Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 7 ° Regen

Navigation:
Neujahrsempfang: Thema Flüchtlingspolitik

Peine Neujahrsempfang: Thema Flüchtlingspolitik

Peine. Die aktuelle Flüchtlingspolitik von Bund und Ländern stellt die Stadt Peine vor immer neue Herausforderungen. Bis Ende September müssen in der Fuhsestadt weitere 233 Flüchtlinge untergebracht werden. 

Voriger Artikel
KiP macht Kunst und Kultur sichtbar
Nächster Artikel
42 Einsätze der Feuerwehr Stederdorf

Beim Neujahrsempfang der Stadt Peine (v.l.): Dietmar Meyer, Friedhelm Mann, Michaela Eckardt, Bernd-Detlef Mau,  Heiner Zieseniß und Christian Axmann.

Quelle: mic

In seiner Rede beim Neujahrsempfang der Stadt Peine machte Bürgermeister Michael Kessler gestern Abend deutlich, welche Probleme auf die Stadt hinsichtlich der Unterbringung zukommen - und stellte gleichzeitig sein Krisen-Konzept vor, das unter anderem die Einrichtung eines Arbeitskreises vorsieht. Kessler begrüßte zum Empfang 220 Gäste im Rathaus.

Als Thema, das die Welt bewegt hat, griff Kessler eingangs die Demonstration am Sonntag mit vier Millionen Teilnehmern nach dem Attentat in Paris auf, die er als „großartiges Bekenntnis zu unseren europäischen Werten“ und als Beleg dafür wertete, „dass wir uns durch Terror nicht zu Zugeständnissen in der Meinungsfreiheit zwingen lassen werden.“

Nach der Begrüßung der Gäste kam das Stadtoberhaupt gleich zum Thema: „Die wohlhabenden Staaten Europas und damit auch Deutschland werden derzeit von einer Flüchtlings- und Zuwanderungswelle erfasst, die weit über das hinausgeht, was wir in den letzten Jahrzehnten erlebt haben.“

Neujahrsempfang der Stadt Peine 2015

Zur Bildergalerie

Für die bis September avisierten 233 Flüchtlinge stünden trotz weitreichender Neuplanungen nur teilweise Unterkunftsmöglichkeiten zur Verfügung. Hinzu kämen etwa 25 Folgeanträge. Dies sei für die Stadt auch eine finanzielle Herausforderung. Kessler: „Wir fühlen uns dabei vom Bund im Stich gelassen. Damit sind die Kommunen überfordert. Wohlbemerkt: Unsere Aufgabe ist formal die Unterbringung, aber damit darf es doch nicht getan sein.“

Es bedürfe doch einer intensiven Betreuung der hier Gestrandeten. Kriegsflüchtlinge könnten nicht einfach mit ihren Traumatisierungen alleine gelassen werden. Kessler erklärte: „Ich möchte die gesellschaftlich relevanten Protagonisten wie den Landkreis, die Kirchen und die Verbände zusammenbringen, um zu beraten, wie wir die ehrenamtlichen Ressourcen in unserer Bevölkerung nutzen können. Es habe bereits erste Gespräche gegeben und in Kürze sei ein Treffen geplant. Kesslers Idee ist, für jeden Flüchtling eine Lösung und Unterstützung zu finden. Kindern soll vor allem durch Sprachförderung geholfen werden.

Andersherum gebe es auch eine gewisse Erwartungshaltung an die Flüchtlinge: „Wenn es sprachlich irgend geht, erwarte ich ernsthaftes Bemühen nach drei Monaten eine Arbeit aufzunehmen - gerade auch weil diese stark integrierend wirkt und zwar auf vielen Feldern. Wenn wir alles mit Liebe zudecken, ist beiden Seiten nicht gedient. Integration ist und bleibt ein langwieriger Weg mit vielen Holper- und Stolpersteinen - ich weiß wovon ich rede.“

Rede von Herrn Bürgermeister Kessler anlässlich des Neujahrsempfangs der Stadt Peine am 12.01.2015

Gestern in Paris: das war für mich ein großartiges Bekenntnis zu unseren europäischen Werten und eine Demonstration dafür, dass wir uns durch Terror nicht zu Zugeständnissen in der Meinungsfreiheit zwingen lassen werden –

Je suis Charlie !

Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, verehrte Gäste,

ich möchte Ihnen allen, vor allem jenen, denen ich in den vergangenen Tagen noch nicht persönlich begegnet bin, alles Gute für das Jahr 2015 wünschen.

Mögen sich viele Ihrer Wünsche erfüllen, neue Ziele und neue Wege eröffnen und die Gesundheit soll Ihnen die Verwirklichung Ihrer Vorhaben ermöglichen.

Ich habe mich über die große Zahl der Anmeldungen zum diesjährigen Neujahrsempfang gefreut und möchte Sie hierzu alle begrüßen.

Besonders herzlich willkommen heißen darf ich auch wieder eine Reihe von Ehrengästen, wobei Sie mir sicherlich nachsehen, wenn ich nur einige namentlich nenne.

Ich begrüße, die Ehrenringträgerin Anna Margret Janovicz.

Willkommen heiße ich auch die Ehrenringträger Rudolf Kühn, Heinz Möller, Prof. Dr. Günter Geisler sowie Hans-Peter Härke.

Als Vertreter des Landkreises Peine heiße ich Herrn Landrat Franz Einhaus ganz herzlich willkommen und mit ihm auch die anwesenden Kreistagsabgeordneten.

Ich freue mich, dass im Jahr des 25. Jubiläums unserer Partnerschaft Frau Ria Uhlig, die Stellvertreterin des Oberbürgermeisters von Aschersleben, angereist ist.

