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Netto-Räuber äußern sich vor Gericht

Peine / Hildeshaim Netto-Räuber äußern sich vor Gericht

Hildesheim. Persönliche Krisen, Ängste und traumatische Erlebnisse der Angeklagten kamen am zweiten Verhandlungstag im Hildesheimer Prozess wegen der Überfälle auf zwei Netto-Einkaufsmärkte in Telgte und Stederdorf zur Sprache.

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Im Gerichtssaal: Die (unkenntliche gemachten) Angeklagten links, in der Mitte und rechts sowie ihre Anwälte und Dolmetscher.

Die Schilderungen der drei jungen Männer sollten auch zum Verständnis der Taten beitragen.

Die Angeklagten hatten jeweils zu zweit maskiert und mit Schreckschusswaffe sowie Brechstange ausgerüstet die Märkte überfallen, die Mitarbeiter bedroht und sich den Tresor öffnen lassen. Ein dritter Mann wartete jeweils vor der Tür.

Er habe sich Anfang des Jahres mit seinen Eltern überworfen, berichtete einer der beiden 22-Jährigen. Als jesidische Kurden seien sie entsetzt gewesen, als sie erfuhren, dass eine nicht jesidische Frau ein Kind von ihm erwartete. Sie warfen ihn wenige Tage nach der Geburt seines Sohnes aus dem Haus.

In dieser Zeit habe er auch seine Arbeit bei Netto gekündigt. Er hatte dort eine Ausbildung gemacht, die Prüfung zwar nicht bestanden, später aber trotzdem wieder dort gearbeitet. In Stederdorf oder Telgte war er jedoch nicht beschäftigt.

Das Zerwürfnis mit der Familie, die Verantwortung für das Kind, diese Belastungen hätten ihn dazu getrieben, Geld zu verspielen, das er sich von Freunden zusammengeliehen hatte.

Kurz vor seiner Festnahme soll er sich einer Cousine anvertraut haben: Er habe Mist gebaut und brauche Hilfe. Er sei jedoch aus der jesidischen Gemeinschaft ausgeschlossen gewesen, erklärte Rechtsanwalt Dündar Kelloglu.

Die beiden 22-Jährigen kannten sich von Geburt an, ihre Väter stammen aus dem gleichen Ort. Der Zweite allerdings hatte ein ausreichendes Einkommen und seinem Freund auch schon öfter Geld geliehen. Er habe bei den Überfällen mitgemacht, um den Freund nicht zu verlieren, erklärte der junge Mann.

Seine Schwester habe 2008 die Familie verlassen. 2011 sei dann auch seine Mutter fortgegangen, er wisse nicht einmal wohin. Der Verlust dieser beiden Menschen habe ihm sehr zugesetzt. Mit seinem Vater verstehe er sich nicht besonders.

Während die beiden 22-Jährigen in Deutschland geboren sind, fließend Deutsch sprechen und einen Schulabschluss haben, kam der 19-jährige Angeklagte erst 2013 als 17-Jähriger ohne Begleitung aus dem Irak nach Lehrte. Er lebte zuerst bei seinem Bruder, musste nach einem Streit aber ausziehen.

In der Schule, wo er vor allem Sprachkenntnisse erwerben sollte, kam er nicht zurecht und schwänzte. Er hatte zur Tatzeit aber Arbeit in Hannover. In der Jugendanstalt in Hameln habe er jetzt auch besser Deutsch gelernt, berichtete der Vertreter des Jugendamtes Lehrte. Der 19-Jährige hatte angegeben, die beiden anderen hätten ihn zur Tat überredet.

Die Verhandlung in Hildesheim wird am Montag, 28. September, fortgesetzt.

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