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Peiner Künstler Hans Nowak starb vor 20 Jahren

Peine Peiner Künstler Hans Nowak starb vor 20 Jahren

Peine. Kein Maler hat im Peiner Land mehr und tiefere Spuren hinterlassen als Hans Nowak. Heute vor 20 Jahren ist er gestorben. Anlass, an ihn zu erinnern. Zwei weitere Teile über Hans Nowak folgen in Kürze.

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Der Künstler Hans Nowak starb heute vor 20 Jahren.

Nowak war, wenn man so will, dreigespalten. Der eine Nowak malte dekorative Bilder für die Wohnstuben seiner Bewunderer, der andere ließ mit kraftvolleren, weniger populären Werken seine Sicht der Natur und der Dinge Bild werden, ein dritter Nowak war der Beherrscher altmeisterlicher Malmittel, der souverän auf der Klaviatur der Kunstgeschichte spielte. Und jeder Nowak war das, was schlimm klingt, bei Bühnenkünstlern jedoch als Kompliment gilt, Hans Nowak war (und er mochte dieses Wort für sich) eine „Rampensau“ der bildenden Kunst, ein Maler durch und durch, zwanghaft, getrieben geradezu. Bei Atelierbesuchen sagte er gern: „Schön, nicht?“ Damit meinte er weniger die Bilder an den Wänden und auf der Staffelei, nein, er sprach von seinen Motiven, den Landschaften, den Blumen und all den Farben. Als er mit dem Älterwerden immer abstrakter wurde, malte er ein Bild, das er „Lichtgeschwindigkeit“ nannte. Die Frage, ob man denn einen das menschliche Vorstellungsvermögen derartig überfordernden Begriff malen könne, diese Frage verstand er nicht. Er konnte nur etwas denken, was sich malen ließ und alles malen, was denkbar war.

Mitten in das betriebsame Halle wurde Hans Nowak am 15. Mai 1922 hineingeboren, dort wuchs er zwischen Kirchtürmen, der Stadtmauer und regem Markttreiben auf und trug diese Bilder zeitlebens in sich. Von Schule hatte er nach Erlangen der Mittleren Reife genug, wollte Maler werden. „Brotlose Kunst“, murrte der Vater und schickte seinen Hans zu einem Onkel nach Bielefeld, einem Gärtner. Der setzte das Bürschchen auf eine Planierraupe und machte Hans damit - zum Ausreißer.

Für zehn Mark monatlich mietet er ein armseliges Zimmer und traf auf seinen Nachbarn Franz Gerwin, ebenfalls arm, ebenfalls fanatischer Maler. Gerwin war es, der seinen Freund bei der Werkkunstschule anmeldete und dadurch dessen Talent auf eine akademische Basis stellte.

Weil Nowak aber von Malen leben musste, war er sich nicht zu schade, geradezu abstruse Aufträge anzunehmen; so dekorierte er einen Eis-Verkaufswagen und dachte über das Werbeplakat für einen Boxkampf nach. Seine ersten Gemälde trug er ins Pfandhaus - und war glücklich, dass überhaupt jemand Geld für seine Bilder herzugeben bereit war.

Nächste Lebensstation: München. Bald darauf Arbeitsdienst und Einberufung zur Wehrmacht, Verletzung der rechten Hand, Todesurteil wegen „Fahnenflucht und Wehrkraftzersetzung“, später reduziert auf dreieinhalb Jahre Festungshaft. Freiwilliger Eintritt in ein „Bewährungsbattaillon“, abenteuerliche Rückkehr aus dem Krieg ins zerbombte Braunschweig, wo er amerikanische Besatzungssoldaten porträtierte - mit Kohle.

Nachkriegszeit. Die Menschen hatten einen enormen Nachholbedarf. Auch nach Kunst. Nowak machte Karriere. Erste Ausstellung in Wolfenbüttel, andere folgten. Internationaler Durchbruch im Grand Palais in Paris. Vier Arbeiten wurden angenommen - und verkauft. Der bekannte Publizist Stefan Georg Troller bat um ein Treffen und machte das Fernsehen auf Nowak aufmerksam. Im „Studio D“, dem Vorgänger der „Aktuellen Schaubude“ malte der Künstler Szenen hinter den Kulissen und lernte Stars kennen wie Hanns Lothar, Nadja Tiller und Hansjörg Felmy.

Nowak war „in“. Michael Jary kaufte sich einen „Nowak“, Hamburger Professoren erwarben Bilder von ihm, Galeristen deckten sich ein, und Hans Nowak landete jenen Coup, der ihn 1968 zum Medienstar machte. Die Rede ist von dem „gefälschten“ Monet-Gemälde.

Nowaks Weg führte ins Peiner Land. In Mödesse erwarb er einen Bungalow, dann zog es ihn wenige Kilometer weiter nach Voigtholz. Der Ortswechsel zum dortigen Upmann-Hof war sogleich mit einem Wechsel der Frauen verbunden. An die Stelle von Ehefrau Johanna trat Inge Upmann. Nowaks erste Ehe wurde erst Jahre später geschieden, mit der Heirat seiner zweiten Frau Inge ließ er sich bis zum August 1983 Zeit.

In seiner Autobiographie „Ein Leben wie ein Tag“, 1995 als Manuskript in limitierter Auflage vorgelegt, wird er nicht müde, zu schildern, dass beide Frauen zeitlebens in inniger Freundschaft verbunden gewesen seien. Inzwischen hatte er sich auf dem Upmann-Hof beheimatet. Hier richtete er sein Atelier ein, hier verlebte er seine besten Schaffensjahre, auf dem inzwischen als Malerhof renommierten Anwesen baute er eine Kapelle, und diese Touristenattraktion blieb sein Lebens- und Arbeitsmittelpunkt bis zu seinem Tod.

• Der zweite Teil über Nowak folgt nächste Woche.

Von Jürgen Dieckhoff

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