Herzlich willkommen heißen möchte ich auch Frau Cornelia Rohse-Paul als Vertreterin für den Oberbürgermeister von Braunschweig Ulrich Markurth und meine anwesenden Bürgermeister-Kollegen aus dem Landkreis, Gerd Albrecht aus Wendeburg, Frank Bertram aus Edemissen, Lutz Erwig aus Hohenhameln, Hans-Hermann Baas aus Lengede und Ralf Werner aus Vechelde. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit in etwas anderer Besetzung, wobei ein „Unbekannter“ aufgrund der Fusion von Ilsede und Lahstedt nach dem 12. April 2015 noch hinzukommen wird.

Zum diesjährigen Neujahrsempfang darf ich daher den Interimsbürgermeister Otto-Heinz Fründt begrüßen, der zurzeit die Geschicke der neuen Gemeinde Ilsede leitet.

Ich begrüße Matthias Möhle als Mitglied des Nds. Landtages, alle anwesenden Ratsmitglieder und die zahlreichen Vertreter aus Wirtschaft, Handwerk und Kaufmannschaft.

Besonders möchte ich von der Peiner Träger GmbH den Vorsitzenden der Geschäftsleitung Dr. Roger Schlim und den Technischen Geschäftsführer Stephan Lemgen begrüßen.

Herzlich willkommen heiße ich auch die Vertreter der Kirchen und der Medien - sowie meinen Amtsvorgänger, Herrn Udo Willenbücher.

Das Leben gibt jedem von uns einen Anfangs- und einen Endpunkt vor, aber die Kommas müssen wir selber setzten. Ich wünsche Ihnen, dass Sie Ihre Kommata im nächsten Jahr richtig setzen.

Sehr geehrte Damen und Herren,

Die wohlhabenden Staaten Europas und damit auch Deutschland werden derzeit von einer Flüchtlings- und Zuwanderungswelle erfasst, die weit über das hinausgeht, was wir in den letzten Jahrzehnten erlebt haben – ein Ende ist nicht in Sicht.

Es sind nicht nur Kriegsflüchtlinge und damit klassische Asylbewerber, sondern auch Wirtschaftsflüchtlinge. Und es sind vor allem – auf diese Differenzierung komme ich noch – ausgebildete Migranten, die hier Arbeit gefunden haben.

Für etliche in unserer Gesellschaft ist dieses vielkulturelle Moment, das in Europa entsteht, noch gewöhnungsbedürftig.

Die Ältesten unter uns haben die Flüchtlingswelle aus dem Osten nach dem verlorenen Krieg noch im Gedächtnis, oder als Kind erlebt – diese vielen Flüchtlinge zu integrieren war wahrlich kein Zuckerschlecken – weder für die Flüchtlinge, die ja Hab und Gut verloren hatten und sich mit „nichts“ auf den beschwerlichen Weg machen mussten, noch für die Aufnehmenden, die Essen und Raum plötzlich teilen sollten.

Wir wohlhabenden Anwesenden dürfen uns gerne einmal ausmalen, was es bedeutet, wenn wir von heute auf morgen die Hälfte unserer Häuser räumen müssten. Damals ging es zudem um die Integration von Schlesiern oder Pommern, nicht um Migranten aus aller Herren Länder.

Viele verschiedene Ethnien auf einem Raum – da fällt meiner Generation als Jugenderlebnis meist New York ein, das uns als Schmelztiegel der Völker begegnete. Gehe ich heute durch die Innenstadt von Frankfurt am Main, so ist das Bild nicht anders als vor 40 Jahren in New York.

Die heranwachsende Jugend ist bereits global unterwegs – Studienjahre in Australien, Neuseeland, Südafrika oder Osteuropa sind keine Seltenheit mehr und diese Jugend hat weit weniger Fremdheitsgefühl in der Begegnung mit anderen Völkern.

Nebenbei: Verschmelzung und Vermischung gab es auch in früheren Zeiten. Kulturen standen oft nebeneinander – denken Sie nur einmal an den Nahen Osten, wo sich Griechen, Römer, Mongolen und Türken abwechselten und in den Übergangsphasen befruchteten.

Man lernte voneinander, denn niemals kann eine Kultur allein das Seligmachende darstellen.

Ja, die Schmelztiegel früherer Zeiten waren oft Hochburgen – Hochburgen der kulturellen und wirtschaftlichen Entwicklung.

Erst wenn man aus dem Muff der eigenen Betrachtungsmöglichkeit herauskam, erkannte man, was es sonst noch gab auf der Welt:

Die Kreuzritter auf ihrem Weg nach Jerusalem sahen in Konstantinopel erstmalig eine Großstadt und kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus und dann durften sie später – nach Ankunft im Heiligen Land - noch von den Muslimen lernen, dass es hygienisch sehr vernünftig ist, wenn man sich regelmäßig wäscht.

Oder nehmen Sie mittelalterliche Schmelztiegel wie Krakau, wie Czernowitz in Südmähren oder andere galizische Städte, die unter der Habsburger Monarchie aufblühten und in denen alle Religionen, alle Kulturen voneinander profitierten und friedlich nebeneinander standen, einschließlich der jüdischen, was ich wegen der späteren Verfolgungen bewusst betone.

Ich habe mich immer gewundert, wie Politiker hierzulande sich gegen das vermeintlich böse „Multi-Kulti“ stemmten – Politiker, die die humanistische Bildung propagierten, aber offenbar ahnungslos waren über die eigene europäische Vergangenheit mit ihren großen multikulturellen Hochburgen.

Nach diesem kleinen historischen Exkurs…..zurück nach Peine:

Wir müssen mit weiterem großen Zuwachs rechnen und dafür die nötigen Mittel im Haushalt bereitstellen.

