die Hände gefallen und ist von Heidens tagesaktuellen Beschreibungen über den Aufstieg Hitlers fasziniert. Aust wollte mehr wissen über Heiden, den ihm bis dahin völlig unbekannten Kollegen, der den sogenannten „Führer“ 20 Jahre lang oft aus nächster Nähe beobachtet hat.

Entstanden sei nach jahrelangen Recherchen ein Porträt eines Journalisten über einen Journalisten, dessen Schreibstil Aust als „cool bis sarkastisch“ beschreibt. Konrad Heiden ist 1921 Student der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften und Hilfsredakteur der Frankfurter Zeitung, als er erstmals dem zwölf Jahre älteren Hitler begegnet und als sein Beobachter und Kritiker hartnäckig auf den Fersen bleibt.

Aust speist seine Faszination durch das „wie“ dieser zeitnahen Beschreibungen über die „Flut von Unsinn“ des „unbeherrschten Menschen mit schlechten Manieren“ der nach „fader Idealschönheit strebte“. Mehr noch: noch faszinierender erscheinen die Zuhörer, die durch die Inszenierung der Versammlungen gleichsam Mitwirkende werden.

Auch der Begriff „Nazi“ soll übrigens erstmals aus Heidens Feder geflossen sein. „Szenische Umsetzung“ nennt Aust das, was er als Lektüre vorlegt.

„Ich hätte mir ja wenigstens Lesezeichen eingelegt“, raunt eine Zuhörerin in der ersten Reihe, während Aust lange blättern muss, bis er auf jene Seiten in seinem knapp 400 Seiten-Werk gelangt, aus denen er zitieren möchte. Er scheint ebenso glänzend gelaunt wie schlecht vorbereitet, plaudert brillant mehr als anderthalb Stunden aus dem Handgelenk und kommt zwischen den Griffen zum Weißweinglas wie zufällig auf das, was er „unbedingt noch sagen“ möchte.

Konrad Heiden, so erfährt man, fühlte nicht nur seiner Zeit den Pulsschlag, er sei ihr weit voraus gewesen. Wer dagegen heute Begriffe wie „Feldherrenhalle“, „Reichtagsbrand“ oder „Röhm-Putsch“ nur mit faden Geschichtsstunden verbindet, könnte sich mit Aust’s Heiden-Porträt sowohl gänsehauterzeugend als auch erhellend aufgeklärt fühlen - besonders in Zeiten wie diesen.

uj

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