Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -6 ° heiter

Navigation:
Oliver Kalkofe über seine Heimatstadt Peine

Peine Oliver Kalkofe über seine Heimatstadt Peine

Peine. Er ist als Rächer des deutschen Fernsehens bekannt, kritisiert unverblümt Fernsehproduzenten, Promi-Autoren und Filmemacher - der Komiker und Schauspieler Oliver Kalkofe lebt ein Leben im bunten Medien-Dschungel. Seine Kindheit verbrachte der 49-Jährige in Peine.

Voriger Artikel
Große Studie zum Thema Dispokredit
Nächster Artikel
Heil zum Tode von Egon Bahr: „Ich trauere“

PAZ-Interview mit Oliver Kalkofe.

Quelle: A

Herr Kalkofe, Sie leben in der Bundeshauptstadt, im großen, turbulenten, bunten Berlin. Aufgewachsen sind sie aber in Peine - eine Stadt, in der das Mittelmaß regiert, wie sie gern sagen. Ist da nicht ein bisschen gemein?

„Nein, ganz und gar nicht. Ich meine das liebevoll und auch ernsthaft. Kleine Städte müssen zu ihren Schwächen stehen, das ist nicht schlimm und auch nicht böse. Als ich mit acht Jahren nach Peine kam, fühlte sich das für mich an wie New York. Ich kam aus einem kleinen Dorf, und in Peine kam mir alles so groß vor. Als ich älter wurde, merkte ich, dass Peine eigentlich gar nicht so groß ist. Es ist eine mittelgroße Stadt, in der sich alles im Mittelfeld abspielt. Zu klein für eine Großstadt, zu groß für eine Kleinstadt, von allem ein bisschen, aber nichts so richtig. Und genau deshalb bin ich auch sehr dankbar, in Peine aufgewachsen zu sein.

Was macht Sie dafür dankbar?

Als ich älter wurde, merkte ich, dass es kaum ein Angebot für Jugendliche und junge Erwachsene in Peine gibt. Es gab wenig Plätze, an denen man sich treffen oder mal feiern konnte. Aus dieser Langeweile heraus, war ich gezwungen, selbst kreativ zu werden. Ich begann zu schreiben und zeichnete Comics. Dinge, die ich in einer Großstadt vielleicht nicht für mich entdeckt hätte. In Großstädten hetzt man dem Treiben hinterher. In Peine bin ich als Kind oft ins Kino gegangen und habe mich am Fernsehen erfreut.

Was faszinierte Sie damals am Kino und am Fernsehprogramm?

Im Fernsehen habe ich alles aufgesogen, was Spaß macht. Es war für mich wie ein Fenster nach draußen, wo alles so aufregend und spannend erschien. Sonntags bin ich immer in die Kindervorstellung der Peiner Kinos gegangen - ich war regelmäßig im Deli, im Astoria, in den Festsälen und im Urania. Bud Spencer, Louis de Funès und James Bond waren meine Helden - und natürlich Godzilla.

Richtig gutes Kino also...

Natürlich nicht nur. Ich habe mir jeden Film angeschaut. Auch diese ganzen Billig-Produktionen und Italo-Western. Ich war naiv. Ich bin nicht auf die Idee gekommen, dass der Film vielleicht scheiße war, wenn ich ihn nicht mochte. Damals dachte ich noch, dass man uns Zuschauer doch nicht verarschen würde. Diese Sicht von damals hat mich bis heute begleitet.

Und diese Sicht hat sich geändert?

Die Einstellung des Fernsehens hat sich verändert. Früher war man viel dankbarer und man hat sich schneller verzaubern lassen. Wenn ich zurückdenke, habe ich alle Serien geschaut - egal, ob Star Trek, Magnum und Bonanza. Das waren fiktive Geschichten, die einen haben träumen lassen. Man wollte einer von ihnen sein. Heute ist das Fernsehprogramm voll von Verachtungs-Formaten. Es werden asoziale, furchtbare Leben gezeigt. Beim Zuschauen fühlt man sich nur schlecht, und es wird uns als Realität verkauft. Beim Zuschauen bekommt man heute ein Gefühl von „Das möchte ich nicht erleben“ und denkt nicht wie früher „Das will ich auch“. Früher hat man hingeschaut, heute schaut man weg.