Ich rechne nicht mit schnellen finanziellen Lösungen im Sinne der Kommunen, weil die Bundespolitik dieses Thema in seiner Tragweite nur sehr schleppend erkennt oder aus finanziellen Gründen nicht erkennen will.

Konkret heißt das für die Stadt Peine:

Uns sind bis 30.9. diesen Jahres weitere 233 Flüchtlinge avisiert worden, für die wir bislang – trotz weitreichender Neuplanungen – nur teilweise Unterkunftsmöglichkeiten haben. Hinzu kommen erfahrungsgemäß Folgeanträge in einer Größenordnung von ca. 25 Personen.

Die Erfahrung der jüngsten Zeit lehrt, dass es bei dieser Zahl nicht bleiben wird. Wir müssen und werden das schaffen und ich möchte in diesem Zusammenhang meinen Dezernenten Friedhelm Seffer loben, der zu beachtlicher Kreativität gefunden hat - auch weil er die Stadt und alle ihre Ecken seit Jahrzehnten bestens kennt.

Wir versuchen immer mehr Flüchtlinge dezentral unterzubringen, was grundsätzlich eine vernünftigere Basis für Integration darstellt als ein Lager für alle, auch wenn letzteres natürlich leichter zu verwalten ist.

Zusammen mit den Obdachlosen, für die wir auch Sorge zu tragen haben, muss dann Platz für rd. 500 Menschen geschaffen werden. Das ist zweifellos eine große Herausforderung für uns und ich sage klar, dass wir uns bundesseitig im Stich gelassen fühlen. Damit sind die Kommunen überfordert.

Wohlbemerkt: unsere Aufgabe ist formal die Unterbringung, aber damit darf es doch nicht getan sein.

Es bedarf doch einer intensiven Betreuung der hier Gestrandeten – alles andere ist doch halbe Sache.

Die Kriegsflüchtlinge speziell können doch mit ihren Traumatisierungen nicht alleine gelassen werden.

Dafür gibt es aber keine Sozialkräfte.

Lassen Sie mich zu dem Thema ein offenes Wort finden, auch wenn ich weiß, dass in diesen Tagen der Diskussion um Aufnahmekapazitäten und Pegida ein offenes Wort schnell zur Falle werden kann.

Aber nach der Ansage von Papst Franziskus vor der römischen Kurie – wohl eine der besten Reden, die in den letzten 2000 Jahren in der katholischen Kirche gehalten wurde – fühlt man sich ein wenig zu deutlichen Worten ermuntert.

Interessantes Gedankenspiel in dem Zusammenhang: Wäre dieser Papst im 15. Jahrhundert am Ruder gewesen, würden wir 2017 vielleicht kein Reformationsjubiläum feiern.

Doch das nur am Rande:

Ich möchte das Thema „Flüchtlinge“ nicht mit dem großen Mantel der Willkommenskultur zudecken wie das derzeit viele Bundespolitiker tun – dies verkennt m.E. die Probleme und auch die Empfindungen in der Bevölkerung.

Ich habe schon den Eindruck, dass unsere Gesellschaft ein anderes Verständnis gegenüber Asylbewerbern hat als vor 20 Jahren. Ich glaube aber, dass dieses Verständnis sich aufspaltet in ein großes Verständnis für die Kriegsflüchtlinge, die dem Bombenterror entkommen sind und in ein weniger großes Verständnis für die Wirtschaftsflüchtlinge, wenn diese als Asyl-Bewerber aus sicheren Herkunftsländern einreisen.

Und genau da liegt die Unlogik der Bundespolitik:

Der Bund hat bezüglich einiger Länder wie Bosnien, Serbien, Mazedonien klare Regeln geschaffen (von dort kann man nicht als Asylbewerber kommen), aber er setzt sie nicht um.

Natürlich sind nächtliche Abschiebungen nicht menschenwürdig, aber es überzeugt mich auch nicht, wenn als juristische Konsequenz freundlich gebeten wird, das Land zu verlassen und die Betroffenen tun es nicht und dann lässt man sie halt in den Kommunen.

Ich würde an deren Stelle auch nicht freiwillig ausreisen und alle Möglichkeiten nutzen hier zu bleiben.

Nicht zu Unrecht ist unser Land von außen gesehen sehr reich und das wissen diese Menschen und wenn sie dann womöglich noch lesen, dass wir ein Drittel unserer Lebensmittel wegwerfen, so muss doch der Eindruck eines unvorstellbaren Überflusses entstehen – an diesem üppig gedeckten Tisch macht man solange Klimmzüge bis man mit am Tisch sitzt. Das ist nachvollziehbar.

Und dass ein so attraktives Sozialsystem auch Menschen anzieht, die nur deshalb kommen, ist auch klar, aber damit meine ich keinesfalls die Kriegsflüchtlinge.

Also muss die Politik – das kann und darf die Stadt nicht – dafür sorgen, dass diejenigen, die keinen Anspruch auf Asyl haben, entweder gar nicht einreisen dürfen oder danach das Land wieder verlassen.

Wir haben derzeit einen recht hohen Prozentsatz an abgelehnten Asylbewerbern aus Kroatien und Serbien in Peine. Für diese und noch weitere von dort kaufen wir jetzt Häuser oder bauen Unterkünfte und danach gehen die wieder und wir haben umsonst gekauft oder hat die Bundes- und Landespolitik im Hinterkopf, dass die lange bleiben, obwohl sie nicht bleiben dürfen?

