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Peiner muss lebenslang hinter Gitter

Mord Cuxhaven Peiner muss lebenslang hinter Gitter

Lebenslänglich: Der 30-jährige Peiner Thomas H. hat im Sommer 2009 seine Ex-Freundin und deren Bekannte auf einem Campingplatz in Cuxhaven getötet. Jetzt muss er für lange Zeit ins Gefängnis.

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Das Medien-Interessee ist groß

Stade. Im Prozess ist er wiederholt in Tränen ausgebrochen, doch gestern wirkt Thomas H. gefasst. Mit gesenktem Kopf nimmt der 30-jährige Peiner die Verurteilung zu lebenslanger Haft wegen der Tötung seiner Ex-Freundin und einer weiteren Frau auf einem Cuxhavener Campingplatz entgegen.

„Ihr Leben geht weiter“, entlässt ihn der Vorsitzende Richter am Stader Landgericht, Behrend Appelkamp, aus der fünftägigen Hauptverhandlung. „Ihnen bleibt die Hoffnung auf Zukunft.“

In seiner halbstündigen Urteilsbegründung rollt Appelkamp die Vorgeschichte und die Geschehnisse der Tatnacht noch einmal auf. Demnach hat der Peiner die Taten zwar gestanden, doch in wichtigen Punkten das Gericht mit seinen Schilderungen nicht überzeugt. So will er wie im Rausch gehandelt haben. Das Gericht sieht jedoch keine Affekt-Tat.

Nach Überzeugung der Richter hat der Gabelstapler-Fahrer die Trennung von seiner Freundin Nadine T. nicht verwunden. Am 26. August 2009 fährt er gegen Mitternacht von Peine zu dem Campingplatz, wo seine Ex mit ihrer Freundin Anne G. Urlaub macht. „Er wollte die Beziehung zu Nadine irgendwie wiederbeleben“, sagt Appelkamp. Eine Tötungsabsicht habe er zu diesem Zeitpunkt noch nicht gehabt.

Der 30-Jährige hat sich allerdings für den Besuch dunkel angezogen und ein großes Küchenmesser für den Fall eingesteckt, dass die Situation eskaliere, sagt der Richter. Er widerspricht damit der Erklärung des Angeklagten, er habe eigentlich nur die Reifen am Auto seiner Ex-Freundin zerstechen wollen.

Die Strafkammer geht davon aus, dass Nadine T. ihren Exfreund beschimpft, als er unerwartet im Wohnwagen auftaucht. Gekränkt stellt er fest, dass die Dinge nicht nach seinem Plan laufen. Da sticht er auf die Frauen ein. Anne G. kann noch fliehen. Doch nachdem der Angeklagte Nadine T. brutal mit 18 Stichen in dem Wohnwagen getötet hat, läuft er hinter G. her.

Er habe sie mit 15 Stichen umgebracht, um die Entdeckung der ersten Tat zu verhindern, sagt Appelkamp. Als ein Zeuge den Täter anspricht, flieht dieser und wirft das Messer sowie ein Handy in einen Graben.

Zu Hause in Peine in seiner Wohnung an der Falkenberger Straße duscht Thomas H. und entsorgt seine blutige Kleidung in einem Müll-Container, vergisst dabei aber einen Handschuh. Am folgenden Morgen holt ihn die Polizei.

Imke Zimmermann

„Thomas H. ist völlig ausgeflippt“
Urteils-Begründung: „Schuldfähig, Peiner hat nicht im Affekt gehandelt“ / Telgter Nachbarn: „Netter Typ“

Die Tötung der Ex-Freundin hat das Stader Landgericht als Totschlag gewertet, den Angriff auf deren Begleiterin jedoch als Mord zur Verdeckung einer Straftat. Der Peiner Thomas H. sei schuldfähig, sagte Behrend Appelkamp. Er habe auch nicht im Affekt gehandelt. „Es ist nicht so, dass der Angeklagte völlig zermürbt war“, betonte der Vorsitzende Richter.

Der 30-Jährige habe Kontakt zu anderen Frauen gehabt, sei seiner Arbeit nachgegangen, gezielt nach Cuxhaven gefahren, strukturiert vorgegangen. Zwar möge Auslöser der Tat die Kränkung gewesen sein, doch er sei auf eine Eskalation vorbereitet gewesen.

Mit ihrem Urteil entsprachen die Richter dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung prüft, ob sie Revision beantragt. Rechtsanwältin Susanne Tölke wertet auch die zweite Tat als Totschlag und hält H. für vermindert schuldfähig, was das Strafmaß senken würde. Er sei ein ruhiger Mensch, „aber in der Tatnacht ist Thomas H. völlig ausgeflippt“.

Auch seine Nachbarn an der Falkenberger Straße in Telgte beschreiben Thomas H., der aus Dresden stammt, als „netten Typen. Seine kleine Wohnung befand sich ganz oben im siebten Stock eines unansehnlichen Häuserblocks.

Der Hausmeister hat den dunkelhaarigen 30-Jährigen als einen „gemütlichen und ruhigen Typ“ in Erinnerung, der am 1. April an die Falkenberger Straße gezogen sei. „Der wirkte wie ein richtiger Kumpeltyp, dem ich so eine schreckliche Tat nie zutrauen würde“, betont der Hausmeister der vier Blocks, der dort seit 32 Jahren für die Wohnungen verantwortlich ist. Aber vielleicht habe der nach außen ruhig wirkende Thomas H. alle Probleme in sich hineingefressen und sei dann wegen eines Beziehungsstreits explodiert.

Eine Bewohnerin aus dem Nachbar-Block hat einen guten Blick auf den Balkon von Thomas H. im obersten Geschoss. Doch hat sie ihn dort fast nie gesehen. „Auch das Licht war selten an, und er ist nur manchmal zum Wäscheaufhängen herausgekommen.“

ap/tk

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