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Peiner Träger: Heinz Jörg Fuhrmann kündigt einschneidende Maßnahmen an

PAZ-Interview Peiner Träger: Heinz Jörg Fuhrmann kündigt einschneidende Maßnahmen an

Die Stahlkrise hat die Firma Peiner Träger voll erwischt. Es droht massiver Stellenabbau. Die Rede ist von 300 Arbeitsplätzen, die wegfallen sollen.

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Heinz Jörg Fuhrmann

Quelle: A

Die PAZ führte mit Salzgitter-AG-Chef Heinz Jörg Fuhrmann ein Gespräch darüber, wie man das Tochterunternehmen in der Fuhsestadt retten kann.

Peiner Träger steckt weiterhin in einer schweren Krise. Wie hoch sind die Verluste?

Wir haben im ersten Halbjahr in Peine 230 Millionen Euro Verlust gemacht. 185 Millionen Euro davon sind Sonderabschreibungen auf Anlagen. Der Verlust aus dem operativen Geschäft betrug 45 Millionen Euro. In den vergangenen Jahren hat uns der Standort Peine in Summe mehr als eine halbe Milliarde Euro Verluste gebracht. Es besteht also dringender Handlungsbedarf.

Was sind die Ursachen für die Krise in Peine?

Wir verzeichnen aufgrund der Wirtschaftskrise in Europa ein erhebliches Ungleichgewicht zwischen dem Angebot und der Nachfrage für Stahl. Bei den Peiner Produkten ist die Situation am extremsten: Der Bedarf an Stahlträgern ist gegenwärtig nur knapp halb so groß wie die existierenden Produktionskapazitäten in der EU. Dabei ist die Unterauslastung in Südeuropa erheblich ausgeprägter als in Nordeuropa. Weil auch diese Trägerhersteller ihre Kapazitäten möglichst gut beschäftigen wollen, werden auch Aufträge angenommen, die lediglich einen kleinen Teil zur Deckung der Fixkosten, z. B. für Personal oder Reparaturen beitragen. Das bedeutet im Klartext, die Unternehmen nehmen Verluste in Kauf. Die Folge für alle europäischen Hersteller: Die Preise sinken und die Marge, das heißt das Delta zwischen den Rohstoff-, Schrott- und Energiekosten einerseits und den Absatzpreisen für Stahl andererseits, ist deshalb stark geschrumpft. Auf Dauer lässt sich das natürlich nicht durchhalten, denn es zehrt die finanzielle Substanz der Unternehmen auf. Leider werden gerade die notleidenden südeuropäischen Trägerproduzenten von ihren lokalen Banken und der Politik künstlich am Leben gehalten. Die Salzgitter AG und das Werk Peine müssen hingegen leider aus eigener Kraft und mit eigenen Mitteln Wege für das Überleben finden.

Wie ist die Auslastung im Stahlwerk?

Bezogen auf das jetzt verfolgte Eine-Million-Tonnen-Konzept liegt die Auslastung aktuell bei 85 bis 90 Prozent und ist damit recht ordentlich. Dazu muss man aber wissen, dass wir die Kapazität bei Rohstahl um knapp 50 Prozent von 1,9 Millionen Tonnen auf eine Million Tonnen und für Walzstahl von 1,4 Millionen Tonnen auf etwa eine Million Tonnen zurückgenommen haben. Aufgrund der Reduzierung der Produktionskapazität müssen wir unsere Träger nicht für jeden Preis verkaufen, das ist ertragsfördernd. Der Auftragszulauf ist grundsätzlich stark schwankend und sehr kurzfristig.

Was muss sich sofort ändern?

Wir müssen schnellstmöglich die Geldabflüsse stoppen. Das ist das Minimum, das für Vorstand und Aufsichtsrat vertretbar ist. Wirtschaftlich vernünftig wäre es hingegen, wenigstens eine schwarze Null zu erreichen. Das, was wir anstreben, ist ja in Wahrheit immer noch ein Verlust. Wir stehen daher vor einschneidenden Maßnahmen; die gesamte Palette an Verbesserungspotenzialen muss ausgeschöpft werden. Das umfasst beileibe nicht nur Personalabbau, dazu gehört die ganze Bandbreite von technischen und betrieblichen Maßnahmen. Der Kern ist, dass wir das Produkt Peiner Stahlträger, das im Markt unter erheblichen Druck steht und wofür es am Standort Peine wegen der Anlagenstruktur keine Alternative gibt, so kostengünstig wie möglich herstellen müssen - und zwar schnellstens.

Wie viele Stellen müssen aus Ihrer Sicht gestrichen werden?

Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir nicht vorhaben, zu einzelnen Standorten und den angedachten Maßnahmen Auskünfte zu geben. Die in der Öffentlichkeit kursierenden Zahlen sind Spekulationen oder entspringen möglicherweise Indiskretionen. Wir werden uns an die vereinbarten Spielregeln halten. Zunächst muss der Zukunftsvertrag unterzeichnet werden, dann erst wird in den Geschäftseinheiten hinter verschlossenen Türen über die konkreten Maßnahmen gesprochen.

Was wollen Sie außer Personalabbau tun, um die Situation zu verbessern?

Wir können in Peine noch einiges mehr tun. Zum Beispiel ist die Schrottqualität in den vergangenen Jahren viel schlechter geworden. Es bedeutet, dass wir Geld für Schrott bezahlen und stattdessen viel Schutt bekommen. Das muss aufhören. Ferner vereinfachen wir die Schrottzulauf-Logistik und optimieren die Betriebsmittelverbräuche. Wir wollen insgesamt deutlich schlankere Abläufe schaffen.

Grundsätzlich gilt: Wir kämpfen um den Erhalt des Standortes Peine und haben deshalb auch von der Notwendigkeit einer Rosskur gesprochen. Freilich muss der Patient willens sein, sich der unangenehmen aber heilenden Behandlung zu unterziehen. Wenn alle mitmachen, haben wir die Chance, den Standort zu retten.

Wie kann Peine wieder in die schwarzen Zahlen kommen?

Zunächst müssen wir alle erforderlichen Maßnahmen zügig umsetzen, um wenigstens die Geldabflüsse so schnell wie möglich zu stoppen. Damit hätten wir dort aber immer noch rote Zahlen. Für eine nachhaltige Rückkehr in die Gewinnzone brauchen wir in Peine Rückenwind vom europäischen Markt. Das bedeutet entweder einen Kapazitätsabbau oder eine deutliche Nachfrageerholung in der EU, am besten beides zugleich. Dies wird aber leider noch eine Weile auf sich warten lassen, da die geschilderten Probleme der Wettbewerber in Südeuropa immens sind.

Wann wird es den Zukunftsvertrag geben, und was bedeutet der Vertrag für Peine?

Der Zukunftsvertrag ist auf der Zielgeraden und steht kurz vor der Unterzeichnung. Wie geschildert, haben wir in Peine eine besonders schwierige Situation, insofern muss hier auch spezifisch vorgegangen werden.

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