Noch etwas anderes ist wichtig, weil es immer völlig durcheinander geht: diejenigen Migranten, die nicht als Asyl-Bewerber in den letzten Jahren zu uns gekommen sind, waren und sind in der Tat wichtig für unsere vom demografischen Prozess gebeutelte Gesellschaft. Es sind Migranten aus europäischen Länder, deren Arbeitslosigkeit besonders hoch ist.

Das sind Menschen, die gerne arbeiten wollen – wenn sie nicht sogar schon aufgrund einer erfolgreichen Bewerbung hierher gerufen wurden. Das sind Migranten, die in den letzten Jahren unsere prognostizierten Einwohnerzahlen über den Haufen geworfen haben. 2013 waren es insgesamt 450.000 ( Auswanderer bereits abgezogen ), die – wie Herbert Brückner vom Nürnberger Institut für Arbeitsmarktforschung bemerkte – von der breiten Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt zu uns kamen - übrigens hochprozentig aus christlich-abendländisch geprägten Ländern von Polen über Rumänien, Italien und Spanien. Von wegen Islamisierung.

Wie lange sie bei uns bleiben, hängt davon ab, wie gut wir sie integrieren bzw. wie ihre beruflichen (Aufstiegs)-Chancen sind. Sie sind weitgehend qualifiziert, senken unser hohes Durchschnittsalter und tragen zum Bruttosozialprodukt bei. Viele haben bereits erklärt, dass sie bleiben wollen, weil sie an die Zukunft ihrer Heimatländer nicht so recht glauben. Diesen Heimatländern laufen damit übrigens die besten Kräfte weg wie der deutschstämmige neue Präsident von Rumänien, Klaus Johannis, gerade erklärt hat.

Ob die echten Asylbewerber, die Kriegsflüchtlinge, auch zu einem Arbeitspotential werden, kann man heute hingegen noch nicht sagen – das darf angesichts ihres brutalen Schicksals auch nicht im Vordergrund der Betrachtung stehen.

Wir wollen ihnen aber nicht nur neue Heimat sein, sondern ihnen auch helfen, sich hier zurecht zu finden. Und das ist mit nackter Unterbringung eben nicht getan.

Sie sehen, meine Damen und Herren, die Dinge sind komplex. Genau deshalb benötigen wir klare Regeln und Kompetenzen.

Deutschland ist gerade wegen seines Arbeitskräftemangels zum zweitgrößten Einwanderungsland der Welt geworden und deshalb brauchen wir dringend ein Einwanderungsgesetz.

Ich bin dem Generalsekretär der CDU, Herrn Tauber, geradezu dankbar, dass er diesen Gedanken aufgegriffen und in seine Partei getragen hat, deren Spitze sich trotz interner Widerstände gestern positiv dazu positioniert hat.

Dies ist jetzt die Chance, im Rahmen der Großen Koalition in dieser Periode ein solches Gesetz auf die Schiene zu bringen.

Wir brauchen klare Regeln, wer kommen darf und wer nicht.

So hart das klingt – dies ist die einzig realistische Variante.

Die von mir aufgezeigten Differenzierungen sind nicht Sache der Pegida-Demonstranten in Dresden. Sie rühren mit dumpfen Parolen eine große fremdenfeindliche Suppe an. Die Kanzlerin hat dazu klare Worte gesprochen.

Trotzdem müssen wir sie genau beobachten, denn
sehr schnell können Ereignisse in eine breitere
Fremdenfeindlichkeit umschlagen, die auch unseren
bislang erfolgreichen Weg der Integration der seit
langem hier lebenden Migranten beeinträchtigen könnte.

Die hiesigen muslimischen Vertreter in Peine haben gerade
in der Presse ein eindrucksvolles Bekenntnis zu unserer
Gesellschaft abgelegt – ich habe mich über Ihre klaren
Worte gefreut, Herr Tatli, und dass Sie trotz eines anderen
wichtigen Termins heute Abend demonstrativ gekommen
sind.

Was uns zu denken geben muss – trotz aller unstreitigen
Demonstrationsfreiheit – ist die Sprache der Pegida-
Anhänger: diese Sprache – Stichwort „Lügenpresse“ – ist die
Sprache der Nazis.

Diese Sprache hat in Deutschland nichts mehr verloren.

Die Pegida-Anhänger erscheinen mir nicht belehrbar, sie
scheinen geprägt von einer sehr eingeengten
Sichtweise und ich fürchte, es ist vergebene Liebesmüh, sie
argumentativ mitzunehmen.

Aber wir müssen aufpassen, dass sich deren schlichte Parolen nicht in unseren Wahlergebnissen niederschlagen.
Das Anbiedern der AfD an diese Gruppe ist besonders verwerflich.

Zurück zu unseren Flüchtlingen:

Deren Betreuung vor Ort ist für das weitere Fortkommen dieser Menschen entscheidend und auch für uns wichtig.

Wie erwähnt, kann das eine Stadt nur bedingt leisten.

Ich möchte daher die gesellschaftlich relevanten Protagonisten zusammenführen – als da sind der Landkreis, die Kirchen, die Verbände, um zu beraten, wie wir die ehrenamtlichen Ressourcen in unserer Bevölkerung nutzen können.

Ich habe bereits mit mehreren, auch heute Abend anwesenden verantwortlichen Personen telefoniert – wir werden uns in Kürze treffen.

Wie kann Hilfe aussehen?

Wir werden ganz sicher keinen pauschalen Aufruf starten, alles Mögliche an Gegenständen zu spenden, die Grundversorgung ist ja gewährleistet. Hier zeigt die Erfahrung aus anderen Städten, dass dies schwer zu „handeln“ ist – ich spreche das ganz offen an: viele Menschen haben gute Absichten, bringen aber Dinge vorbei, die sie wahlweise schon lange los werden wollten und von denen sie glauben, dass die Flüchtlinge sie sicher noch gut gebrauchen könnten – aber das wurde in manchen Städten richtig chaotisch und viele städtische Hände mussten aussortieren und dann doch wieder wegwerfen, weil nicht verwendbar.