Das Fernsehen geht Ihrer Meinung nach also den Bach runter?

Fernsehen wird es zum Glück immer geben. Manchmal habe ich auch einen Mini-Hoffnungsschimmer. Aus den USA oder aus England etwa kommt fantastisches Material, es gab noch nie so gute Serien. In Deutschland bleiben wir leider hinter unseren Möglichkeiten. Hier gilt es, den Sendeplatz mit möglichst wenig Geld zu füllen. Solange es aber etwas gibt, das man sich herauspicken kann, schaue auch ich noch weiter Fernsehen - meist allerdings aus beruflichen Gründen.

Über die miesen deutschen TV-Formate machen Sie sich seit mehr als 20 Jahren in Ihrer „Mattscheibe“ lustig. Um die schlechtesten Filme aller Zeiten geht es in Ihrer Sendung „SchleFaZ“ auf Tele 5. Warum müssen wir diese Filmverbrechen noch einmal durchleiden?

Das ist quasi betreutes Fernsehen. All diese Filme haben uns damals schon irgendwie verstört, aber heute wissen wir warum. Und genau das analysiere ich mit meinem Kollegen Peter Rütten. Es gibt zu jedem Film eine Einleitung, wir sprechen nach jeder Pause über Highlights und Besonderheiten, es gibt Einblendungen und immer neue Cocktail-Rezepte. Denn in gewisser Weise muss man sich diese Filme auch schön saufen - daraus ist mittlerweile ein großes Party-Event bei unseren Fans geworden. Es macht irrsinnig viel Spaß!

Apropos Events - besuchen Sie ab und zu auch mal Veranstaltungen in Peine?

Mit meinem Kollegen Dietmar Wischmeyer war ich vor Jahren auch schon zusammen auf dem Eulenmarkt. Da waren wir gerade in der Nähe unterwegs. Ich bin mindestens einmal im Jahr in Peine, da ich dort auch ein Patenkind und Freunde habe. Ich würde gern viel öfter die Stadt besuchen, vor allem zum Freischießen würde ich gern mal wieder kommen. Aber wenn ich da bin, bin ich immer wieder erstaunt, wie gut sich Peine gemacht hat. Das hab ich auch allen lobend erzählt.

Inwiefern hat sich Peine entwickelt?

Es wird viel versucht, es gibt neue Gebäude und Geschäfte, das Gewerbegebiet ist gewachsen. Wenn ich in der Fußgängerzone unterwegs bin, sieht vieles aus wie früher, aber es ist renoviert und frisch gemacht. Es ist wichtig, dass Städte nicht verfallen. Nur beim ehemaligen Karstadt-Haus, der heutigen Hertie-Brache, muss etwas passieren. Da war ich sehr erschrocken.

Und was ist Ihre lustigste Erinnerung an die Zeit in Peine?

Peine ist die einzige Stadt, in der Cappuccino mit Sprühsahne serviert wird. In Münster, wo ich studiert habe, trank ich dann meinen ersten richtigen Cappuccino und war erstaunt. Später habe ich das nochmal in Peine getestet und vor dem Bestellen hab ich gefragt, ob es auch ein richtiger Cappuccino sei. Die Antwort war: „Ja ja, das ist ein richtiger Cappuccino - Kaffee mit Sprühsahne.“

Interview: Janine Kluge

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Stadt Peine

Lesen Sie alles rund um das traditionsreiche Peiner Fest. mehr

Rückbau auf dem Telgter Elmeg-Gelände
Veranstaltungen

Welche Veranstaltungen und Termine gibt es im Peiner Land? In unserer Datenbank finden Sie alle Infos. mehr

Sudoku

Das Zahlenrätsel Sudoku in verschiedenen Schwierigkeitsgraden

Kinoprogramm

Jeden Donnerstag neu: alle Filmstarts in Peine und Umgebung