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Pastor veröffentlicht Buch über Antisemitismus

Schwicheldt Pastor veröffentlicht Buch über Antisemitismus

Schwicheldt. Wissenschaftlich, emotional und stellenweise unerträglich: Seit mehreren Jahren arbeitet der Schwicheldter Martin H. Siebert an einem Buch über den Antisemitismus. Jetzt wurde es veröffentlicht.

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Letzte Korrekturen am Manuskript: Autor Martin H. Siebert in seinem Arbeitszimmer.

Quelle: ja

Auf dem Schreibtisch im Arbeitszimmer von Siebert stapeln sich Notizzettel, Ausdrucke und noch mehr Literatur neben dem PC-Bildschirm. An den Wänden stehen dicht gedrängt Regale, Buchrücken reiht sich an Buchrücken.

79 Jahre ist der Pastor im Ruhestand vor kurzem geworden, lange Jahre hat er mit seiner Frau in den USA gelebt und gearbeitet. Und dort wurde er auch für das Thema sensibilisiert, die kommenden Jahre seines Lebens mit bestimmen sollte: Antisemitismus. „Während meines Pastorats in Seattle habe ich ab Ende der 1970er-Jahre auch Radio-Gottesdienste gehalten“, erzählt der studierte Theologe. Oft kam es vor, dass Zuhörer später im Büro anriefen und über die Themen diskutieren wollten. „Hier wurde mir das erste Mal hautnah bewusst, dass Antisemitismus immer noch latent vorhanden ist. Ich stieß auf pauschale Vorurteile und komplett fehlende Kenntnisse bei den Leuten.“ Diese Unwissenheit sei erschütternd gewesen.

Siebert sammelte Informationen, nahm Kontakt zur jüdischen Gemeinde in Seattle auf - und arbeitete sich durch die Geschichte seines Heimatortes Burghaun in Deutschland und nicht zuletzt durch die Erlebnisse seiner eigenen Jugend. „Seither ist das alles zum Thema meines Lebens geworden“, sagt Siebert. Dutzende Überlebende der Todesfabriken der Nazis hat er seither kennengelernt und befragt. „Man muss sich eingestehen, dass man als Christ eine schwere Bürde trägt“, betont der Pastor im Ruhestand , „denn ohne die Geschichte des Anti-Judaismus der Kirche wäre der Antisemitismus nicht entstanden.“

Siebert schafft es, den ungeheuerlichen Vorgängen in den 1940er-Jahren Gesichter zu geben. „Niemand schaut hin, wenn man sagt, es gab 100  000 Deportierte. Aber wenn es 100  001 sind, will man wissen, wer dieser Mensch war.“

Eine dieser Personen ist Manfred Braunschweiger aus Sieberts Heimatort Burghaun. Seiner Mutter gelang es, ihn aus dem KZ freizubekommen. Über Shanghai konnte er schließlich in die USA einwandern. Eindrücklich schildert Siebert das Schicksal Braunschweigers und seiner Familie. Der Leser fühlt sich hineinversetzt in die Zeit der Verfolgung und Unterdrückung und erlebt schließlich ein kleines Happy End in den Vereinigten Staaten. „Unter anderem den Braunschweigers ist das Buch gewidmet.“

Ungewöhnlich ist auch, wie die konkrete Idee zum Buch entstand: Sieberts Enkeltöchter wollten von ihrem Großvater wissen, wie er die Machenschaften der Nazis erlebt hatte und wie er sich den bis heute vorhandenen Antisemitismus erklärt. Daher auch der Titel „Bitte schreib das auf, Opi“.

„Die Beschneidungsdebatte, die Machenschaften um den Nationalsozialistischen Untergrund NSU - die Zeit ist reif für eine Veröffentlichung“, sagt er und liest an seinem Schreibtisch die letzten Korrekturabzüge eines Manuskripts.

Das Buch ist für 22 Euro erhältlich: ISBN 978-3-89950-780-5. Signierte Exemplare sind bei der Buchhandlung Gillmeister zu haben. Dort ist auch eine Lesung geplant.

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