Zunächst einmal werden wir schauen, wer uns konkret zugewiesen wurde – der Bund ist ja nicht einmal in der Lage, uns Informationen über die Flüchtlinge zu liefern - welcher Lebenslauf, welche Ausbildung und und und – erst daraus lassen sich Fördermöglichkeiten entwickeln.

In jedem Fall werden wir vor allem die Kinder sprachlich stark aufrüsten, damit sie die Schule besuchen können.

Es gibt in dieser Gesellschaft genügend Hilfsbereitschaft, davon bin ich überzeugt – wir müssen sie nur kanalisieren und das will ich durch diesen Arbeitskreis erreichen – auch wenn ich weiß, dass genau diese Koordinierung Geld kosten wird – nur es kostet uns viel mehr Geld, wenn wir die Dinge treiben lassen, denn das Thema wird uns nach jahrelang begleiten. Es lassen sich Ressourcen heben – davon bin ich überzeugt.

Das wird nicht einfach und das wird nicht reibungslos laufen.

Es geht aber auch nicht nur um Hilfe, sondern ich habe auch eine Erwartungshaltung an die Flüchtlinge.

Wenn es sprachlich irgend geht, erwarte ich das ernsthafte Bemühen nach 3 Monaten, eine Arbeit aufzunehmen – gerade auch weil diese stark integrierend wirkt und zwar auf vielen Feldern.

Diese Erwartungshaltung muss vermittelt werden, ich lasse diese Rede gegebenenfalls übersetzen.

Wenn wir alles mit Liebe zudecken, ist beiden Seiten nicht gedient. Integration ist und bleibt ein langwieriger Weg mit vielen Holper- und Stolpersteinen – ich weiß wovon ich rede.

Zusammenfassend:

Diejenigen, die keinen Anspruch auf Asyl haben, müssen wieder gehen.

Die hunderttausende von Migranten, die pro Jahr derzeit zu uns kommen, sind nicht nur als Arbeitskräfte herzlich willkommen.

Und um die Kriegsflüchtlinge, die uns vermutlich nicht schnell wieder verlassen werden, werden wir uns kümmern – das ist einerseits eine christliche und menschliche Verpflichtung und andererseits eine Chance – für beide Seiten.

Dieser Verantwortung wird sich die Stadt nicht entziehen und ich persönlich auch nicht.

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

dem römischen Philosophen Cicero wird der Ausspruch zugeschrieben: „Keine Schuld ist dringender als die, Dank zu sagen.“ Ich möchte dieses Zitat ein wenig umwandeln und zu dem heutigen Anlass aktualisieren. Ich halte keine Schuld für dringender, als denjenigen Dank zu sagen, die sich ehrenamtlich und unentgeltlich für ihre Mitmenschen und unsere Gesellschaft engagieren.

Den besonderen Rahmen des Neujahrsempfangs nutzen wir daher alljährlich, um verdienten Personen zu danken und mit dem Bürgerpreis, dem Bodenstedt-Preis und dem Integrationspreis zu ehren.

Mit dem Bürgerpreis der Stadt Peine werden Personen geehrt, die sich langjährig um die Vertretung der Interessen ihrer Kolleginnen und Kollegen verdient gemacht haben. Außerdem wird der Bürgerpreis für ein ehrenamtliches Engagement im sozialen Bereich an Personen verliehen, die sich in besonderer Weise um das Gemeinwohl und ihre Mitmenschen ehrenamtlich verdient gemacht haben.

Diesen Menschen, die ohne jeglichen Eigennutz und ohne Streben nach persönlicher Anerkennung ihre Zeit geben, um anderen Menschen helfend zur Seite zu stehen, gebührt besonderer Dank.

Ich freue mich, dass ich heute stellvertretend für viele, vier dieser ehrenamtlich tätigen Peiner würdigen darf.

Mit dem Bodenstedt-Preis ehrt die Stadt Peine heute eine Person für ihr besonderes Engagement im künstlerischen oder kulturellen Bereich.

Nicht zuletzt ehrt die Stadt Peine heute jemanden für seine stetigen Bemühungen um die Integration und die Gleichberechtigung von Einwohnern mit Zuwanderungsbiografie und die Förderung des Miteinanders von Menschen unterschiedlicher Herkunft mit dem Integrationspreis.

Alle geehrten Personen erhalten eine Urkunde, einen mit 250,--€ dotierten Geldpreis sowie einen Blumenstrauß.

Zum Ablauf der Ehrung darf ich darum bitten, dass sich die Angesprochenen zu mir nach vorn begeben, sobald ich ihren Namen nenne.

Kommen wir also nun zu den Ehrungen des heutigen Abends. Hierfür bitte ich für einige Minuten um ihre ungeteilte Aufmerksamkeit.

Anfangen möchte ich mit der Verleihung des Bürgerpreises der Stadt Peine an einen Peiner, der seit dem 01.02.1973 beim MTV Vater Jahn Mitglied ist. Den größten sportlichen Erfolg erlebte er mit seiner Jugendmannschaft vor 30 Jahren, als die männlichen A-Jugend bei der Bezirksmeisterschaft aufgestiegen ist. Sehr geehrte Damen und Herren, die Rede ist von Hubertus Hahn.

Herr Hahn, Sie waren Mannschaftsführer beim MTV Vater Jahn in der Saison 1989/1999, als Ihre Mannschaft bei der Meisterschaft in der Bezirksklasse Mitte gewann und damit den Aufstieg in die Bezirksklasse schaffte.

