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Peiner Festsäle im Sog des Swing

Peine Peiner Festsäle im Sog des Swing

Peine. Die Zeiten sind hart geworden, selbst für die gute alte Swingmusik, die man einst in Deutschland strengstens verbot. Heute ist sie zwar strengstens erlaubt, kommt aber in den gängigen Radioprogrammen kaum noch vor.

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Zu Gast in den Peiner Festsälen: Das Glenn Miller Orchestra.

Quelle: Ulrich Jaschek

Komponist und Bandleader Glenn Miller gilt Kennern des Genre als Vater dieses Musikstils. Dessen Liebhaber versammelten sich in den Peiner Festsälen, um beim guten alten Glenn-Miller-Sound des gleichnamigen „Orchestra“ unter der Leitung von Will Salden Musik jenseits des Mainstreams zu hören.

Und sofort summt sie auf, diese unverwechselbare Melodieführung zwischen Tenorsaxofon und Klarinette, der vierstimmige Posaunensatz und die akkurat abgezirkelten und wohldosierten Blechbläser. Und so wirkt die „Moonlight Serenade“, als käme sie direkt vom Tonabnehmer einer alten Schallplatte, ohne Knistern, versteht sich. Als gleite ein unsichtbarer Tonarm über einen gedachten Plattenspieler, spulen die Herren um Orchesterchef und Ansager Salden ihr zweistündiges Programm ab.

Ohrwürmer purzeln kopfüber ins Parkett, das überwiegend nicht mehr ganz mittelalte Publikum fühlt sich wieder jung. In der zweiten Reihe haben sich sehr junge Musiker der Bigband des Ratsgymnasiums eingefunden, die zu beobachten fast mehr Spaß macht, als das musikalische Spektakel. Von verträumt bis glücklich, von gerunzelter Stirn bis Mitwippen, lauschen mit offenem Mund und aufgeregtem Flüstern reichen die Reaktionen. Nachwuchs-Trompeterin Amelie Thier (12) ist, wie die meisten ihrer jungen Kollegen, hin und weg.

Obwohl: Die Glenn-Miller-Band-Urenkel musizieren nicht, sie haben ausschließlich in starren - oder besser: in erstarrten - Formen zu reproduzieren. Das klingt, als sage der Streber Vokabeln oder mathematische Formeln auf. Die Soli sind beschnitten wie englische Rasenkanten. Das alles ist offenbar nur mit ein bisschen Witz zu ertragen und deshalb sorgen die Musiker mit einigen clownesken Einlagen für ein bisschen Stimmung jenseits der Noten.

Die Überraschung des Abends allerdings hieß Miett Molnar. Die Sängerin präsentierte stimmlich, was dem mumifizierten Glenn-Miller-Sound fehlt: das Lockere, das Fröhliche und die Lust an Bühne und Publikum.

Irgendwann lässt man sich dann trotzdem treiben im Sog des Swing, bei „In The Mood“, „American Patrol“ oder „Pennsylvania 6-5000“. Gershwins auf zwei Minuten verdichtete „Rhapsodie in Blue“ allerdings klingt im Miller-Sound ungehörig und dem Komponisten gegenüber respektlos.

20 Minuten vor dem geplanten Schluss geht erneut Moonlight auf, leitet über in das Zugaben-Programm und kommt auf die Minute zum geplanten Feierabend. Der Applaus klingt freundlich, ein Fan applaudiert stehend. Die Zeiten sind hart geworden.

Von Ulrich Jaschek

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