Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / -3 ° wolkig

Navigation:
Plädoyer für Peine: Bürgermeister und Händler werben für Einkauf vor Ort

Peine Plädoyer für Peine: Bürgermeister und Händler werben für Einkauf vor Ort

Peine. „Kaufen Sie bei Peiner Kaufleuten!“: Für seinen öffentlichen Appell hat Bürgermeister Michael Kessel (SPD) Sympathiepunkte gesammelt - vor allem natürlich bei der hiesigen Kaufmannschaft selbst. Kessler hatte in einer Rede angeprangert, dass Internet-Konzerne wie Amazon den Einzelhandel in den Innenstädten kaputt machen.

Voriger Artikel
Hildesheimer Landrat: Fusion ist nötig,denn wir verlieren 30 000 Einwohner
Nächster Artikel
Ingrid Pahlmann im Kraftwerk Mehrum: „Ich werde für Sie kämpfen“

Die Fußgängerzone in Peine.

Quelle: mic

Die Strategie der Peiner Kaufleute: Sie setzen auf ihre unbestrittenen Vorzüge gegenüber Internet-Händlern: persönliche Beratung, Präsentation vor Ort und die Möglichkeit des Anfassens der Produkte. „Das macht schon einen großen Unterschied, ob man einen Stoff wirklich fühlen oder ihn sich nur vorstellen kann“, bekräftigt Brigitte Nowak-Rödker vom Damenmodegeschäft Allegra am Markt. Gerade im Bereich Mode sei persönliche Beratung das A und O.

Ähnlich sieht das auch der Inhaber der Zweirad-Company, Carsten Engelmann: „Bei allen beratungsintensiven Produkten sind wir klar im Vorteil.“ Ein wichtiges Argument, in Peine einzukaufen, sei zudem die regionale Wertschöpfungskette. „Es geht ja auch um Arbeitsplätze vor Ort. Die Beschäftigten zahlen Steuern, und die kommen wiederum der Allgemeinheit zugute wie beispielsweise für Kitas“, so Engelmann.

Ole Siegel von Ole-Siegel-Sports sagt: „Internet-Handel ist ja grundsätzlich nicht verkehrt. Es wäre aber eben wünschenswert, dass die Peiner - wie der Bürgermeister auch gesagt hat - erst einmal schauen, ob es den gewünschten Artikel bei einem heimischen Händler online gibt.“ Ein weiteres Argument für den Kauf vor Ort sei, dass das Porto für Retour-Sendungen laut Gesetz künftig von den Kunden bezahlt werden müsse.

Roland Schütt vom Ara-Shop am Markt ist sich sicher, dass viele Angebote im Netz manipuliert seien: „Bei Schuhen liest man ganz oft: Jetzt für nur soundso viel Euro. Dabei ist das eigentlich der Normalpreis.“ Was viele nicht wüssten: Bei den meisten Preissuchmaschinen würden nur Artikel von Firmen gelistet, die sich dort angemeldet haben und dafür zahlen.

Für Dunja Wittenberg vom Modehaus Schridde am Markt zählt letztlich auch der gesellschaftliche Aspekt: „Ich finde es schade, wenn persönliche Kontakte immer mehr verloren gehen. Das Miteinander bleibt doch völlig auf der Strecke, wenn jeder nur noch im Internet kauft.“

Die Inhaberin der Vöhrumer Bücherstube, Claudia Schneider, sagt: „Bei uns spielt das Persönliche auch eine große Rolle. Wir haben einen hohen Anteil an Stammkunden, man spricht sich mit dem Namen an.“ Die Online-Konkurrenz sieht sie zwiegespalten: „Im Internet einzukaufen ist natürlich bequem. Vor allem die jungen Leute lernen es ja nur noch so kennen. Ich fürchte, dass es für uns Händler nicht mehr besser werden wird.“

mic

Kessler: Nur soviel wie nötig im Internet kaufen

Peine. Mit seinem Projekt „Peine l@chelt“ hatte Peine Marketing dieses Jahr erneut beim Landeswettbewerb „Ab in die Mitte“ gewonnen. Inhaltlich geht es dabei um die „Gefahren durch den Online-Handel“. Bei der großen Frühstücksaktion, die auf dem Markt im Rahmen von „Peine l@chelt“ stattfand, griff Bürgermeister Michael Kessler das heikle Thema auf.

„Es geht nicht an, dass Bürger bei Umfragen sagen, dass ihnen eine attraktive und schnuckelige Innenstadt sehr am Herzen liege und kaum sind sie zu Hause, bestellen sie die Waren, die es hier gibt, im Internet. Das ist schizophren“, sagte er in seiner öffentlichen Rede.

Alle Produkte, die man in der Stadt zu gleichen Preisen bekomme, solle man aus Solidarität in seiner Stadt kaufen. „Jeder kauft mal im Internet – aber bitte nur soviel wie nötig und so wenig wie möglich.“

Der Internet-Handel mache auf Dauer die Geschäfte in den Innenstädten kaputt, und dann gebe es irgendwann keine attraktiven Innenstädte mehr. Auch die Gastronomie lebe von der Frequenz in der Innenstadt.Wenn die Menschen erst dann aufwachen würden, wenn sie in der Innenstadt nicht mehr frühstücken könnten, sei es zu spät.

Kessler: „Führende Internet-Anbieter, allen voran Amazon, sind dabei, in vielen Branchen den Markt zu erobern. Beim Buchhandel liegt Amazon schon bei 20 Prozent, und dort gibt es keine Preisunterschiede. Dieser Konzern strebt ungeschminkt das Monopol an, um alles bestimmen zu können – sowohl die Autoren als auch die Preise. Das ist kulturbedrohend.“ Dabei zahle der Amazon-Konzern, der in Luxemburg sitzt, kaum Steuern, trage nichts zum Gemeinwesen bei und bezahle die Angestellten schlecht.

mic

KOMMENTAR

Auch der Handel muss handeln

Der Appell von Bürgermeister Michael Kessler ist gut und richtig. Eine lebendige Innenstadt gibt es nur mit einer starken Kaufmannschaft. Und wer kann, sollte deshalb den heimischen Handel unterstützen, wo es nur geht. Klar ist: Die Internet-Konkurrenz verschärft sich, die Online-Umsätze steigen, wohingegen der stationäre Handel Einbußen verzeichnet. Ein Trend, der sich vermutlich nicht wieder umkehren wird. Der Handel vor Ort steht deshalb auch selbst in der Pflicht. Er muss sich neu positionieren, ja vielleicht sogar neu erfinden. Online-Shops gehören dabei genauso zum Pflichtprogramm wie einheitliche Öffnungszeiten. Die fordern auch viele Händler.

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Lesen Sie alles rund um das traditionsreiche Peiner Fest. mehr

Rückbau auf dem Telgter Elmeg-Gelände
Veranstaltungen

Welche Veranstaltungen und Termine gibt es im Peiner Land? In unserer Datenbank finden Sie alle Infos. mehr

Sudoku

Das Zahlenrätsel Sudoku in verschiedenen Schwierigkeitsgraden

Kinoprogramm

Jeden Donnerstag neu: alle Filmstarts in Peine und Umgebung