Im Sommer 1999 erwarben Sie die C-Lizenz in der Sparte Handball. In der Zeit vom 01.08.1999 bis zum 31.05.2003 haben Sie die weibliche Jugend des MTV-Vater Jahn Peine trainiert.

Bei der Rückserie der Saison 2003/2004 zogen Sie dann allein die Fäden bei der weiblichen A-Jugend in der Oberliga, immerhin belegten die damals den 3. Platz.

Von 1997 bis 2000 waren Sie innerhalb des MTV Vater Jahn als Sozialwart tätig. Mitglied im Kollegium des Vereins sind Sie seit 1997, Zugführer des 3. Zuges seit 1999.

Nach einer Verletzung im Mai 2006 sind Sie eine Zeit lang als aktiver Sportler ausgefallen. Als Trainer waren Sie in der Saison 2008/2009 wieder im Einsatz. Auch als aktiven Handballer in der 2. Herren in der 1. Regionalklasse West konnte man Sie wieder auf dem Spielfeld finden.

Am 25.03.2011 haben Sie die silberne Ehrennadel des MTV Vater Jahn Peine erhalten und am 29.10.2011 wurde Ihnen die Peiner Rose durch den Bundestagsabgeordneten Hubertus Heil und den Landtagsabgeordneten Matthias Möhle verliehen. Darüber hinaus haben Sie im Rahmen der Feierlichkeiten bei der 150 Jahr Feier des MTV- Vater Jahn am 02.06.2012 die Silberne Ehrennadel des Kreis-Sport-Bundes Peine e.V. und die Bronzene Ehrennadel des Handball-Verband-Niedersachsen erhalten.

Das Amt des stellvertretenden Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft Peiner Sportvereine bekleiden Sie seit dem 01.12.2012.

Herr Hahn, in Anerkennung Ihrer Verdienste möchte ich Sie heute, auf Vorschlag der Arbeitsgemeinschaft Peiner Sportvereine e.V., mit dem Bürgerpreis der Stadt Peine ehren.

(Überreichen des Geldpreises, des Blumenstraußes und der Urkunde.)

Den Bürgerpreis der Stadt Peine darf ich zudem an Rolf Skazel verleihen, einem Peiner, der sich auf gewerkschaftlicher Ebene seit Jahrzehnten für seine Kollegen und Kolleginnen eingesetzt hat.

Herr Skazel, seit 01. August 1978 sind Sie beim Landkreis Peine beschäftigt und seit 01. August 1980 stehen Sie im Beamtenverhältnis bei Ihrem Dienstherren. Über 20 Jahre gehören Sie dem Personalrat des Landkreises an und ab dem 01. Mai 2008 waren Sie in der Funktion des Vorsitzenden des Gesamtpersonalrates sowie stellvertretenden Vorsitzenden des örtlichen Personalrates tätig.

Es wird immer mehr von Politikverdrossenheit, fehlenden Kräften in der Ehrenamtlichkeit oder Mitgliederschwund bei den Gewerkschaften gesprochen. Sie sind mit Ihrem Vorstand angetreten, um dem entgegenzuwirken.

Der Komba-Gewerkschaft, Kreisgruppe Peine, gelang es im Laufe dieser Zeit immer deutlicher, auch als allgemeine Interessenvertretung der in der Kommunalverwaltung arbeitenden Kolleginnen und Kollegen anerkannt zu werden.

In der Zeit Ihres Schaffens und Wirkens hat es der Komba-Kreisverband Peine von anfangs 35 Mitgliedern in den letzten Jahren auf aktuell über 450 Mitglieder - im Wesentlichen abhängig Beschäftigte der Stadt- und Kreisverwaltung Peine - zu einem der Mitgliederstärksten Niedersächsischen Verbände geschafft.

Ihre Weitsicht sowie Ihre sachliche und gleichzeitig einfühlsame Arbeit haben dazu beigetragen, Anerkennung in der Mitgliedschaft zu gewinnen.

Verlässlichkeit und die Nähe zum Kollegen oder der Kollegin zeichnen Sie aus. Sie haben hierfür ein äußerst motiviertes Team von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern um sich geschart, die für die Gewerkschaftssache einstehen.

Hervorzuheben ist auch Ihre Ansprache der jungen Kolleginnen und Kollegen. Unter Ihrem Vorsitz ist Ihnen eindrucksvoll gelungen diese jungen Menschen für Gewerkschaftsarbeit und für ein soziales Miteinander zu interessieren. Mehr als 30% der Mitglieder der Komba Gewerkschaft im Landkreis Peine sind jünger als 27 Jahre und gehören somit zum Jugendbereich.

Die Vertretung der Interessen der Beschäftigten ist gleichwohl in Ihrer Agenda wiederzufinden. Als Gewerkschaftsvertreter haben Sie sich für die Aufgaben und Ziele höhere Löhne, besserer Arbeitsbedingungen, mehr Mitbestimmung, für Arbeitszeitverkürzungen und teilweise auch für weitergehende Gesellschaftsveränderung eingesetzt.

Herr Skazel, in Anerkennung Ihres langjährigen Einsatzes für die Vertretung der Interessen Ihrer Kolleginnen und Kollegen überreiche ich Ihnen den Bürgerpreis der Stadt Peine.

Der letzte heute zu verleihende Bürgerpreis geht an den 1. Vorsitzenden des Kreisheimatbundes Peine, Herrn Dr. Ralf Holländer.

Herr Dr. Holländer, Sie sind nunmehr seit fast zwanzig Jahren 1. Vorsitzender des Kreisheimatbundes Peine e.V.. Damit sind Sie seit zwei Jahrzehnten eine der gewichtigsten Stimmen und Ansprechpartner in allen Fragen rund um die Heimatgeschichte von Stadt und Landkreis Peine. Zu Ihren wichtigsten Interessen zählen Stadtgeschichte, Baudenkmalpflege und Baukultur.

Entsprechend Ihrem Selbstverständnis erstreckt sich der Wirkungskreis des Kreisheimatbundes von der Archäologie bis zur neusten Geschichte unserer Stadt. Dabei beziehen Sie, als Repräsentant des KHB, in aktuellen öffentlichen Debatten auch Stellung zu Abriss- und Neubauprojekten. Konstruktive Beiträge und Objektivität sind stets Ihr Ziel, auch wenn erfreulicherweise Ihre Beiträge im Einzelfall durchaus kritisch und deutlich ausfallen.

Sie beteiligen sich an zahlreichen Aktivitäten, von der Architektenrunde bis zum Peiner Freischießen, weil Ihnen die gesellschaftspolitische Vernetzung wichtig ist. Sie haben erkannt, dass es nur so möglich ist die spezifischen Anliegen des KHB zur Geltung zu bringen.

Als erster Vorsitzender des KHB organisierten Sie jedes Jahr eine hochkarätige Vortragsreihe mit vielen auswärtigen Referenten, die durchaus auch als Plattform für Heimatforscher des Landkreises dient.

Darüber hinaus wirkten Sie maßgeblich bei der Erstellung und Herausgabe der mittlerweile sechs Bände umfassenden Schriftenreihe des KHB mit, die thematisch vom Mittelalter bis zum Nationalsozialismus reicht.

In den letzten Jahren waren Sie außerdem in zahlreichen Projekten involviert. Dazu zählen

- die Beschilderungen im Burgpark, des jüdischen Friedhofs und des Synagogenplatzes.

- Die Mitwirkung bei den Feierlichkeiten zum 100jährigen Bestehen des Naherholungsgebietes Herzberg,

- die Erarbeitung eines Architektenführers und die Würdigung des Peiner Architekten Anton van Norden,

- die Beteiligung an der Erstellung des Kulturentwicklungsplanes Peiner Land

- sowie die Beteiligung am Projekt „Stolpersteine“ zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus.

Herr Dr. Ralf Holländer, in Anerkennung Ihrer Verdienste möchte ich Sie heute mit dem Bürgerpreis der Stadt Peine ehren.

(Überreichen des Geldpreises, des Blumenstraußes und der Urkunde).

Kommen wir nun zur Vergabe des Bodenstedt-Preises der Stadt Peine an Herrn Christof Pannes.

Herr Pannes, als Kantor des Kirchenkreises Peine der ev.-luth. Kirche haben Sie in den vergangenen Jahren großartige Arbeit geleistet. Neben dem großen Kirchenchor haben Sie einen speziellen Jugendchor ins Leben gerufen. Beide Ensembles werden intensiv durch Sie geschult und auf jährliche Konzerte mit Orchesterverstärkung vorbereitet. Diese Konzerte stellen Höhepunkte im kulturellen Leben unserer Stadt dar und werden von der Bevölkerung begeistert aufgenommen.

Sie stellen immer wieder unter Beweis, was man vor Ort erreichen kann und vor allem, welches künstlerische Niveau erzielt werden kann. Am Pult sind Sie nicht zu bremsen, jedes noch so verborgene Quäntchen stimmlicher Begabung können Sie aus jedem einzelnen des Ensembles locken, um es zu einem wunderbar klingenden großen Ganzen zusammenzuführen.

Ich erinnere mich an die Wiedereinweihung der großen Orgel in der St.-Jakobi-Kirche, nicht zuletzt durch Ihre Spielkunst wurde die Einweihung zu einem unvergesslichen Erlebnis. Die dargebotene Musik war so facettenreich, so dynamisch, voller Tempo - aber auch kontemplativ. Alle Kirchenbesucher waren in einem musikalischen Rausch, in einem Ausnahmezustand.

In Erinnerung geblieben ist mir auch das Wandelkonzert, bei dem Sie, Herr Pannes, den Platz an der Orgel in der St. Jakobi Kirche mit dem Kirchenmusiker Maximilian Buchberger tauschten. Sie durften in der Kirche zu den heiligen drei Engeln, der aus Chesterfield stammenden Orgel die typisch „englisch-romanischen“ Klänge entlocken, während ihr Amtskollege die „neo-barock“ klingende Orgel bespielen durfte.

Es ist schon ein Schatz, dass wir hier in Peine gleich zwei so tolle Orgeln haben, die in ihrer Qualität weit und breit einmalig sind.

Herr Pannes, Sie verstehen es, auch andere Menschen für die Orgel, für die „Königin der Instrumente“ zu begeistern. Allein durch das Einschalten des beeindruckenden Blasebalgs, der dann „atmet“ und sich langsam aufpumpt und so seine Spielbereitschaft signalisiert, sind Besucher in den Bann dieses mächtigen Instruments gezogen.

Für den Musikkurs einer zwölften Klasse haben Sie dem Blasebalg Leben eingehaucht, Sie haben eigens für diese Jugendlichen ein Stück von J.S. Bach gespielt und Ihnen natürlich auch dieses eindrucksvolle Instrument erläutert. Damit der Wissensdurst der Schüler noch weiter gestillt werden konnte, haben Sie das Ratsgymnasium besucht und standen den Interessierten hier Rede und Antwort.

Herr Pannes, unter Ihrer musikalischen Leistung erklang die Musik von Georg Friedrich Händel und Sebastian Bach im Rahmen des Radiogottesdienstes „Gottesklang“.

Neben ihrer umfassenden musikalischen Tätigkeit in Peine, arbeiten Sie als Dozent an der Musikhochschule in Hannover.

Ihre vielen nationalen und internationalen Kontakte und die Tätigkeit als Dozent wirken sich positiv auf die kulturelle Arbeit in Peine aus. Sie leben in Peine und bilden mit Ihrer Arbeit und Leistung eine Säule des lokalen und kulturellen Lebens.

Herr Pannes, in Anerkennung Ihrer Dienste, die Sie für das künstlerische und kulturelle Leben in der Stadt Peine erbracht haben, darf ich Ihnen heute den Bodenstedt-Preis überreichen.

Last but not least möchte ich nun Herrn Ekrem Kocak den Integrationspreis der Stadt Peine überreichen.

Herr Kocak, Sie wirken sowohl im Berufsleben, als auch im Sport kontinuierlich als Mittler zwischen den Kulturen. Sicher der Grund dafür, dass die Peiner Nachrichten Sie in einem Artikel als „Kulturdolmetscher“ bezeichneten.

Sie sind in Peine geboren und besitzen die deutsche Staatsangehörigkeit. Die Lehre zum Schlosser haben Sie bei den Peiner Trägern gemacht und bis heute sind Sie der Firma treu geblieben. Sie sind seit 24 Jahren Mitglied der IGM, hier sind Sie auch Mitglied im Migrantenausschuss. Seit 1998 sind Sie Vertrauensmann und seit 2004 Mitglied im Betriebsrat, für den Sie erstmals 1998 auf Wunsch von türkisch-stämmigen Kollegen kandidiert haben.

Eine Ausbildung zum Mediator haben Sie 2012 beim DGB gemacht.

Herr Kocak, seit Ihrer Einstellung nehmen Sie im Stahlwerk eine bedeutende Mittlerrolle ein, nämlich die des „Kulturdolmetschers“. Als Sie im Werk begannen, gab es viele Mitarbeiter, bei denen es mit der deutschen Sprache haperte. Sie fungierten als Dolmetscher und sind auch heute noch erster Ansprechpartner für Personen mit Migrationshintergrund.

Damit nicht genug. Sie waren auch als Elternsprecher und Schulelternratsvorsitzender bei der Grundschule in der Südstadt tätig. In der Burgschule Peine wurden Sie auch zum Elternsprecher gewählt und arbeiteten im Schulelternrat mit. Darüber hinaus sind Sie Mitglied im Quartierfondsauschuss der Südstadt, im Steuerkreis Integration, im OrgaTeam Fest der Kulturen und Sie arbeiten aktiv im Familiennetzwerk Integration mit.

Seit zwei Jahren organisieren Sie zusammen mit den Stadtwerken Peine GmbH das Jugendintegrationsturnier, das eine breite Beachtung findet. Sie sind beteiligt an der Organisation und Durchführung von Integrationsfesten wie das Fest der Kulturen, das Südstadtfest und „Bunt gegen Braun“.

Beim Thema Integration sind Sie Ansprechpartner für Parteien, Stadt und Landkreis Peine. Sie arbeiten eng zusammen mit Frau Nourkhiz, der Beauftragten für Gleichstellung, Familie und Integration der Stadt Peine.

Aber auch im sportlichen Bereich sind sie tätig und bringen hier verschiedenste Kulturen zusammen. Zum Beispiel als Trainer der I. und II. Herren beim SV Bosporus oder als Co-Trainer beim TSV Marathon Peine oder auch als Trainer beim SV Blau Weiß Schmedenstedt. Sie können hier sowohl als Spieler als auch als Trainer auf gute Erfolge zurückblicken. Außerdem sind Sie seit 15 Jahren im Vorstand des SV Bosporus und seit 2014 leiten Sie die Geschicke des Vereins als Vorsitzender.

Herr Kocak, Sie engagieren sich in einzigartiger Weise. Sie bringen Menschen unterschiedlicher Kulturen zusammen und begeistern für das Thema Integration, dem Sie sich mit ganzem Herzen verschrieben haben. Sie selbst sind dabei das Vorbild und eine Leitfigur für gelungene Integration.

In Anerkennung für Ihr Engagement in der Integrationsarbeit überreiche ich Ihnen hiermit den Integrationspreis der Stadt Peine.

Meine Damen und Herren,

die vorangegangenen Ehrungen stehen stellvertretend für die vielen Peinerinnen und Peiner, die sich in Kirchen, Vereinen, Verbänden, Institutionen und Initiativen für das Gemeinwohl unserer lebens- und liebenswerten Stadt einsetzten. Ihnen allen danke ich an dieser Stelle herzlich.

Bei der MSG-Combo Peine/Ilsede unter der Leitung von Jörg Boddeutsch bedanke ich mich für die wieder einmal ausgezeichnete musikalische Begleitung am heutigen Abend.

Für das leibliche Wohl haben wir natürlich auch in diesem Jahr gesorgt. Ich bitte Sie, sich in den Räumen der Stadtkasse auf der gegenüberliegenden Seite des Foyers zu bedienen.

Ich danke Ihnen für die Aufmerksamkeit und wünsche uns allen ein gutes, gesundes und erfolgreiches Jahr 2015 und einen netten Abend mit anregenden Gesprächen.

Vielen Dank!

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Stadt Peine

Lesen Sie alles rund um das traditionsreiche Peiner Fest. mehr

Konzert für Schüler in Ilsede
Veranstaltungen

Welche Veranstaltungen und Termine gibt es im Peiner Land? In unserer Datenbank finden Sie alle Infos. mehr

Sudoku

Das Zahlenrätsel Sudoku in verschiedenen Schwierigkeitsgraden

Kinoprogramm

Jeden Donnerstag neu: alle Filmstarts in Peine und Umgebung